Publikumsliebling des 1. FC Heidenheim feiert Jubiläum

"Traum aller Schwiegermütter": Schnatterer wird 10

Marc Schnatterer

Publikumsliebling und Heidenheim-Ikone: Marc Schnatterer feiert zehnjähriges Jubiläum. imago

Es ist Sommer, Sommer 2008 - und Marc Schnatterer, der beim TSV Bönnigheim den Fußball lieben lernt und später zum 1. Juli 2008 vom Karlsruher SC an die Ostalb wechselt, läuft an diesem 10. August das erste Mal in einem Pflichtspiel für den damaligen Regionalligisten 1. FC Heidenheim auf. "Ein ganz besonderes Spiel gegen den späteren deutschen Meister VfL Wolfsburg mit Trainer Felix Magath", erinnert sich der Mittelfeldmann heutzutage an die damalige 0:3-Pleite im DFB-Pokal.

Was damals niemand ahnt, weiß heute besonders in der kleinen Stadt Heidenheim an der Brenz (nicht einmal 50.000 Einwohner) schier jedes Kind: Der kreative und schussstarke Spieler behauptet sich trotz einiger Startschwierigkeiten ("Ich hatte generell Bedenken, ob eine Zukunft in der Regionalliga das sein würde, was ich tatsächlich will") relativ zügig als Stammspieler, schießt den FCH von der Regionalliga Süd in die eingleisige 3. Liga und später gar ins deutsche Unterhaus. Dort kickt, trifft und feiert der Kapitän noch heute - exakt zehn Jahre später, mit 32 Jahren.

Spielersteckbrief Schnatterer
7

Schnatterer Marc

1. FC Heidenheim

Deutschland

Spielerprofil
Trainersteckbrief Schmidt

Schmidt Frank

1. FC Heidenheim

Deutschland

Trainersteckbrief
Vereinsdaten 1. FC Heidenheim

Gründungsdatum01.01.2007

Mitglieder2.708

VereinsfarbenRot-Blau-Weiß

Anschrift Schloßhaustraße 162
89522 Heidenheim a. d. Brenz

Internetwww.fc-heidenheim.de/

Vereinsinfo

Gemeinsam mit Trainer Frank Schmidt, der gar seit 2007 die sportlichen Geschicke der Heidenheimer leitet und ebenfalls noch heute im Amt ist, verkörpert der liebevoll "Schnatti" genannte Publikumsliebling einen Wert, der im Profifußball beinahe ausgestorben ist: Vereinstreue. Schnatterer liefert das allerdings seit der Regionalliga-Saison 2008/09, die mit dem Aufstieg endete.

Tore, Tore, Tore - und zahllose Vorlagen

Inzwischen kommt der Standardexperte in 311 Spielen (2. und 3. Liga) auf beeindruckende 94 Tore sowie 95 Vorlagen - insgesamt sind es gar stolze 360 Pflichtspiele, 107 Tore und 106 Vorlagen für seinen Herzensklub. Schnatterer, bis 2020 unter Vertrag, wird auf den ruhigen Heidenheimer Straßen gegrüßt, seit jeher respektiert, geschätzt - und lautstark im Stadion gefeiert. Er sei "ein Traum aller Schwiegermütter", wie sein Trainer Schmidt den gebürtigen Heilbronner beschreibt.

Marc Schnatterer

Seine erste Saison: Marc Schnatterer nimmt mit dem 1. FC Heidenheim 2008 erstmals Fahrt auf. imago

Wechsel schlägt der Profi trotz immer wieder aufkommender Spekulationen oder gar eintrudelnder Angebote stets aus. Im kicker-Interview sagt Schnatterer einmal im Sommer 2013: "Es gab Angebote. Auf jeden Fall habe ich mir genug Gedanken gemacht. Ich habe aber immer betont, wie wohl ich mich in Heidenheim fühle. Ich bin kein Typ, der nur für ein, zwei Jahre herkommt, um Fußball zu spielen und dann über Nacht seine Sachen packt. Heidenheim gibt mir sehr viel." Der vielleicht passendste Satz, der damals fällt: "Heidenheim passt zu mir und ich passe nach Heidenheim."

