WM

Brasiliens Gabriel Jesus untröstlich: "Ich habe fast Angst"

Neymar schweigt nach Brasiliens WM-Aus

Jesus untröstlich: "Ich habe fast Angst"

Gabriel Jesus

Frustriert: Brasiliens Stürmer Gabriel Jesus blieb bei der WM ohne Tor - auch gegen Belgien. picture alliance

Aus Kasan berichtet Jörg Wolfrum

Nichts wurde es mit einem Treffer bei dieser WM für den Mittelstürmer Gabriel Jesus. Und weil dies historisch ist für eine Neun der Selecao bei einer Endrunde, redete der 21-Jährige von Manchester City auch gar nicht um den heißen Brei herum: "Es ist frustrierend, frustrierend." Er meine nicht das generelle Ausscheiden, das tue ohnehin allen weh. Nein, Jesus betonte: "Ich spreche von mir. Ich habe mich so auf diese WM vorbereitet", erklärte der Stürmer von Manchester City, bester Torschütze der Selecao in der Ära Tite. Und auch im März noch der Schütze des 1:0-Siegtreffers in der vermeintlichen 1:7-WM-Revanche gegen Deutschland in Berlin.

Und dann dies: "Die Phase des Traums hatte ich hinter mir gelassen, es wurde längst zu einer Obsession. Für mich, für alle, auch für die Fans. Ich komme mir nun so vor, als ob man mir ein Stück aus dem Körper herausgerissen hätte."

Brasilien wird Elfmeter verweigert

Das sagte der mit gerade mal 21 Jahren der Jüngste im Kader der Selecao. Superstar Neymar, der vermeintlich große Anführer, zog es vor, zu schweigen. Dabei hatte sich der bei dieser WM für seine Fallnummern und Schauspieleinlagen weltweit so kritisierte Anführer gegen Belgien gefährlicher präsentiert als Jungstar Jesus. Wobei: Dessen Chance nach knapp einer Stunde machte Vincent Kompany per elfmeterreifem Foul zunichte, wobei der Pfiff trotz Konsultierung des Videoassistenten ausblieb . Wer weiß, mit Pfiff hätte Brasilien womöglich getroffen, ohne Foul hätte Jungprofi Jesus vielleicht getroffen, den Malus getilgt und die Selecao wäre womöglich noch im Rennen.

Nationaltrainer Tite wollte darüber aber nicht spekulieren. "Fußball ist kein Volleyball", will heißen Körperkontakt gehöre zum Spiel. Andererseits wolle er darüber nicht reden, "sonst heißt es, ich weine".

Jesus: "Ich versuche, immer zu lernen"

Gabriel Jesus

Aufreger: Gabriel Jesus wird im Strafraum von Vincent Kompany gefoult - der Elfmeterpfiff bleibt aus. picture alliance

Der gefoulte, torlose Jesus war nach dem Spiel in der Kazan Arena sichtlich aufgewühlt, analysierte aber auch nüchtern: "Ich versuche, immer zu lernen. Auch aus solchen Situationen." Doch das sei "kompliziert, kompliziert". Dann kam aber der entscheidende Satz: "Ich habe fast Angst." Angst, was nun werden könnte angesichts der zu erwartenden Kritik ob des Ausscheidens, ob seiner null Treffer beim Turnier. Und einer wie Neymar rennt einfach zum Mannschaftsbus und sagt nichts dazu.

Nichts gesagt hat auch Fernandinho. Der Ersatzmann für den gesperrten Casemiro auf der Sechs hatte früh ein Eigentor fabriziert, es war wie eine Art deja-vu nach vier Jahren. Just Fernandinho, der Vertreter für den Stabilisator Casemiro, den die Selecao gegen die offensivstarken Belgier doppelt nötig gehabt hätte. Just jener Fernandinho, der neben Marcelo einer von zwei "Überlebenden" der 1:7-Pleite gegen Deutschland aus dem Halbfinale 2014 war. Zu viel für den ManCity-Profi. Er ließ sich auf dem Weg zum Bus und zur verfrühten Heimreise nicht mehr sehen.