Premier-League-Vorschau, Teil 3

Klopps "Mehr" muss silbern werden: Liverpool im Check

Jürgen Klopp

Muss jetzt nicht ein Titel her? Liverpool-Trainer Jürgen Klopp. imago

Jürgen Klopps Vertrag beim FC Liverpool ist noch bis 2022 gültig, doch eigentlich müsste er längst die Kündigung eingereicht haben. An dem Tag, an dem es normal sei, 105 Millionen Euro für einen Paul Pogba zu bezahlen, "werde ich meinen Job nicht mehr machen" - das hatte Klopp erst vor zwei Jahren gesagt. Und jetzt investierte Klopp binnen einer Transferphase knapp 200 Millionen Euro für vier Spieler, mehr als in sieben Jahren BVB. "Es ist lustig zu sehen, wie man seine Meinung und sich als Person ändern kann", kommentiert Kollege José Mourinho das genüsslich.

Es belegt Zweierlei: Der Fußball hat sich rasanter entwickelt, als Klopp es 2016 für möglich gehalten hatte - und mit ihm der FC Liverpool. Nicht ManCity oder ManUnited, nein, die Reds gaben vor der neuen Premier-League-Saison am meisten auf dem Transfermarkt aus. Das mag eine krasse Meinungsänderung sein, vor allem aber ist das Ausdruck einer kontinuierlichen Entwicklung in nun fast drei Jahren Klopp.

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Klopp hat sich dran gemacht, die letzten Schwachpunkte zu beheben

Darum, seine Fußballidee zu implementieren und den Kader ihr entsprechen umzubauen, geht es für "The Normal One" inzwischen nicht mehr, diese Phase ist erfolgreich abgeschlossen. Jetzt gilt es, die letzten Schwachpunkte zu beheben: die Kadertiefe und die Torhüterposition. Und wenn das bedeutet, 15 Millionen Euro für Xherdan Shaqiri (Stoke), 45 für Fabinho (Monaco) und 60 für Naby Keita (Leipzig) zu bezahlen und nach dem teuersten Abwehrspieler (Virgil van Dijk) jetzt auch den teuersten Keeper der Welt (Alisson) im Aufgebot zu haben, ist das eben so.

"Wir müssen nicht einfach nur konstanter werden, sondern auch Verhältnisse schaffen, in denen wir konstanter sein können", sagte Klopp dem "Guardian". "Niemand ist konstant mit elf Spielern." Er weiß: Im Nahkampf mit Meister Manchester City war Liverpool jüngst mindestens ebenbürtig (drei Siege in Folge), im Fernduell auch wegen zwölf Unentschieden in 38 Spielen jedoch hoffnungslos unterlegen. 25 Punkte Rückstand - das soll nicht wieder vorkommen, und vielleicht darf es das auch nicht.

Jetzt "musst du was gewinnen", sagt Mourinho über Liverpool

Nach den Millionenausgaben "musst du sagen, dass du ein Topkandidat bist, du musst was gewinnen", sagt nicht Klopp über Liverpool, sondern Mourinho. Klopp sagt lieber: "Mehr - das kann mehr Punkte bedeuten, ein besserer Tabellenplatz oder dass wir öfter unseren besten Fußball spielen." Doch würde das reichen für einen personell aufgerüsteten Champions-League-Finalisten, der 2017/18 kein Heimspiel verlor? Oder muss das "Mehr" dieses Mal nicht doch silbern, sprich: die erste Trophäe seiner Ära sein? Auch in Dortmund hatte Klopp in seiner dritten Saison den ersten Titel geholt.

Und die Voraussetzungen sind rosiger denn je: Zu einer Mannschaft, die sich vorne (Salah/Firmino/Mané) wie hinten (van Dijk) gefunden hat und jederzeit zu einer 5:0-Show fähig zu sein scheint, stößt ein Topkeeper, ein mögliches Schnäppchen (Shaqiri), ein Arbeiter (Fabinho) und ein baldiger "Weltklassespieler", wie Timo Werner im kicker-Interview über Ex-Kollege Keita sagt: "Er kann in der neuen Saison einer der besten Spieler in der Premier League werden." In der Vorbereitung, die u.a. Siege gegen ManCity (2:1), ManUnited (4:1) und Neapel (5:0) bereithielt, deutete der 23-Jährige schon an, dass Steven Gerrards Acht auf seinem Rücken nicht völlig deplatziert ist.

Der erste Meistertitel seit 1990 wäre immer noch ein sensationeller Kraftakt

Doch auch wenn der Saisonstart - West Ham (H), Palace (A), Brighton (H), Leicester (A) - machbar und Klopp auch ohne seine rechte Hand Zeljko Buvac ungebrochen unumstritten ist: Der erste Meistertitel seit 1990 wäre angesichts der Konkurrenz immer noch ein sensationeller Kraftakt, den das Umfeld erträumen, aber besser nicht erwarten sollte. Ernsthaft um ihn mitzuspielen und dazu vielleicht den Ligapokal zu gewinnen - das wäre der nächste Meilenstein der mitreißenden Liaison Klopp/Liverpool, ein klares "Mehr". Die Endspiele "nur" zu erreichen, ManCity national "nur" zu ärgern, das wird irgendwann nicht mehr reichen. Diese Erwartungen hat Klopp selbst geweckt.

jpe

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