Nationalelf

Bierhoffs Krisenmanagement bleibt verheerend

kicker-Kommentar von Sebastian Wolff

Bierhoffs Krisenmanagement bleibt verheerend

Medienprofi im Abseits: Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff.

Medienprofi im Abseits: Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff. imago

Oliver Bierhoff ist Medienprofi. Dass er nach dem desaströsen WM-Aus nicht ohne eine kritische Aufarbeitung, gerade auch der eigenen Rolle, zur Tagesordnung übergehen kann, ist ihm bewusst.

Im Interview mit der "Welt" hat der Nationalmannschafts-Manager dies auf den ersten Blick getan. Bei einem genauen Hinsehen aber wird deutlich: In der "Causa Mesut Özil" sind seine Aussagen eine konsequente Fortsetzung des bereits seit Beginn der Erdogan-Affäre verheerenden Krisenmanagements. "Wir haben die Spieler der Nationalmannschaft noch nie zu etwas gezwungen, sondern immer versucht, sie von einer Sache zu überzeugen. Das ist uns bei Mesut nicht gelungen. Und insofern hätte man überlegen müssen, ob man sportlich auf ihn verzichtet."

Spielersteckbrief Özil
Özil

Özil Mesut

Trainersteckbrief Löw
Löw

Löw Joachim

Exakt diese Überlegung - und die dann entsprechende Entscheidung - hätte jedoch vor dem Turnier stattfinden und getroffen werden müssen. Zu diesem Zeitpunkt aber wurde die Tragweite der gemeinsamen Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten komplett unterschätzt.

Spätestens die Pfiffe in Klagenfurt und Leverkusen gegen Özil und Ilkay Gündogan hätten die Wirkung von Alarmsignalen haben müssen. Jetzt, da die Fehleinschätzung für jedermann ersichtlich ist, wäre es angebracht gewesen, die Verantwortung zu übernehmen.

Denn: Im Nachhinein eine Diskussion zu führen, ob eine Nicht-Nominierung von Özil nicht sinnvoller gewesen wäre, ist nur oberflächlich betrachtet eine kritische Aufarbeitung des eigenen Handelns.

kicker-Redakteur Sebastian Wolff.

kicker-Redakteur Sebastian Wolff.

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