Kolumbianer mit Vorgeschichte und 4,9-Notenschnitt

Schiedsrichter Roldan führt Videobeweis ad absurdum

Wilmar Roldan Perez beim WM-Spiel zwischen Saudi-Arabien und Ägypten

Blieb am Montag eisern bei seinen Fehlentscheidungen: Wilmar Roldan Perez. imago

Als Wilmar Roldan Perez seine ersten Spiele als Schiedsrichter leitete, war seine Pfeife nur ein Spielzeug, die Karten verschiedenfarbige Kaugummis. Elf Jahre war er da jung, erzählte er einmal in einem Vorstellungsvideo der FIFA. Mit 23 pfiff er schon in der ersten kolumbianischen Liga, mit 28 international. Doch inzwischen gibt es ein paar Zweifel, ob Wilmar Roldan Perez ein so großes Schiedsrichtertalent ist, wie diese Zahlen vermuten lassen.

Seine Bilanz bei großen Turnieren ist schlichtweg desaströs: Bei der WM 2014 verweigerte sein Gespann bei Mexikos 1:0-Sieg gegen Kamerun den Mittelamerikanern gleich zwei klare Tore (kicker-Note 5,5), bei Algeriens 4:2-Sieg gegen Südkorea den Nordafrikanern einen frühen Elfmeter (kicker-Note 4).

Fast schon legendär : Roldans Auftritt beim Confed Cup 2017, als er bei Deutschlands 3:1-Sieg gegen Kamerun erst dem falschen Kameruner Gelb, ihm dann nach Ansicht der Videobilder plötzlich Rot und erst nach weiterem Hinweis des Videoschiedsrichters schließlich dem richtigen Spieler die (falsche) Rote Karte zeigte (kicker-Note 5).

Nach dem England-Spiel änderten wütende Fans sogar seinen Wikipedia-Eintrag

Trotzdem nominierte ihn die FIFA auch für die WM in Russland, und man kann nicht sagen, dass Roldan, inzwischen 38, dieses Vertrauen gerechtfertigt hat. Als er Tunesien beim 1:2 gegen England einen fragwürdigen Elfmeter zusprach, Harry Kane auf der anderen Seite nach waschechter Ringereinlage des Gegenspielers jedoch nicht (kicker-Note 4,5), änderten wütende Fans sogar Roldans Wikipedia-Eintrag ab: Plötzlich war er ein "tunesischer Fußball-Schiedsrichter und Wrestling-Fan".

Und jetzt das: Saudi-Arabien schenkte er im sportlich bedeutungslosen Gruppenspiel gegen Ägypten (1:2) am Montag einen Hand- und einen Foulelfmeter, obwohl jeweils der Videoassistent mit Recht zu intervenieren versuchte. Vor allem beim zweiten, einem völlig harmlosen Zweikampf, konnte niemand verstehen, wie Roldan trotz Einsicht der Bilder bei seiner absurden Entscheidung bleiben konnte. Dass er später noch einen Angriff unterband, weil er bei einem Kurzpass im Weg stand und es offenbar nicht einmal merkte, "krönte" seine schwache Leistung (kicker-Note 5,5).

20 Elfmeter sind schon jetzt ein neuer WM-Rekord

Auch Roldan (kicker-Notenschnitt nach insgesamt vier WM-Spielen: 4,9) ist es also zu verdanken, dass bei der WM in 36 Spielen schon 20 Elfmeter gepfiffen wurden - der bisherige Rekord nach einem ganzen WM-Turnier lag bei 18. Vor allem aber wurde der FIFA eindrucksvoll vor Augen geführt: Der Videobeweis macht den Fußball auch nicht gerechter, wenn sich der Hauptschiedsrichter derart unbelehrbar zeigt.

jpe