FC Bayern: Goretzka vor der Rückkehr auf Schalke

"Ich vermute, es wird nicht so sein wie bei Renato"

Leon Goretzka, FC Bayern München

Kehrt am Samstag nach Gelsenkirchen zurück: Leon Goretzka. imago

Es könnte durchaus sein, dass sich Manuel Neuer in den Stunden vor dem Spiel am Samstag noch mal mit Leon Goretzka zusammensetzt. So ein Gespräch unter Ex-Schalkern könnte ja eine geradezu therapeutische Wirkung haben. Man darf nicht vergessen: Das, was Neuer vor sieben Jahren erlebte, war so etwas wie "die Mutter" jüngster Liebesentzugsepisoden in der Bundesliga, wenn man diesen Sachverhalt mal mit dem aktuell höchst inflationär gebrauchten Begriff ausdrücken will. Die Erkenntnis, die der Nationaltorwart nach all den erlebten Anfeindungen am Mittwoch formulierte, hatte schon fast eine philosophische Ebene. "Je mehr Hass man bekommt, desto mehr weiß man auch, wie sehr man geliebt wird." Ein Satz, über den es sich durchaus lohnt mal länger nachzudenken. Aber ob er als Trost taugt?

"Mit Sicherheit ist das ein besonderes Spiel für mich"

Das muss man Leon Goretzka fragen. Er kehrt am Samstag das erste Mal zu dem Verein zurück, bei dem er Nationalspieler wurde, bei dem er sich zu jenem Spieler entwickelte, den in Europa eine Menge Klubs auf dem Zettel hatten und bei dem er sich trotz eines höchst lukrativen Angebots keine Zukunft mehr vorstellen konnte. Viele Fans interpretierten dieses Verhalten als "Verrat". "Mit Sicherheit ist das ein besonderes Spiel für mich", schaute Goretzka bereits in Lissabon aufs Wochenende. Doch wie der Mittelfeldspieler so über die Herausforderung bei seinem Ex-Klub sprach, muss man sich keine großen Sorgen um die Widerstandsfähigkeit des Nationalspielers machen.

Spielersteckbrief Goretzka
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Goretzka ist ein Spieler, der für sein Alter einen insgesamt sehr reflektierten und abgeklärten Eindruck macht. "Ich persönlich freue mich ausschließlich darauf, wieder nach Gelsenkirchen zu kommen und auch die alten Jungs wiederzusehen." Seinen "Jungs" schrieb er vor deren Partie gegen Porto noch fleißig ein paar aufmunternde Worte. Schließlich habe er ja auch seinen "Teil dazu beigetragen", dass sie mit dem Spiel in der Champions League gegen Porto nun "die Lorbeeren einfahren" könnten. Und natürlich saß er am Dienstagabend vor der Glotze, um das 1:1 seines Ex-Teams zu verfolgen. "Ich habe mich auch über die Schiedsrichter aufgeregt", bekannte Goretzka.

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Der Vergleich mit Renato Sanches' Rückkehr nach Lissabon

Die Sympathien verfliegen eben nicht so schnell. Wie soll das auch gehen, wenn man so lange mit einem Verein verbunden war? "Ich glaube, es wird ähnlich sein wie bei meinem Abschied. Es gibt zwei Lager. Die einen, die alles Gute wünschen und meinen Wechsel auch ein Stück weit verstanden haben. Andere äußern eben ihren Unmut. Ähnlich wird es am Samstag sein", prophezeit der 23-Jährige. Dabei hatte Goretzka bei seinem Champions-League-Debüt mit Bayern in Lissabon erlebt, wie es sein kann, wenn ein Spieler zurück zu seinen Wurzeln kehrt . "Ich vermute, es wird nicht ganz so sein wie bei Renato", gibt sich Goretzka realistisch. Dennoch wirkt der 23-Jährige so, als wolle er sich diesen Auftritt am Samstag auf keinen Fall durch die Finger gehen lassen. Er ist heiß auf das Spiel und hofft, dass er am Samstag in der Startelf steht. Trainer Niko Kovac hat bereits durchblicken lassen, dass er seinen Mittelfeldspieler für einen Einsatz von Beginn an vorsieht. Tipps habe sich Kovac noch nicht abgeholt, erzählte Goretzka, aber er gehe davon aus, dass das noch passiere. Schließlich kennt Goretzka das Team so gut wie kaum ein anderer.

Goretzka fühlt sich "akzeptiert und angenommen"

In München schreitet die Integration des Ex-Schalkers mit Sieben-Meilen-Stiefeln voran. Die Art, wie Goretzka Fußball spielt, wie er alles aufnimmt, was diesen erfolgreichen Verein ausmacht, wie er sich nach außen gibt, lässt viele Beobachter schon nach zwei Monaten sagen, Goretzka werde zu einem "Volltreffer". Noch ist es nicht soweit, doch die Chancen stehen gut, dass der Mann die nächsten Jahre in München wird prägen können. "Ich bin sehr gut angekommen, habe sehr gute, intensive Wochen zum Start gehabt. Mir geht es super gut, ich fühle mich akzeptiert und angenommen", berichtet der Spieler. Nicht nur das. Goretzka hat schnell verstanden, worum es bei Bayern vor allem geht. "Es ist ein anderes Auftreten bei Bayern. Es ist ein unfassbares Selbstvertrauen da. Man geht mit einer ganz breiten Brust auf den Platz. Das merkt man bei allen Spielern. Das saugt man auf." Es wird etwas von dieser breiten Brust am Samstag brauchen, wenn Goretzka den Rasen der Schalker Arena betritt. Doch das weiß keiner besser als er.

Mounir Zitouni

kicker.tv Hintergrund

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