Die erste Stellungnahme im Wortlaut

Wegen Erdogan-Foto: Özil sieht kein Fehlverhalten

Mesut Özil

Meldete sich zu Wort: Mesut Özil. imago

In Teil eins eines ausführlichen Statements, das der Spieler in englischer Sprache veröffentlichte (siehe unten), sieht der viel kritisierte Özil keinerlei Fehlverhalten von seiner Seite in Bezug auf die Fotos mit Erdogan.

Im zweiten von voraussichtlich drei Teilen seiner persönlichen Stellungnahme kritisiert Özil einzelne deutsche Medien sowie das Verhalten einiger Sponsoren. Den nicht näher genannten Medien wirft er vor, seine türkische Herkunft als Grund für das Scheitern der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Russland herzunehmen.

Spielersteckbrief Özil
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Özil Mesut

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Auch die Doppelmoral einiger Medien kritisierte er, denn bei Lothar Matthäus' Treffen mit einem "weiteren führenden Politiker der Welt" (Özil meint wohl Wladimir Putin) hielt sich die mediale Kritik in Grenzen. Offen fragt Özil, ob Matthäus nicht der Titel des "DFB-Ehrenspielführers" aberkannt gehöre.

Zudem zeigt sich der Arsenal-Profi enttäuscht über einige Sponsoren, die aufgrund der Erdogan-Affäre Projekte mit Özil einstellten.

Die Stellungnahme von Teil 1 in deutscher Übersetzung

"Die vergangenen Wochen haben mir Zeit gegeben, zu reflektieren und über das Geschehene nachzudenken. Infolgedessen möchte ich meine Gedanken und Gefühle über das, was passiert ist, teilen.

Wie bei vielen Menschen reichen auch meine Wurzeln in mehr als ein Land zurück. Während ich in Deutschland aufgewachsen bin, ist mein familiärer Hintergrund tief in der Türkei verwurzelt. In meiner Brust schlagen zwei Herzen, ein deutsches und ein türkisches. Während meiner Kindheit hat mich meine Mutter gelehrt, immer respektvoll zu sein und nie zu vergessen, wo ich herkomme. Dies sind Werte, für die ich bis zum heutigen Tag einstehe.

Im Mai habe ich Präsident Erdogan während eines Charity-Events in London getroffen. Erstmals hatten wir uns 2010 getroffen, nachdem er und Angela Merkel dem Länderspiel zwischen Deutschland und der Türkei gemeinsam in Berlin beigewohnt haben. Seitdem haben sich unsere Wege auf der ganzen Welt häufig gekreuzt. Ich bin mir bewusst, dass das gemeinsame Bild eine große Resonanz in den deutschen Medien hervorgerufen hat. Das Bild hatte keinerlei politische Intention, obwohl manche Menschen mich wegen dieser Aussage der Lüge oder der Täuschung beschuldigen könnten. Wie schon erläutert, hat meine Mutter immer darauf geachtet, dass ich meine Herkunft, mein Erbe und meine Familien-Tradition im Blick behalte. Für mich hatte das Bild mit Präsident Erdogan nichts mit Politik oder Wahlen zu tun - es bedeutete für mich eine Frage des Respektes vor dem höchsten Amt im Land meiner Familie. Mein Beruf ist Fußballspieler und nicht Politiker. Unser Treffen stellte zudem keinerlei Zustimmung zu irgendeiner politischen Richtung dar. Wir sprachen über das gleiche Thema, über das wir immer sprechen, wenn wir uns treffen: Fußball - weil er (Erdogan, Anm. d. Red.) in seiner Jugend selbst ein Spieler gewesen war.

Obwohl die deutsche Medienlandschaft etwas Gegenteiliges dargestellt hat: Die Wahrheit ist, dass eine Absage des Treffens mit dem Präsidenten eine Respektlosigkeit für all meine Vorfahren gewesen wäre, die stolz auf das sind, was ich bis heute geleistet habe. Für mich macht es keinen Unterschied, wer der Präsident ist, für mich kam es darauf an, dass es der Präsident ist. Respekt für ein politisches Amt zu bezeugen, ist eine Sichtweise, die, und da bin ich mir sicher, auch die Queen und Premierministerin Theresa May teilten, als sie Erdogan in London empfingen. Ob nun türkischer oder deutscher Präsident - ich hätte nichts anderes gemacht.

Ich verstehe, dass dies möglicherweise schwierig zu verstehen ist, da in den meisten Kulturen führende Politiker nicht von der Person dahinter getrennt werden können. In diesem Fall ist es jedoch anders. Wie auch immer das Ergebnis der letzten Wahl oder der Wahl davor gewesen wäre - ich hätte immer noch das Foto gemacht."

"Persönliche Grenze überschritten": Die deutsche Übersetzung von Teil 2 finden Sie hier im Wortlaut ...

kon

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Özil im DFB-Dress: Von der "Klasse von 2009" zum Weltmeister