Nachfolger soll sich mit dem Thema beschäftigen

IOC-Präsident Bach: eSport vorerst nicht olympisch

Griff auch selbst zum Controller: Dr. Thomas Bach (re.), hier im Gespräch mit eSportler Jacob "JAKE" Lyon.

Griff auch selbst zum Controller: Dr. Thomas Bach (re.), hier im Gespräch mit eSportler Jacob "JAKE" Lyon. picture alliance

Mit einer Virtual-Reality-Brille auf dem Kopf spielte Thomas Bach im olympischen Museum Tennis und rannte dabei fast einen Mitarbeiter neben sich um. Mit dem deutschen eSports-Profi Kai "deto" Wollin von Manchester City zockte Bach eine Partie der Fußball-Simulation FIFA 18. Der IOC-Präsident tobte sich am Wochenende auf dem ersten eSports-Forum in Lausanne neugierig aus, und lieferte damit das Sinnbild für die vollzogene Annäherung zwischen dem traditionellen und dem virtuellen Sport.

Einer baldigen Aufnahme des eSport in das olympische Programm erteilte Bach jedoch eine klare Absage. "Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir eine Reihe von offenen Fragen beantwortet haben. Bis dahin macht es keinen Sinn, über die Aufnahme ins olympische Programm zu sprechen. Mein Nachfolger wird die Möglichkeit haben, diese Entscheidung zu treffen", sagte der 64-Jährige auf einer Pressekonferenz. Bach könnte 2021 nochmals für weitere vier Jahre als IOC-Präsident wiedergewählt werden. Dann wäre wohl frühestens 2028 für die Spiele in Los Angeles eine Aufnahme von eSports denkbar. Mit dem zweitägigen Austausch zwischen IOC, Vertretern von eSports-Unternehmen und Sportlern ist laut Bach aber "der erste Schritt einer langen Reise" vollzogen worden.

Der eSports braucht die Olympische Bewegung nicht, um dahin zu kommen, wo er am Ende des Tages sowieso landen wird.

Ralf Reichert, ESL-Geschäftsführer

Die boomende eSports-Szene bleibt beim Thema Olympia-Aufnahme ganz entspannt. "Der eSports war ja hier nicht als Bittsteller und hat darum gekämpft in die Olympischen Spiele aufgenommen zu werden", sagte Ralf Reichert, Geschäftsführer von Deutschlands größtem eSports-Unternehmen ESL, dem Deutschlandfunk: "Der eSports braucht die Olympische Bewegung nicht, um dahin zu kommen, wo er am Ende des Tages sowieso landen wird."

"Wir wollen uns gar nicht festlegen, ob wir morgen bei Olympia antreten wollen. Wir glauben auch, dass die Zeit dafür noch nicht reif ist und wir noch nicht die Strukturen haben, um entsprechende Nationalteams aufzustellen", sagte Hans Jagnow, Präsident des eSport-Bundes Deutschland (ESBD), dem SID. Grundsätzlich zeigte sich Bach schon vor dem ersten Kennenlernen der beiden Sportwelten am Wochenende offen gegenüber dem Thema eSports: "Man sieht einige gemeinsame Werte zwischen eSports und den traditionellen Sportarten. Die Leidenschaft ist eindeutig das, was uns zusammenbringt", sagte Bach: "Wir müssen diese zentralen, gemeinsamen Werte richtig identifizieren und von dieser Position aus weitermachen."

Sogenannte "Killerspiele" haben keine Chance

Der Fecht-Olympiasieger von 1976 mit der Mannschaft untermauerte aber auch erneut die ablehnende Haltung des Internationalen Olympischen Komitees gegenüber "Killerspielen": "Wir haben eine rote Linie, wenn es um eine Aktivität geht, bei der es um die Verherrlichung von Gewalt oder Diskriminierung geht. Die kann nicht überschritten werden. Da sind wir uns absolut klar."

Bei den bevorstehenden Asienspielen in Indonesien (18. August bis 2. September) wird eSports bereits als Demonstrationssportart getestet, bevor der virtuelle Sport ab den Asienspielen 2022 im chinesischen Hangzhou offiziell im Programm der Asienspiele ist. Für Olympia braucht es noch Geduld.

sid

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