Rückblick: Wie Dortmund 2012 gegen Fürth ins Finale einzog

"Torwartwechsel, Torwartwechsel, Hey, Hey!"

Freud und Leid ganz dicht beieinander: Gündogan jubelt, die Fürther sind fassungslos imago

Nach intensiven 120 Minuten Pokal-Fight, in denen wenig auf einen Klassenunterschied schließen ließ, hatten sich im Fürther Ronhof alle mit dem Gedanken an das Elfmeterschießen angefreundet. Doch in allerletzter Sekunde kam etwas dazwischen: Ilkay Gündogans Pike, ein Torpfosten und Jasmin Fejzics Rücken.

Fürths Trainer Mike Büskens war es, der in der 118. Minute einen nicht alltäglichen Kniff auspackte. Trotz der laufintensiven Partie verzichtete er bis dahin auf einen dritten frischen Spieler. Erst zum Ende der Verlängerung stand plötzlich der Ersatztorwart zum Wechsel bereit.

Jasmin Fejzic, seines Zeichens nicht nur Elfertöter, sondern auch sicherer Schütze, wie der jetzige Magdeburger damals bei der zweiten Mannschaft unter Beweis gestellt hatte. Er hätte als Held in die Fürther Vereinschronik eingehen sollen und wurde zur tragischen Figur.

Es waren 119 Minuten und 57 Sekunden gespielt. Eine letzte, vermeintlich harmlose Offensivaktion sollte es noch geben. Der damals 21-jährige Gündogan fasste sich ein Herz und zog von der Strafraumkante ab. Der Ball klatschte an den Pfosten, dann kam Fejzic ins Spiel - zum zweiten Mal sozusagen. Nachdem er sich vergeblich nach dem Flachschuss streckte, sprang ihm der Ball unglücklich an den Rücken und von da aus ins Tor. Die für Fejzic angedachte Rolle fiel also Gündogan zu.

Revier-Zoff im Ronhof

Die BVB-Fans kamen aus dem Jubeln nicht mehr heraus, während auf der Heimseite große Leere in den Gesichtern der Spieler abzulesen war. Gerald Asamoah, in der 85. Minute auf Seiten der Fürther eingewechselt, erinnert sich im Gespräch mit dem kicker noch an "eine geile Mannschaftsleistung und eine Last-Minute-Niederlage, die sich auch heute noch bitter anfühlt". Asamoah war es auch, der bei den unschönen Szenen nach dem direkt erfolgten Abpfiff im Blickpunkt stand. Der Schalker Junge, wie sich Asamoah selbst bezeichnet, lieferte sich ein hitziges Wortgefecht mit Kevin Großkreutz, nachdem der Dortmunder in seiner Euphorie provozierend auf die Vereinslegende des königsblauen Rivalen zustürmte.

Für alle umstehenden Journalisten und auch die Gegner gut hörbar, feierten die Dortmunder Spieler den Last-Second-Sieg mit einem Seitenwink: "Torwartwechsel, Torwartwechsel, Hey, Hey" war der Song der Stunde der aus der Gästekabine dröhnte. Der letztlich missglückte Wechsel wurde weit nach Abpfiff noch heiß diskutiert. Nicht nur in den Kabinen oder auf den Tribünen, sondern auch bei der Pressekonferenz. Dort führten Dortmund-Trainer Klopp und sein Gegenüber, Euro-Fighter Mike Büskens, eine hitzige Debatte darüber, ob vom Underdog arrogant oder respektlos war. Diesen Vorwurf versteht Asamoah bis heute nicht: "Im Training war es verdammt schwer, gegen Jasmin einen Elfmeter zu verwandeln." Die Entscheidung des Trainerteams sei die richtige gewesen. Letztlich, so der 43-fache deutsche Nationalspieler, "hing es lediglich an ein, zwei Zentimetern, dass sie nicht zum Tragen kam".

Versöhnliches Ende für beide Teams

Nach dieser denkwürdigen Pokal-Nacht gab es für beide Teams übrigens noch ein versöhnliches Saisonende. Die Spielvereinigung ließ sich von dem Nackenschlag nicht aus der Bahn werfen und machte in den folgenden Wochen den Aufstieg in Bundesliga perfekt. Die Dortmunder sicherten sich wenig später die zweite deutsche Meisterschaft in Folge und im Finale von Berlin folgte eine Gala. Der FC Bayern wurde mit 5:2 aus dem Olympiastadion geschossen.

mlr

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