Kolumbiens Kapitän kritisiert "ein Stück Parteilichkeit"

Falcao rüffelt Schiri Geiger: "Eine Schande!"

Mark Geiger & Radamel Falcao

"Der Schiedsrichter war eine Schande": Kolumbiens Radamel Falcao (r.) über Mark Geiger (l.). picture alliance

"Der Schiedsrichter war eine Schande", wütete Falcao nach dem WM-Aus und wunderte sich, dass der US-Amerikaner in seiner Landessprache kommunizierte: "Es ist schon komisch, dass er nur Englisch auf dem Platz sprach. Da ist sicher schon ein Stück Parteilichkeit dabei." Und auch mit vielen Entscheidungen auf dem Rasen war der Cafeteros-Kapitän nicht einverstanden: "Es war mehr als deutlich, dass er im Zweifelsfall immer für England gepfiffen hat."

Bei seiner Generalabrechnung dürften Falcao vor allem Szenen aus der Verlängerung im Kopf geblieben sein: Geiger hatte nach einem gelbwürdigen Foul von Ashley Young an Wilmar Barrios auf Freistoß für England entschieden (92.). Kurz darauf kam Eric Dier ohne Verwarnung davon, als er Carlos Bacca in einem Luftduell von hinten in den Rücken checkte (94.). Dann wurde Falcao in einer vielversprechenden wie kuriosen Situation selbst zurückgepfiffen, nachdem Harry Maguire aufgrund eines zusätzlichen Balles auf dem Spielfeld kurz die Orientierung verloren hatte (98.). Zudem verweigerte Geiger und sein Schiedsrichter-Team den Südamerikanern einen Eckstoß (117.).

Zweifelhafte Entscheidungen auf beiden Seiten

Spielbericht

Doch schon während der regulären Spielzeit gab es jede Menge Diskussionsstoff - allerdings auf beiden Seiten: Nach einem Kopfstoß von Barrios gegen Jordan Henderson zog Geiger nur Gelb, obwohl auch Rot möglich gewesen wäre (41.). Nach dem Pausenpfiff checkte ein kolumbianischer Betreuer den Richtung Kabine trabenden Raheem Sterling mit der Schulter (45.). Vor dem berechtigten Foulelfmeter für Harry Kane malträtierte Johan Mojica den Elfmeterpunkt und versuchte, diesen zu zerstören, was der von acht Cafeteros umzingelte Geiger mit seinem Schiri-Team nicht sah (54.). Auch beim Kopfstoß von Henderson gegen Yerry Mina fiel die Entscheidung auf Gelb (56.). Zweifelhaft zudem ein Zweikampf zwischen John Stones und Falcao, bei dem der englische Innenverteidiger die Stollen über den Kopf seines Gegenspielers zog (59.). Und schließlich holte sich auch Falcao selbst noch Gelb ab, nachdem er bei einer Freistoß-Entscheidung zu Gunsten der Briten heißblütig, wortstark und gestenreich reklamiert hatte (63.).

Harter Arbeitstag bei vergifteter Atmosphäre

Unterm Stich standen insgesamt 36 Fouls (Kolumbien 23, England 13) und acht Gelbe Karten (6:2). Kein leichter Arbeitstag also für Geiger, der in einer hitzigen Atmosphäre einen kühlen Kopf bewahren musste: Heiße Wortgefechte, viele Diskussionen, Provokationen, Schauspieleinlagen und teils dreckige Fouls gepaart mit leidenschaftlich und hart geführten Zweikämpfen führten zu einer schier vergifteten Stimmung auf dem Rasen. Geiger schaffte es nicht, das feurige Temperament der Spieler zu zügeln. In der Bewertung von Fouls und Gelben Karten lag er oft daneben. Die Spielkontrolle schien ihm zeitweise zu entgleiten. Immerhin bewertete der US-Amerikaner die kniffeligen Strafraum-Szenen richtig. Vom kicker gab es die Note 5.

cru

Bilder zur Partie Kolumbien - England