"Nur mit dem Schiedsrichter gab es ein Problem"

"Skandalös" - Serben machen Brych zum Sündenbock

Aleksandar Mitrovic und Felix Brych

Aleksandar Mitrovic reklamiert, Schiedsrichter Felix Brych weist den Einspruch zurück. Getty Images

Ein Last-Minute-Gegentor, die Provokationen der zwei kosovostämmigen Schweizer Torschützen Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri und ein nicht gegebener Elfmeter waren dann doch zu viel für die Serben. Ihren ganzen Frust haben viele Spieler, Funktionäre und die serbische Presse anschließend an Felix Brych entladen. Der Doppeladler-Jubel? Zu vernachlässigen! "Mit den Schweizer Spielern gab es kein Problem. Nur mit dem Schiedsrichter gab es ein Problem", schimpfte Mittelfeldstar Nemanja Matic von Manchester United vielsagend.

Und um diese Entscheidung geht es: Brych, der das schwer zu leitende Spiel insgesamt gut im Griff hatte, ließ ein "handfestes" Eingreifen von Stephan Lichtsteiner und Fabian Schär gegen den sich ebenfalls stark mit den Armen einsetzenden Aleksandar Mitrovic ohne einen Strafstoß durchgehen. Für die Serben eine nicht nachvollziehbare Entscheidung.

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Serben wollen sich beschweren - Krstajic schießt übers Ziel hinaus

Verbands-Vizepräsident Savo Milosevic witterte sogar eine Verschwörung gegen sein Land. Als Konsequenz will sich der serbische Fußballverband FSS offenbar auch offiziell bei der FIFA beschweren. "Wie schon im ersten Spiel gegen Costa Rica wurde der Videobeweis zu unseren Ungunsten nicht angewandt", sagte Milosevic auch mit Blick auf die Video-Assistenten Felix Zwayer und Bastian Dankert: "Vielleicht funktioniert der Videobeweis nur für einige Teams. Das ist skandalös."

Am Tag nach der Partie schockte Trainer Mladen Krstajic die Öffentlichkeit dann mit einem mehr als fragwürdigen Kriegsverbrecher-Vergleich, den die FIFA wohl nicht ungestraft lassen wird. "Ich würde ihn (Felix Brych, d.Red.) nach Den Haag schicken", sagte der frühere Bundesligaprofi (Bremen, Schalke) in Anlehnung an den Sitz des Kriegsverbrecher-Tribunals: "Damit sie ihm den Prozess machen, wie sie ihn uns gemacht haben."

"Der Deutsche hat uns bestohlen"

Auch die serbischen Zeitungen wüteten. "Der brutale Diebstahl von Brych" titelte etwa die Fachzeitung "Sportski zurnal". Und weiter: "Sie wurden besiegt von einer Elf, die von allem, nur nicht von geborenen Schweizern gebildet wird und die seit gestern Abend einen frenetischen deutschen Helfer mit der Pfeife hat." Die Boulevardzeitung "Alo" schrieb: "Der Deutsche hat uns bestohlen. Der Unparteiische massakrierte unsere Mannschaft und ermöglichte unserem Gegner, eine Niederlage in einen Sieg umzuwandeln."

Ebenfalls nicht einverstanden mit der Ansetzung war Serbiens Kapitän Aleksandar Kolarov: "Ich kann nicht glauben, dass ein Deutscher für ein Schweiz-Spiel angesetzt wird. Die haben die ganze Zeit Deutsch gesprochen", wurde er deutlich und schimpfte: "Ich hab sie dauernd gebeten, Englisch zu sprechen - wir sind ja nicht in Deutschland. Es war ein klares Foul an Mitrovic."

Schiri-Boss Fröhlich lobt Brych

Ein ganz klar zuzuordnendes Foul, wie es Kolarov sah, war das Gerangel Mitrovics mit den zwei Schweizern zwar nicht, es hätte von Brych (kicker-Note 3,5) dennoch mit Strafstoß geahndet werden sollen. Ein Fall für den Videobeweis war die Situation allerdings nicht, denn dieser darf nur bei klaren Fehlern des Referees zum Einsatz kommen.

Vom deutschen Schiedsrichter-Boss, der nicht auf die umstrittene Szene in der 66. Minute einging, erhielt Brych ein Lob. "Das war unaufgeregt, sicher und klar in den Entscheidungen. Erneut eine prima Visitenkarte von ihm für das deutsche Schiedsrichterwesen", sagte Lutz Michael Fröhlich dem SID. Auch der Schweizer Ex-Referee Urs Meier kam im ZDF zu diesem Ergebnis: "Er war wirklich gut. Er war sehr ruhig, sehr souverän."

cfl