Kein Hauptverfahren im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2006

WM-Affäre 2006: Gericht entlastet DFB-Funktionäre

Horst R. Schmidt, Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach

Horst R. Schmidt, Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach (v. l.) im Jahr 2007 bei einer DFB-Pressekonferenz. Getty Images

"Die Kammer hat keinen hinreichenden Tatverdacht gesehen", sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Er verwies darauf, dass die Staatsanwaltschaft innerhalb von einer Woche noch Beschwerde gegen die Entscheidung einlegen kann. Die Staatsanwaltschaft hatte Zwanziger, Niersbach und Schmidt im Zusammenhang wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung angeklagt.

Zwanziger wollte sich auf Anfrage zunächst nicht äußern, kündigte aber eine ausführliche Stellungnahme im Laufe der Woche an. Die Anwälte von Schmidt sehen sich in ihrer Auffassung bestätigt. "Wie die Verteidigung bereits vom ersten Tag der Ermittlungen - vor drei Jahren - vorgetragen hat, hat Herr Schmidt sich zu keinem Zeitpunkt strafbar gemacht. Damit bleibt es dabei: Das Sommermärchen 2006 war die beste WM aller Zeiten", hieß es in einer schriftlichen Erklärung. Von Wolfgang Niersbach lag vorerst keine Stellungnahme vor.

Niersbach, Zwanziger und Schmidt wurde in der Anklage vorgeworfen, die Rückzahlung von 6,7 Millionen Euro im Zuge der WM-Organisation an den Weltverband FIFA verschleiert zu haben. Dadurch sei eine falsche Steuererklärung für das WM-Jahr 2006 abgegeben worden. Körperschafts-, Gewerbe- und Umsatzsteuern sowie Solidaritätszuschlag seien in Höhe von über 13,7 Millionen Euro zugunsten des DFB verkürzt worden, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Der gesamte Skandal geht zunächst auf ein Darlehen in Höhe von umgerechnet 6,7 Millionen Euro zurück, das der WM-Organisations-Chef Franz Beckenbauer 2002 von dem früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus erhielt. Beckenbauer und sein damaliger Manager Robert Schwan leiteten das Geld auf ein Konto in Katar weiter, das zum Firmengeflecht des damaligen und nachweislich korrupten FIFA-Funktionärs Mohamed Bin Hammam gehörte.

Durch einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" im Oktober 2015 kam die Affäre um angebliche "schwarze Kassen" im Rahmen der Vergabe der WM 2006 an Deutschland ans Licht. Im November 2015 nahm die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall auf. Im Mai 2018 wurde schließlich Anklage gegen das Trio Zwanziger, Niersbach und Schmidt erhoben. Zu einem Verfahren kommt es aber nach der Entscheidung des Landgerichts Frankfurts nun nicht mehr.

dpa/jer