Egal, in welcher Spielklasse, er hat seine Leistungen konstant gebracht und war immer einer der Besten.

Trainer Frank Schmidt

"Marc Schnatterer ist im Verlauf der vergangenen zehn Jahre in jeder Liga mit den Herausforderungen gewachsen und zu einer echten Führungspersönlichkeit gereift. Egal, in welcher Spielklasse, er hat seine Leistungen konstant gebracht und war immer einer der Besten", lobt Coach Schmidt seinen Schützling gegenüber der "Südwest Presse Online". "Er ist ein vorbildlicher Kapitän - ein Spieler, der stets den Unterschied ausmachen kann und der von seiner Torgefahr und Leidenschaft lebt. Gerade deshalb passt Marc Schnatterer so gut zum FCH."

Aufstieg in die 2. Liga? "Sensationell"

Was hebt solch ein Spieler aber besonders in seiner nahezu beispiellosen Karriere hervor? Es gibt einiges: "Natürlich die Aufstiege in die 3. Liga im Jahr 2009 und in die 2. Liga 2014, aber auch der Pokalspielsieg gegen Werder Bremen im Jahr 2011. Der Sprung in die 3. Liga war deshalb genial, weil ich immer schon davon träumte, gegen Traditionsklubs wie Dynamo Dresden zu spielen. Beim Sieg gegen Bremen hatte ich derweil das Gefühl, das Stadion brennt. Das war ein Riesenfesttag für die ganze Stadt. Alle lagen sich irgendwie in den Armen, ob man sich kannte oder nicht. Und der Aufstieg in die 2. Liga? Ganz speziell. Sensationell, wie das damals zelebriert wurde."

Marc Schnatterer-Masken

Im Schnatterer-Wahn: Fans und Mitspieler schätzen Marc Schnatterer seit jeher - und ziehen sich zum Saisonstart 2018 Masken auf. imago

Rückschläge? Es gibt sie nicht wirklich. Seine größte Enttäuschung ist sicherlich "die verpasste Aufstiegs-Relegation 2013." Das Tragische daran: "Wir waren immer auf Tuchfühlung zu Platz zwei und schafften es dann, am vorletzten Spieltag mit einem Sieg in Saarbrücken und durch Patzer der Konkurrenz Dritter zu werden." Letztlich nach einem 0:0 am 38. Spieltag gegen Offenbach reicht es nur zu Platz 5.

Ende der vergangenen Spielzeit fällt Schnatterer indes erstmals in der Heidenheimer Zweitliga-Historie verletzt aus, nachdem er zuvor seit der Spielzeit 2014/15 jedes Ligaspiel absolviert hat. Trotzdem bringt es der Führungsspieler, der im kicker-Managerspiel seit Jahren eine zuverlässige Konstante vieler Zocker ist, in 32 Partien auf acht Tore sowie überragende 14 Assists. "Ich habe den Charakterzug, dass ich sage: Es gibt für mich kein Ausruhen. Aber natürlich muss man als älterer Spieler auch mal ruhiger machen", sagt der 32-Jährige und ergänzt: "Wichtig ist, dass man viel spielt. Dann wird man für den Wettkampf abgehärtet."

"Ein Traum, der wahr wird"

In seiner elften Saison mit dem FCH freut sich "Schnatti", der viele Fans immer auch mal in der Stadt trifft und den Kontakt nicht scheut sowie trotz seiner immensen Anzahl an Pflichtspielen noch nicht mal vom Platz geflogen ist, besonders auf das Spiel beim 1. FC Köln: "Bei der Atmosphäre, bei der Musik einzulaufen - das ist ein Traum, der wahr wird."

mag

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10 Jahre "Schnatti": Eine Ikone im Wandel der Zeit