Bayern-Coach fordert Umdenken bei der Jugendarbeit

Kovac wünscht sich "mehr Künstler" im Nachwuchs

Er will nicht mehr nur Fußball-Facharbeiter sehen: Bayern-Coach Niko Kovac.

Er will nicht mehr nur Fußball-Facharbeiter sehen: Bayern-Coach Niko Kovac. imago

Am Donnerstag stand ausnahmsweise nicht Niko Kovac auf dem Platz, Bruder Robert leitete das Bayern-Training. Grund dafür: Der neue FCB-Coach war nach Vereinsangaben zwar auf dem Trainingsgelände und hatte die Einheit auch vorbereitet, "ging aber aufgrund einer leichten Magenverstimmung nicht auf den Rasen". So arbeitete eben Robert Kovac mit der Trainingsgruppe, die aus neun Profis und einigen Jugendspielern bestand. Auf dem Nebenplatz wurde zudem ein Rückkehrer gesichtet: Arturo Vidal drehte erstmals nach seiner Knie-Operation im April einige Runden. Rafinha absolvierte nach dem anstrengenden Programm der letzten Tage ebenfalls nur eine Laufeinheit sowie einige Fitnessübungen.

David Alaba musste derweil die obligatorischen Fitnesstests im Leistungszentrum abspulen. Der Österreicher war nach seinen Länderspieleinsätzen im Juni erst am Mittwoch in die Vorbereitung eingestiegen, absolvierte deswegen erst jetzt die Leistungsdiagnostik. Am Abend blickte dann alles nach Eichstätt, wo die ambitionierte Zweitvertretung der Bayern in die neue Regionalliga-Saison startete.

"Nicht nur Handwerker und Facharbeiter"

Beim überzeugenden 5:1, das die Meisterschaftsambitionen der Mannschaft von Trainer Holger Seitz untermauerte , dürfte auch Cheftrainer Niko Kovac genau hingesehen haben. Ihm liegen die Talente durchaus am Herzen, wie er in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Freitag) deutlich macht. Der Kroate fordert ein Umdenken: "Es sollte in der Nachwuchsarbeit wieder mehr darauf geachtet werden, dass man im Fußball nicht nur Handwerker und Facharbeiter braucht, sondern auch Künstler", schreibt der 46-Jährige in seiner Kolumne.

Ob Liebe oder Geld oder die Leidenschaft für Dribblings und Kunststücke am Ball.

Niko Kovac über die "Trainer-DNA"

Auf dem südamerikanischen Kontinent und im Mittelmeerraum gebe es "noch die Straßenfußballer, die Spaß daran hätten, einen Gegner zu veräppeln oder für die Galerie zu spielen. In Deutschland wird so etwas zu oft aberzogen", hadert Kovac. Dabei gebe es auch im Land des Weltmeisters von 2014 "genügend Spieler mit der richtigen Einstellung, mannschaftsdienlich, kampfstark, taktisch hervorragend und auch am Ball gut ausgebildet". Allerdings würden Deutschland die "großen Individualisten, die enge Spielsituationen überraschend lösen können oder beim Konter den Gegner einfach mal stehen lassen" schlichtweg fehlen.

Deshalb sei man in der Pflicht, Trainer zu finden, die in der Lage seien, Kindern und Jugendlichen die entsprechenden Übungen vorzumachen. "Das, glaube ich, liegt jedoch nicht in der DNA der allermeisten deutschen Trainer", so Kovac: "Ich kann aber nur weitergeben, was ich in mir trage. Ob Liebe oder Geld oder die Leidenschaft für Dribblings und Kunststücke am Ball. Deshalb wäre es gut, dieses Fachwissen zu importieren."

msc

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