Uruguay hat nun Frankreich vor der Brust

Nach Musik und Mate: Torreira schärft den Blick

Lucas Torreira

Obenauf: Uruguays Lucas Torreira. Getty Images

Aus Sotschi berichtet Jörg Wolfrum

Am Ende einer Nacht, es ist ja noch nicht das Ende einer Reise, liefen sie mit Musik und Mate durch den Bauch des Olympia-Stadions, die Uruguayer. Cumbia, beschwingte Tanzhallenmusik, und dazu das obligatorische Nationalgetränk mit der Kalabasse in der Armbeuge oder gleich einen ganzen Picknickkorb voll. Es sah aus, als ginge es jetzt erst richtig los. Mit dem Ausflug oder dem Feiern.

Aber von wegen. "Ausruhen ist angesagt", das sagte aber nicht etwa Matchwinner Edinson Cavani. Sondern einer dieser nimmermüden Mittelfeldarbeiter bei Uruguay, Lucas Torreira. Gerade erst 22, kommt daher wie ein Pennäler - wenn er nicht gerade auf dem Platz steht und rackert. Doch er hat die Message aufgesogen, die der "Maestro", Lehrmeister Oscar Tabarez vorgegeben hat: Zusammenhalt, die Linien schließen: "Im nächsten Spiel werden wir wieder kämpfen, wie man das von Uruguay kennt", hatte der Nationaltrainer eben erst gesagt. Und Torreira, einer der Sechser im Team, erklärt, als hätte er es gehört, wahrscheinlich hat er es ja auch schon hundertmal von seinem Coach eingetrichtert bekommen: "Auch gegen Frankreich wird man Uruguay wiedererkennen, so wie heute."

Träumen dürfen wir. Aber wir wissen auch, dass es nur mit Arbeit geht.

Lucas Torreira

Superstar Luis Suarez sagte nur: "Mit Leidenschaft und Einsatz. So war das heute und so wird es auch im nächsten Spiel sein."

Doch weil das, um bei Torreira zu bleiben, was da zu erkennen ist im Spiel der Celeste, ja durchaus aller Ehren wert ist angesichts der organisierten Art des Verteidigens und der beiden Topstürmer da vorne, Cavani und Suarez, wollen sie sich das Träumen durchaus nicht verbieten lassen: "Wir sind jetzt so weit, wie uns das viele nicht zugetraut hätten." Und weil dies so schön ist, soll es erstmal noch nicht enden: Nach Möglichkeit sieben Spiele, das sei das Ziel, sagte Coach Tabarez - mit der ihm eigenen Mischung aus Bestimmtheit und Zurückhaltung zugleich.

"Daumendrücken" für Cavani

Das gehe aber nur "mit voller Konzentration. Und nicht mit einer Sekunde Ablenkung wie etwa beim Gegentor durch Pepe per Kopf in der 55. Minute, das für den zwischenzeitlichen Ausgleich nach Cavanis Führung (7.) ebenfalls per Kopf gesorgt hatte. Dass eben jener Cavani mit einem wunderbaren Schuss von der Strafraumgrenze ins lange Eck doch noch den Sieg herausschoss, zeige die Wichtigkeit des Kollegen von PSG. "Ein hervorragender Kumpan, ein Stürmer, dessen Klasse wir alle kennen", so Suarez. Angesichts Cavanis Auswechslung wegen Knöchelbeschwerden gelte es daher nun: "Daumendrücken."

Kein südamerikanischer Klassiker

Für das nächste Spiel. Das gegen Frankreich im Viertelfinale in Nischni Nowgorod. Nichts wird es mit dem südamerikanischen Klassiker angesichts der Niederlage der Argentinier. Die Vorherrschaft am Rio de la Plata hat momentan Uruguay inne. So wie bei der ersten WM 1930, damals mit Sieg im Finale. Argentinien ist raus, Uruguay könnte es ins Finale schaffen. Torreira, der Jungspund: "Träumen dürfen wir. Aber wir wissen auch, dass es nur mit Arbeit geht."