Auch Lewandowski wird in Polen harsch kritisiert

"Scham und Schande": Szczesny-Vater verspottet Sohn

Auch er hatte seinen Anteil an der Auftaktniederlage: Polens Keeper Wojciech Szczesny.

Auch er hatte seinen Anteil an der Auftaktniederlage: Polens Keeper Wojciech Szczesny. imago

Mit sorgenvoller Miene trat Lewandowski nach seiner verpatzten WM-Premiere vor die Kameras und warnte vor der nächsten großen Enttäuschung im Nationaltrikot. "So holen wir hier keine Punkte", stellte der 29-Jährige nach dem 1:2 gegen den Senegal klar und fühlte sich an vergangene Wettbewerbe erinnert. "Der Albtraum von der Europameisterschaft ist zurück, die Situation von den Turnieren hat sich wiederholt."

Schon bei den Europameisterschaften 2012 und 2016 konnte Lewandowski seine Extraklasse nicht wirklich unter Beweis stellen, blieb auch wegen mangelnder Unterstützung mit nur zwei Treffern aus acht Partien hinter den Erwartungen zurück. Eigentlich sollte die WM nun zu seiner Bühne werden - doch mit derartigen Auftritten (kicker-Note 4) wird das vermeintliche Interesse von Real Madrid zumindest nicht steigen.

Die Mannschaft bewegte sich im eintönigen Tempo eines Regionalzugs auf der Strecke Pilawa-Tuszcz.

Maciej Szczesny im polnischen TV

"Lewandowski war in der ersten Halbzeit wohl gar nicht auf dem Feld", urteilte Ex-Nationalspieler Maciej Szczesny, Vater von Torwart Wojciech Szczesny, beim Fernsehsender "TVP": "Die Mannschaft bewegte sich im eintönigen Tempo eines Regionalzugs auf der Strecke Pilawa-Tuszcz."

Nach dem "fatalen Start" (Rundfunksender "Trojka") stehen die Polen bereits im zweiten Spiel gegen Kolumbien, das gegen Japan mit 1:2 verlor , unter Druck. Eine weitere Niederlage und der Traum vom ersten Überstehen der WM-Vorrunde seit 1986 wäre bereits so gut wie ausgeträumt. "Wir müssen anders spielen, viel besser", beschwor Lewandowski sein Team für die Aufgabe am Sonntag (20 Uhr, LIVE! bei kicker.de) in Kasan. "Und dann wird das Resultat auch ein anderes werden."

34 Ballkontakte, zwei Torschüsse

Der dreimalige Bundesliga-Torschützenkönig kam während des kompletten Spiels auf lediglich 34 Ballkontakte, gewann nur schwache 29 Prozent seiner Zweikämpfe. Viel zu selten wurde er mit Pässen in die Spitze gefüttert, er versuchte stattdessen sich selbst die Bälle aus dem Mittelfeld zu holen. Nur zwei Torschüsse waren die Folge.

Ein Zusammenspiel mit Sturm-Partner Arkadiusz Milik, der lange Zeit als hängende Spitze hinter Lewandowski agierte, kam kaum zustande. Nur per Freistoß zu Beginn der zweiten Halbzeit strahlte Lewandowski einmal Gefahr aus. "Die Mitte war dicht, das war sehr schwer für ihn", kommentierte Borussia Dortmunds Lukasz Piszczek die Probleme für Lewandowski: "Sie haben sehr robust und aggressiv gespielt."

Szczesny "zum Spirituosengeschäft" unterwegs

Polens Coach Adam Nawalka sprach generell über "viele schlechte Elemente" im Spiel seiner Mannschaft . Vor allem defensiv hatte der Trainer mehrere individuelle Fehler zu bemängeln, wie den groben Aussetzer von Grzegorz Krychowiak (kicker-Note 4), dessen Rückpass auch der herausstürzende Torwart Wojciech Szczesny (kicker-Note 3) nicht mehr wettmachen konnte. Sein Sohn, den sicherlich nicht die Hauptschuld traf, habe dabei ausgesehen, als sei er "zum Spirituosengeschäft" unterwegs, spottete Vater Maciej Szczesny. "Die Senegalesen konnten problemlos in ein leeres Tor schießen. Es ist eine Scham und Schande."

msc/dpa