Einblicke in Bremens eSport-Einstieg

Werder-Boss Bode: "eSport soll kein Anhängsel sein"

Marco Bode (l.) und Dominik Kupilas (r.) begrüßen mit Mohammed 'MoAubameyang' Harkous den ersten eSportler von Werder Bremen.

Marco Bode (l.) und Dominik Kupilas (r.) begrüßen mit Mohammed 'MoAubameyang' Harkous den ersten eSportler von Werder Bremen. kicker eSport

Am 24. August kündigte der SV Werder Bremen an: Zukünftig mischt der Bundesligist von der Weser im eSport mit. Die Überlegungen diesbezüglich gehen aber schon weiter zurück. Zweieinhalb Jahre, um genau zu sein, wie uns der Leiter Content & Digital Dominik Kupilas verriet. Es war kein Ziel des Vereins, als erster Bundesligist diesen Schritt zu wagen. Stattdessen wartete man, beobachtete und stellte Überlegungen an. Selbstverständlich lag ein besonderes Augenmerk auf den anderen Fußballvereinen, die im eSport aktiv sind. Kupilas erwähnte dabei vormals zwei Klubs: "Gerade beim VfL Wolfsburg kann man sich in puncto FIFA viel abschauen, aber auch Schalke war im Hinblick auf die gesamten Strukturen sehr interessant."

Wann immer ein Bundesligist in den eSport einsteigt, kommt bei den Fans des Klubs vor allem eine Frage auf: Warum macht der Verein das? Eine Antwort darauf lieferte Werders Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode: "Es ist ein sehr spannendes, strategisches Thema mit einer Menge Potenzial für die Zukunft. Es liefert uns einen guten Weg, um mit einer jungen Zielgruppe zu kommunizieren." Kupilas führte weiter aus: "Wir sehen eine große Chance. Es ist ein extrem schnell wachsendes Feld und damit mussten wir uns ernsthaft auseinandersetzen."

eSport und Fußball Hand in Hand

Erster eSportler von Werder Bremen ist Mohammed 'MoAubameyang' Harkous. Für Kupilas war der in Bochum ansässige Profi ein Wunschkandidat, da er sowohl mit seiner spielerischen Klasse als auch mit seiner Strahlkraft in die Szene überzeugt. Insbesondere die soziale Komponente war essenziell: "Unsere Spieler sollen Lust auf das Vereinsleben haben, da wir sie sehr eng einbeziehen wollen. Der reale und der digitale Fußball sollen miteinander kommunizieren und einhergehen." Konkret konnte Kupilas noch nichts ankündigen, der Bereichsleiter erwähnte jedoch, dass verschiedene Projekte geplant seien - auch in Kombination mit der Fußballmannschaft. Bode unterstrich diese Zusammenarbeit: "eSport soll kein Anhängsel sein, das keinen Kontakt zum Rest des Vereins hat, sondern ein lebendiges Element."

"Es gibt immer Risiken"

Neben dem großen Potenzial, welches der eSport bietet, ist es dennoch ein gewisses Wagnis, eine eigene Abteilung dafür zu gründen. Das ist nicht finanziell zu sehen, sondern aus vereinspolitischer Sicht, wie Bode weiß: "Es gibt natürlich immer Risiken und sicher auch Leute, die uns für diesen Schritt kritisieren aufgrund von Themen wie Spielsucht und weil wir als Sportverein eigentlich junge Leute dazu auffordern, aktiv zu sein. Das tun wir auch weiterhin. Es schließt sich aber nicht aus. Auch ich habe, als ich noch jünger war, Computer gespielt und bin trotzdem draußen gewesen und habe stundenlang Fußball gespielt." Bislang ist der Aufsichtsratsvorsitzende noch nicht auf Probleme gestoßen. Die Fans haben das Thema gut angenommen, und auch Harkous zeigte sich begeistert davon, wie die Werder-Anhänger auf seinen Wechsel zum Verein reagierten.

Beim ersten Turnier mit Beteiligung von Werder, dem FeWC in London, hatte der Verein bereits Erfolg. Harkous kam bis ins Viertelfinale, wo er gegen den späteren Vizemeister unterlag. Die Ziele des Vereins richten sich aber nicht nur auf Trophäen, erklärt Marco Bode: "Wir wollen möglichst schnell erfolgreich sein, vor allem in der Kommunikation mit den Fans, um die Marke Werder Bremen in der Szene bekannter zu machen sowie unsere Werte aus dem Fußball zu vermitteln."

Christian Mittweg

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Das sagen die Bundesligisten 2018/19 - 18 Meinungen zum eSport