Trainer Frontzeck scheint nur einen Plan zu haben

FCK: Fahrtrichtung Sackgasse

Michael Frontzeck

Holte mit dem FCK fünf Punkte in den ersten fünf Saisonspielen: Trainer Michael Frontzeck. imago

Im Zentrum der Kritik steht Trainer Michael Frontzeck. Sehr zum Unverständnis des Betroffenen selbst. Er möchte der Öffentlichkeit vermitteln, dass es sich dabei nur um einen oberflächlichen Reflex im Fußball handelt, wenn es sportlich nicht läuft. Nach dem Motto: Der Trainer ist das schwächste Glied in der Kette, der ist sowieso immer schuld.

Doch beim FCK sieht es anders aus. Frontzeck selbst liefert mit seiner Verteidigungsstrategie einen Hinweis auf die Ursachen der Kritik. "Meinen Sie, dass eine Taktik Spiele gewinnt?", raunte der angefressene Frontzeck vergangenen Donnerstag einen Journalisten an, der ihn bei der Pressekonferenz vor dem Südwest-Derby gegen Karlsruhe nach möglichen personellen und taktischen Konsequenzen infolge der 1:6-Niederlage im Pokal gegen Hoffenheim und zuvor nur vier Zählern aus vier Ligaspielen gefragt hatte.

Trainersteckbrief Frontzeck

Frontzeck Michael

vereinslos

Deutschland

Trainersteckbrief
3. Liga Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
VfL Osnabrück
11
2
SpVgg Unterhaching
11
3
KFC Uerdingen 05
10
4
Carl Zeiss Jena
10
5
Hallescher FC
9
6
Preußen Münster
9
7
Energie Cottbus
8
8
FSV Zwickau
8
9
1860 München
7
Tabelle 3. Liga
Vereinsdaten 1. FC Kaiserslautern

Gründungsdatum02.06.1900

Mitglieder17.466

VereinsfarbenRot-Weiß

Anschrift Fritz-Walter-Straße 1
67663 Kaiserslautern

Internetwww.fck.de

Vereinsinfo
3. Liga - 5. Spieltag
5. Spieltag
die letzten 10 Spiele - 1. FC Kaiserslautern
Rodenbach (A)
0
:
5
(vereinslos) (H)
7
:
0
Bayern (H)
1
:
1
Worms (H)
2
:
1
Meppen (H)
4
:
2
Würzburg (A)
2
:
0
Haching (H)
4
:
0
Wehen (A)
2
:
0
Rostock (H)
0
:
2
Cottbus (A)
1
:
1
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Frontzeck scheint nur einen Plan A zu haben

Frontzecks Frage steht für sich. Natürlich müssen die Spieler eine taktische Ausrichtung auf dem Platz mit Leben füllen. Um Erfolg zu haben, sollten sie idealerweise eine gute Tagesform erwischen und ihre Aufgaben mit Passsicherheit, Zweikampf-, Lauf- und Abschlussstärke sowie Entschlossenheit erfüllen. Aber eine Strategie, die für verschiedene Verhaltensweisen des Gegners Lösungsmöglichkeiten enthält, ist dennoch unerlässlich. Die Spieler brauchen fachliche Führung, einen Plan, den sie befolgen können. Und wenn der nicht klappt, sollte es einen Plan B, C und bestenfalls auch D geben. Wie sonst hätte Eintracht Frankfurt im jüngsten DFB-Pokalfinale gegen Bayern München gewinnen können, wenn Trainer Niko Kovac seine gut aufgelegten Spieler nicht mit einer ausgeklügelten taktischen Strategie auf den Rasen geschickt hätte?

Auch Frontzeck hat natürlich einen Plan - aber es scheint nur ein einziger zu sein. In der Liga trat der FCK bisher ausnahmslos in einer 4-4-2-Grundordnung an, nur gegen Hoffenheim wurde diese minimal zu einem 4-2-3-1 abgeändert, als Julius Biada, zuvor als zweite Spitze eingesetzt, etwas zurückgezogener agierte. Weil auch meist dasselbe Personal auf dem Platz steht, ist die Gegneranalyse aus Sicht der FCK-Kontrahenten seit Wochen nicht besonders komplex.

Überraschungen und Umstellungen sind kaum zu erwarten. Linksaußen Hendrick Zuck fehlte einmal aus persönlichen Gründen, Innenverteidiger André Hainault und Stürmer Lukas Spalvis, der wegen einer Knieblessur aus dem KSC-Spiel (0:0) erneut auszufallen droht, setzten jeweils einmal verletzt aus. Lediglich das Wechselspiel in der Offensive zwischen Biada und Timmy Thiele sowie das erstmalige Startelfmandat für Jan Löhmannsröben gegen den KSC (für Gino Fechner) hatten nichts mit einem Ausfall eines Akteurs zu tun.

