Frankfurter dürfen am Donnerstag nicht vor Ort sein

Fan-Aufenthaltsverbot in Marseille - Eintracht empört

Eintracht-Fans am Freitag in Dortmund

Dürfen am Donnerstag nicht ins Stadion - und nicht in die Stadt: Fans von Eintracht Frankfurt. imago

Wer als Eintracht-Fan am Donnerstag in Marseille unterwegs ist, riskiert sogar eine Haftstrafe. Es ist die nächste unrühmliche Entwicklung rund um den Frankfurter Europa-League-Start, der eigentlich ein großes Fest hätte werden sollen.

Weil Olympique Marseille sein erstes Heimspiel im Europapokal nach einem UEFA-Urteil vor leeren Rängen austragen muss und der Computer-Algorithmus ausgerechnet die Eintracht als ersten Gegner bestimmte , dürfen die Frankfurter Fans am Donnerstag (18.55 Uhr, LIVE! bei kicker.de und im Stream auf DAZN ) nicht ins Stadion - und jetzt noch nicht einmal in die Stadt.

Die zuständige Präfektur erließ für jeden, "der sich darauf beruft, Fan von Eintracht Frankfurt zu sein bzw. sich als solcher durch sein Verhalten zu erkennen gibt", ein Aufenthaltsverbot, das am Donnerstag von 8 Uhr bis 24 Uhr im gesamten Stadtgebiet von Marseille gilt. Bei Verstößen drohen Geldstrafen oder sogar Haftstrafen.

"Völlig unangemessenen und rechtsstaatlich hochgradig bedenklichen"

Bei der Eintracht ist man empört: "Ein komplettes Stadtbetretungsverbot für unsere Anhänger zu erlassen, stellt einen völlig unangemessenen und rechtsstaatlich hochgradig bedenklichen, wenn nicht unzulässigen Eingriff in die Rechte eines jeden einzelnen dar", kritisiert Eintracht-Vorstand Axel Hellmann die Maßnahme. "Dieser Erlass stellt unsere Fans unter einen Generalverdacht, dem wir in aller Klarheit widersprechen."

Es werde "überdeutlich, dass dringender Handlungsbedarf bei der UEFA hinsichtlich der Anwendungspraxis von Kollektivstrafen besteht. Im Ergebnis sperrt man uns als völlig unbeteiligte Dritte nicht nur von einem Spiel, sondern aus einer ganzen Stadt aus. So kann das nicht weitergehen."

Die Ultras boykottieren das Spiel komplett - "eine Frage der Solidarität"

Hintergrund der umstrittenen Maßnahme könnten auch Vorfälle von der EURO 2016 sein, als es rund um das Gruppenspiel zwischen England und Russland in Marseille zu heftigen Ausschreitungen kam . Grundsätzlich sind Aufenthaltsverbote für Gästefans in Frankreich nicht ungewöhnlich.

Die "Ultras Frankfurt", die eine UEFA-Verschwörung wittern , boykottieren die Partie komplett - sie lehnten das Angebot der Eintracht ab, einige der 200 Tickets zu nutzen, die einer Gästemannschaft bei einem "Geisterspiel" für Delegationsmitglieder zustehen. "Dieses Spiel wird ohne uns stattfinden", schrieben sie am Montag. "Das ist eine Frage der Solidarität mit allen Eintrachtlern, denen dieses Erlebnis genommen wird."

jpe

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