Celeste verkauft sich teuer, scheidet ohne Cavani aber klar aus

Tränen noch auf dem Feld: Uruguay dankt und trauert

José Maria Gimenez

Bereits in der Schlussphase des WM-Viertelfinals gegen Frankreich in Tränen aufgelöst: José Maria Gimenez. imago

Alle sieben Länderspiele hatte Uruguay im Vorfeld des WM-Viertelfinals gewonnen und dabei nur ein Gegentor kassiert. Klar, dass sich die Celeste viel gegen Frankreich vorgenommen hatte. Allein es brachte nichts: Denn die Equipe Tricolore kochte das kleine südamerikanische Land eiskalt ab und fuhr einen nie gefährdeten Sieg ein.

Die Folge: Noch während der Partie bei einem Freistoß der Franzosen stand Uruguays Abwehrmann José Maria Gimenez weinend in der Mauer, hielt sich den Arm vor die tränenden Augen. Er wusste wie Luis Suarez oder Kapitän und Leitfigur Diego Godin, dass trotz noch zu gehender fünf, sechs Minuten nichts mehr erreichbar ist. Und als der Schlusspfiff ertönte, sanken sie alle zu Boden.

Muslera: "Ich habe einen Fehler gemacht"

Allen voran Keeper Fernando Muslera saß dort auf dem Rasen in Nischni Nowgorod wie ein Häuflein Elend, da halfen anfangs auch keine tröstenden Worte von Mit- wie Gegenspielern. Schließlich hatte der 32-jährige Schlussmann von Galatasaray Istanbul mit einem eklatanten Fehler bei einem Weitschuss von "Halb-Uruguayer" Antoine Griezmann, der aufgrund seines Faibles für dieses Land und seiner Freunde in Uruguay aus Respekt nicht gejubelt hat, das 0:2 verursacht und damit die Vorentscheidung herbeigeführt.

Inzwischen hat sich Muslera öffentlich entschuldigt bei seinen Teamkollegen, Trainer Oscar Tabarez und den etwas mehr als drei Millionen Einwohnern Uruguays: "Wir haben eine großartige WM gespielt und alles gegeben. Leider habe ich am Ende einen Fehler gemacht. Ich habe einen Fehler gemacht, wegen dem wir ausgeschieden sind. Aber wir müssen weitermachen." Trotz allem überwog letztlich auch bei ihm der Stolz: "Wir gehen erhobenen Hauptes. Ich habe von meinen Teamkollegen, meiner Familie und vielen Freunden Unterstützung bekommen. Das ist Teil des Fußballs."

"Gracias, muchachos!"

So sah es auch Kapitän Godin, der später anmerkte: "Ich habe mit ihm (Muslera; Anm.d.Red.) gesprochen, natürlich ist er traurig. Es ist immer schade, auszuscheiden und die WM mit einem schlechten Gefühl zu beenden, vor allem für ihn persönlich. Ich habe ihm aber schon gesagt, dass er uns in vielen anderen Spielen gerettet hat. Fernando hat Persönlichkeit, er wird das hinter sich lassen." Auch der 71-jährige und gesundheitlich angeschlagene Coach Tabarez, der seinen Verbleib im Anschluss offen gelassen hatte, unterstütze seinen Schützling: "Nur die, die gar nichts machen, machen keine Fehler. So, wie ein Traum heute endet, kommen neue."

Fernando Muslera (links) und Edinson Cavani

"Matador" Edinson Cavani spendet dem enttäuschten Fernando Muslera Trost. imago

Auch in der heimischen Presselandschaft machte man Muslera und seinen Vordermännern keine Vorwürfe. So schrieb "El Pais": "Gracias, muchachos! Der Traum, Weltmeister zu werden, ist zu Ende. Aber wir wissen, dass wir ohne diese Spieler, ohne diesen Trainerstab erst gar nicht träumen könnten. Wir weinen aufrecht."

Schwer fällt Uruguay indes die Tatsache, dass der letztlich gar nicht im Kader stehende Superstar Edinson Cavani (Bluterguss in der Wader) nicht auf dem Platz mithelfen konnte. "Die Illusion ist uns aus den Händen gerutscht. Ohne Cavani, ohne Kraftreserven, mit einem entscheidenden Fehler von Muslera, stand Uruguay gegen ein übermächtiges Frankreich auf verlorenem Posten", so das Portal "El Observador". Denn wenngleich Fußball ein Mannschaftssport ist, so war doch ersichtlich, dass der PSG-Stürmer an allen Ecken und Enden fehlte. Sein Partner Suarez vom FC Barcelona war gegen die stabile Abwehr Frankreichs einfach erfolglos allein auf weiter Flur - zumal Ersatzmann Christian Stuani wenig zustande brachte und kaum Bälle festmachen konnte.

Godin: "Wir haben eine spektakuläre WM gespielt"

So saß "El Matador" etwas abseits des grünen Rasens, war sichtlich auch traurig - und preschte doch wenig später in gewohnt bescheidener Manier via Instagram voran. Seine Worte passten dazu, wie sich Uruguay in Russland verkauft hatte - auf dem Feld beinhart und bissig, abseits des Platzes allerdings dankbar und ehrfürchtet. "Traurig? Ja, sehr!", schrieb er einleitend und setzte fort mit: "Aber auch stolz und dankbar zu Gott, diese Erfahrung mit dieser Familie, die wir auf und neben dem Platz sind, erlebt zu haben. Ich bin stolz, ein Uruguayer zu sein und in diesen Momenten zu leiden." Mit diesem Gefühl war Cavani nicht alleine. "Wir gehen erhobenen Hauptes", sagte Kapitän Diego Godin: "Wir haben eine spektakuläre WM gespielt. Natürlich schmerzt das Ausscheiden. Aber ich bin stolz auf meine Teamkollegen."

Luis Suarez und Diego Godin

Trotz WM-Viertelfinale stolz: Luis Suarez und Diego Godin. imago

In vier Jahren in Katar wird der Weltmeister von 1930 und 1950, der zudem als Gastgeber die Jubiläums-WM 2030 mit austragen möchte, neu angreifen. Laut Godin, der allerdings bereits 32 Jahre alt ist, gibt es dort die nächste Chance auf den ganz großen Wurf: "Ich bin mir sicher, dass unser Weg noch nicht zu Ende ist. Im Fußball gibt es immer eine Revanche. Diese Mannschaft wird noch viele großartige Dinge erreichen."

mag

Bilder zur Partie Uruguay - Frankreich