In der Spielanlage stimmt etwas nicht

Spieler des 1. FC Kaiserslautern

Schwache Bilanz: Der FCK hat bislang nur drei Tore geschossen, aber schon fünf bekommen. imago

Diese System- und Personaltreue ist legitim. Vor allem dann, wenn man erfolgreich ist oder trotz spielerischer Überlegenheit durch Pech oder andere Ursachen Punkte liegen lässt. Solche Umstände treffen beim FCK jedoch aktuell nicht zu. Die Nullnummer gegen Karlsruhe lieferte den nächsten Beleg, dass in der Spielanlage etwas nicht stimmt. Gute Torchancen gab es nur drei: Nach einem Antritt von Christoph Hemlein von rechts außen nach innen wurde dieser eigentlich gefoult, der Ball kam aber doch noch halbhoch im Strafraum zu Spalvis, der den Abschluss weit übers Tor setzte. Die zwei weiteren Gelegenheiten nach dem Seitenwechsel: Ein Schuss im Grätschen von Mads Albaek nach gutem Doppelpass und ein Fernschuss von Florian Pick nach Einzelleistung kurz vor dem Ende. Unterm Strich ist das in einem solch brisanten und wichtigen Heimspiel deutlich zu wenig. Das aktuelle Liga-Torverhältnis von 3:5 spricht eine deutliche Sprache.

Ich werde meine Linie gehen, da gibt es kein Wenn und Aber.

Michael Frontzeck

Spannend, ob Frontzeck bei der nächsten richtungsweisenden Partie in Zwickau am Sonntag seinen Spielern alternative Lösungen für mehr Torgefährlichkeit mit an die Hand gibt. Sein Statement im Vorfeld des KSC-Spiels klang jedenfalls nicht danach: "Wir haben 18 neue Spieler und über sieben Wochen in der Vorbereitung etwas einstudiert, was ich nach vier Wochen natürlich nicht wieder über den Haufen werfe, nur damit irgendjemand sagt, oh, der ist aber taktisch variabel. Ich werde meine Linie gehen, da gibt es kein Wenn und Aber."

Noch eine andere Aussage Frontzecks vom vergangenen Donnerstag ist bemerkenswert. "Letztendlich ist es wichtig: Was hast du für Spieler? Danach richtet sich die Taktik aus", sagte der 54-Jährige. Ist die von Sportvorstand Martin Bader und Sportdirektor Boris Notzon zusammengestellte Mannschaft also nur in der Lage, ein System zu spielen? Wohl kaum, ansonsten würde es ein sehr schlechtes Licht auf die Kaderplanung werfen, für die mit 5,5 Millionen Euro eines der ligaweiten Top-Budgets zur Verfügung stand. Und was ist eigentlich mit den Profis, die bisher kaum zum Einsatz gekommen sind, wo doch die Bosse den gesamten Kader als ausgewogen anpreisen. Auch viele externe Experten bescheinigen dem Aufgebot das Potenzial, an der Drittliga-Spitze eine gute Rolle zu spielen.

Gegen ein 4-4-2 ist an sich nichts einzuwenden

Natürlich ist die taktische Grundformation, deren Bedeutung oft überhöht wird, nicht der Grund allen Übels beim FCK. Und gegen ein 4-4-2 ist an sich auch nichts einzuwenden. Einige Bundesligisten und viele andere Teams weltweit sind damit erfolgreich. Aber es muss zur jeweiligen Situation und dem Gegner passen sowie durch ein abgestimmtes Kollektiv variabel interpretiert werden. Ob bei der Arbeit gegen den Ball oder im Angriffsspiel. Auf dem Platz verändern sich Systeme fließend, bestenfalls so, dass damit wichtige und erfolgsversprechende Räume besetzt sind und einstudierte Angriffsautomatismen greifen können, sofern sie vorhanden sind. Es reicht eben auch in der 3. Liga nicht, nur die elf vermeintlich besten Spieler auf den Platz zu schicken.

Lukas Spalvis

Erklärungsnöte: Lukas Spalvis nach dem 0:2 in Halle.

Beim FCK entpuppt sich vor allem die Schnittstelle zwischen Mittelfeld und Angriff als eine Problemzone. Durch die Ausrichtung mit zwei defensiven Sechsern, zwei Außenspielern und zwei Stürmern ist das offensive Mittelfeldzentrum oft nicht ausreichend besetzt, um von dort Angriffe ein- bzw. weiterzuleiten oder zum Abschluss zu bringen. Ein 4-1-4-1 mit einem Sechser vor der Abwehr und zwei Achtern davor - einer defensiver, einer offensiver orientiert - könnte eine Alternative sein. Gut vorbereitete Teams können auch problemlos innerhalb eines Spiels die taktische Ausrichtung und Raumaufteilung verändern, wenn Defizite vom Trainerstab erkannt werden.

Kein großer Investor in Sicht

Fest steht: Beim FCK muss sich grundsätzlich etwas ändern. Nur mit Durchhalteparolen - Bader, Frontzeck und Co. verweisen unerlässlich auf den großen Umbruch, die einkalkulierten Rückschläge und, dass der Weg steinig sei - findet der Fritz-Walter-Klub nicht zurück in die Erfolgsspur. Dabei ist er durch wirtschaftliche Zwänge zum direkten Wiederaufstieg verdammt. Wenn kein großer Investor den finanziellen Rettungsanker wirft - ein solcher ist derzeit nicht in Sicht - steht bei einem Verbleib in der 3. Liga auf dem Betzenberg alles infrage.

Deshalb enthalten die bis Sommer 2019 datierten Verträge von Bader und Notzon auch nur im Falle einer Zweitliga-Rückkehr eine Verlängerungsoption. Bis zum Saisonende bleibt allerdings noch genug Zeit, im Sinne des Vereins zu handeln. Eine Last-Minute-Spielerverpflichtung bis zum Transferschluss am kommenden Freitagabend, die obendrein laut Bader nur im Verletzungsfall geplant ist, wird da eher nicht ausreichen.

Carsten Schröter-Lorenz