SSC Neapel im Check: Der amtierende Vizemeister will mehr

"Altes" Napoli und ein Ancelotti-Kniff

Carlo Ancelotti

Steht vor einer schwierigen ersten Saison als neuer Napoli-Coach: Carlo Ancelotti. Getty Images

Es wäre ein heftiger Rückschlag gewesen - einer, der den Fans nahezu sämtliche Hoffnung genommen und ganz Napoli das sportliche Herz herausgerissen hätte. Doch letztlich kam es nicht zur Hiobsbotschaft, dass Kapitän und Führungskraft Marek Hamsik den stolzen süditalienischen Klub verlässt.

Es hätte allerdings dazu kommen können, wie Hamsiks Berater Martin Petras jüngst mitgeteilt hatte: "Es muss gesagt werden, dass Marek in den vergangenen Monaten die Lust verloren hat." Zu viel sei ihm letztlich alles gewesen - besonders das stete Gerede über die Fußstapfen von Vereinslegende Diego Maradona, der die einzigen beiden Meisterschaften des Klubs realisiert hatte. Der Slowake, der für Napoli in bislang 501 Pflichtspielen satte 120 Treffer erzielt und in dieser Rubrik Maradona bereits überflügelt hat, dachte dem Vernehmen nach heftig an einen Wechsel nach China .

Spielersteckbrief Hamsik

Hamsik Marek

Spielersteckbrief Karnezis

Karnezis Orestis

Spielersteckbrief José Callejon

Callejon Bueno José Maria

Spielersteckbrief Younes

Younes Amin

Spielersteckbrief L. Insigne

Insigne Lorenzo

Spielersteckbrief Mertens

Mertens Dries

Spielersteckbrief Koulibaly

Koulibaly Kalidou

Trainersteckbrief Ancelotti

Ancelotti Carlo

SSC Neapel - Vereinsdaten

Gründungsdatum

01.08.1926

Vereinsfarben

Blau-Weiß

Hamsik: Lust verloren und wiedergefunden

Doch ein Mann hat offenbar das Fußball-Feuer in Hamsik wieder entfacht - gerade noch zur rechten Zeit vor einem etwaigen Abschied ins Reich der Mitte. Sein Name: Carlo Ancelotti. Der neue Trainer der Neapolitaner und Nachfolger des zum FC Chelsea gewanderten Maurizio Sarri nämlich hat sich mit dem Mittelfeldmann intensiv ausgetauscht - und ihm eine etwas andere Rolle zugedacht. Hamsik soll fortan als Spielgestalter aus dem hinteren Mittelfeld die Geschicke des Teams lenken und Bälle an Dribbelkünstler wie Lorenzo Insigne oder José Callejon verteilen. Die laufintensivere Rolle als Achter oder Zehner dürfen andere ausfüllen. Passenderweise wurde eine Position im aufbauenden Mittelfeld ohnehin durch den Abgang von Jorginho (ebenfalls beim FC Chelsea) frei.

Marek Hamsik

Soll die Fäden im Mittelfeld ziehen: Neapels Kapitän Marek Hamsik. Getty Images

Hamsik mimt so in den Augen von Berater Petras eine Art Andrea Pirlo 2.0. Der italienische Weltmeister von 2006 hat unter "Carletto" in den Spielzeiten 2002/03 und 2006/07 die Champions League gewonnen - und war ebenfalls während seiner Laufbahn zum ersten Aufbauspieler avanciert. "Ancelotti hat einst die Karriere von Pirlo bei Milan verlängert, indem er ihn etwas nach hinten beordert hat", so Petras. "Er ist ein cleverer Trainer, der schon mit vielen großen Spielern zusammengearbeitet hat. Wenn er also bei Hamsik eine solche Intuition hat, dann wird das seine Gründe haben." Ob sich dieser Kniff allerdings in Süditalien auszeichnet, muss erst noch abgewartet werden.

Es fehlen die Alternativen

Ganz besonders deswegen, weil sich im gesamten Team durchaus einige Fragezeichen auftun: Zwar bleibt Top-Innenverteidiger Kalidou Koulibaly dem Vorjahres-Zweiten, der lange Zeit Erster war, vom Titel träumen durfte und letztlich doch wieder von Serienmeister Juventus eingeholt wurde, erhalten. Dafür genügt Torwart Orestis Karnezis den Ansprüchen der Bosse nicht (Ochoa oder Trapp sollen kommen), im Mittelfeld fehlen neben gestandenen Akteure wie Hamsik, Allan oder Piotr Zielinski die ganz starken Alternativen.

Und vorne? Dort sieht alles bislang gut wie altbekannt aus: Auf den Flügeln werden die Wirbelwinde Lorenzo Insigne wie José Callejon auf Dauer von Neuzugang Amin Younes, der allerdings erst einmal nach seinem kuriosen Wechsel einen Achillessehnenriss auskurieren muss, unter Druck gesetzt, während an vorderster Front Dries Mertens wie Arkadiusz Milik für Tore sorgen sollen.

Lorenzo Insigne, Dries Mertens und José Callejon (v.l.n.r.)

Top-Trio im Napoli-Sturm: Lorenzo Insigne, Dries Mertens und José Callejon (v.l.n.r.). Getty Images

Ganz schnell lässt sich eines dabei erkennen: Der neapolitanische Kader ist qualitativ hochwertig, es fehlt allerdings an der Tiefe. Große Verletzungen können kaum bis gar nicht kompensiert werden - besonders in der Offensive. Außerdem zeigt sich die Abwehr um einen schwachen Torwart bislang akut anfällig ( 0:5 im Test gegen Liverpool , 1:3 im Test gegen Wolfsburg ; immerhin ein 3:1 gegen den BVB ).

Fehlstart? Ancelottis schweres Programm

Gefahr birgt ferner auch der heftige Serie-A-Beginn, der einen Fehlstart zur Folge haben könnte: Neapel muss am Samstag (20.30 Uhr) nach Rom zu Lazio um Torschützenkönig Ciro Immobile, bekommt es zu Hause mit Milan um Top-Neuzugang Gonzalo Higuain zu tun - weiter geht es mit Partien gegen Sampdoria, Florenz, Torino, Aufsteiger Parma und Meister Juve. Die sicherlich zu Beginn aufgeheizten Fans, die besonders im legendären San Paolo stets für fantastische Stimmung sorgen, könnten so auf die Probe gestellt werden.

Genauso SSC-Präsident Aurelio De Laurentiis. Der 69-jährige Filmproduzent hat Coach Ancelotti in der Hoffnung auf den Scudetto verpflichtet. Wie viel Zeit er dem ehemaligen Münchner dabei einräumt, ist offen. Sicher ist: Ancelotti muss die auch ohne Titel großen Sarri-Fußstapfen erst einmal ausfüllen - schließlich hat dieser Napoli zuletzt nach seiner Debütsaison 2015/16 (82 Zähler, Rang 2) zu den Punktrekorden 86 (Platz 3) und 91 (Platz 2) geführt.

Hamsik glaubt fest ans Team

Abschreiben sollte man das mit der ersten Garnitur stark aufgestellte Neapel, das vielleicht in der vergangenen Saison die beste Chance auf den Titel liegengelassen hat, aber nie - das macht der 31-jährige Kapitän Hamsik selbst klar: "Wir sind immer noch dieselben, nur ein Jahr älter."

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