Ein Kommentar von kicker-Redakteur Sebastian Wolff

Minimalziel erreicht, aber es bleibt viel Arbeit

Toni Kroos

Abklatschen und skeptische Blicke nach dem 2:1 gegen Peru: Joshua Kimmich und Toni Kroos. imago

Donnerstag in München war die Offensive der verordneten Kompaktheit zum Opfer gefallen, Verteidiger Matthias Ginter hatte in seiner Analyse die guten alten "deutschen Tugenden" reaktiviert gesehen. Löw hatte es sich und seinem Team zur Aufgabe gestellt, gegen Peru beide Elemente, Ordnung und Offensivwucht, zu vereinen - und hat diese Vorgabe trotz des Sieges nur bedingt erreicht: Deutschland griff deutlich früher und elanvoller als gegen Frankreich an, offenbarte jedoch schon beim Gegentreffer die eklatante Konteranfälligkeit, wirkte nach der Pause dann häufig ungeordnet und lieferte sich mit Peru einen Schlagabtausch wie beim Boxen - nur ohne Deckung.

Die Suche nach der richtigen Balance also geht in die nächste Runde. Natürlich war es naiv zu glauben, dass während der ersten gemeinsamen Tage seit der WM bereits alle Schwierigkeiten einfach zu beheben seien. Und doch hat insbesondere das 2:1 vom Sonntag gezeigt, dass die Probleme tatsächlich tiefer liegen. Denn: Das Bemühen war der Mannschaft in beiden Partien keineswegs abzusprechen, dennoch erscheint der Weg zurück Richtung Weltspitze mühsam. Weil es hinten weiter klemmt, wenn der Weg nach vorn eingeschlagen wird. Und dort ein Torjäger von Format fehlt, wie der Chancenwucher belegt.

"Wir haben als Team das Bedürfnis, etwas geradezurücken", hatte Toni Kroos im Vorfeld der 180 Minuten dieser Woche angekündigt. Immerhin ihm ist das ausnahmslos gelungen. Kroos paarte seine Kreativität in beiden Partien mit von ihm lange nicht gesehener Leidenschaft in der Arbeit gegen den Ball. Der Mittelfeldstar von Real Madrid hat die richtige Mischung aus Kampf und Kunst gefunden - Löw und dem Rest seines Teams steht dieser Balanceakt noch bevor.

kicker-Redakteur Sebastian Wolff

kicker-Redakteur Sebastian Wolff. kicker

Bilder zur Partie Deutschland - Peru