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Deutschlands dritter WM-Gruppengegner Südkorea im Porträt - Shins Verwirrspiele: Selbst Trikots werden vertauscht

Deutschlands dritter WM-Gegner im Porträt

Südkoreas Verwirrspiele: Selbst Trikots werden vertauscht

Tae-Yong Shin

Setzt auf Tricks und Defensive in der WM-Vorbereitung: Südkoreas Trainer Tae-Yong Shin. imago

16 Jahre sind vergangen seit jener Weltmeisterschaft, die wohl bis heute Südkoreas größten Erfolg markiert. Im Jahr 2002 stürmten die von Guus Hiddink trainierten Taegeuk Warriors bis in Halbfinale des im eigenen Land und Japan ausgetragenen Turniers. Nach Siegen gegen Italien und Spanien beendete erst die deutsche Nationalelf und allen voran Michael Ballack den Traum vom Endspiel: Im Halbfinale gewann die DFB-Elf mit Mühe 1:0. Am Ende stand Platz vier für die Gastgeber und damit das beste Ergebnis bei einer WM. An jenen Erfolg konnten die Südkoreaner seitdem nicht mehr anknüpfen, wenngleich sie sich seither für jede WM qualifizieren konnten. 2006 und 2014 endete die Reise jeweils in der Vorrunde. 2010 stieß die Mannschaft ins Achtelfinale vor, schied dort aber gegen Uruguay (1:2) aus. Wozu ist der zweimalige Asienmeister 2018 in Russland imstande?

WM-Qualifikation mit Mühe

Die Hoffnungen ruhen vor allem auf Son. Der ehemalige Bundesliga-Profi (135 Spiele für den Hamburger SV und Bayer Leverkusen) ist der unangefochtene Superstar. Der 25-Jährige nimmt in Sachen Erfahrung und Offensivkraft eine wichtige Rolle ein. Doch Son konnte bis heute nicht den entscheidenden Einfluss in der Nationalmannschaft nehmen, wie er es immer wieder bei den Spurs tat - wohl auch, weil vergleichbare Mitspieler wie Harry Kane oder Dele Alli fehlen. Und so glänzte Südkorea auf dem Weg nach Russland auch keineswegs. In der zweiten Qualifikationsrunde löste das Team von Nationaltrainer Shin das WM-Ticket mit viel Mühe. Nach einem 2:3 gegen Katar landete Südkorea durch zwei abschließende torlose Remis gegen den Iran und Usbekistan zwei Punkte vor Syrien, das in die Play-offs musste, und den punktgleichen Usbeken.

Südkorea - Vereinsdaten

Gründungsdatum

01.01.1933

Trainersteckbrief Shin
Shin

Shin Tae-Yong

Spielersteckbrief Son
Son

Son Heung-Min

Spielersteckbrief Ki
Ki

Ki Sung-Yong

Weltmeisterschaft - Tabelle - Gruppe F
Pl. Verein Punkte
1
Mexiko
3
Schweden
3
3
Deutschland
0

Shin denkt an die Fünferkette

Ansehnlichen Fußball bot Südkorea dabei nur selten. Shin, der erst seit Juli 2017 im Amt ist und zuvor Jugendmannschaften des Verbands trainierte, setzt verstärkt auf kontrollierte Defensive, geschlossene Arbeit gegen den Ball und tauschte auch die ohnehin schon auf Vorsicht und Risikovermeidung ausgerichteten 4-2-3-1- und 4-4-2-Systeme zuletzt sogar durch eine 5-4-1-Formation aus. Gegen Polen gelang so zwar ab und an und mehr Ruhe und Ausgeglichenheit im Spiel, doch am Ende stand trotzdem eine 2:3-Niederlage. Geduld, Disziplin und nicht zuletzt individuelle Klasse fehlen Südkorea, um der eigenen Defensivtaktik und den hohen Ansprüchen auf Dauer gerecht zu werden.

Auch in der Offensive tat sich das Shin-Team schwer. Zwar kann Südkorea schnell umschalten und durch mitunter überfallartige Konter gefährlich werden. Die Angriffsbemühungen ohne hohes Tempo sind allerdings schnell berechenbar, bei allen Bemühungen Sons in vorderster Linie. Ein Lichtblick stellte immerhin Sung-Yong Ki dar. Der 29-jährige Mittelfeldmann, der die vergangene Spielzeit bei Absteiger Swansea City unter Vertrag stand und sich nun für einen neuen Klub empfehlen will, ist Kapitän der Mannschaft und gibt immer wieder den passsicheren Taktgeber und Lenker im Mittelfeld - wenn Auswahltrainer Shin ihn denn lässt.

Muss Taktgeber Ki in die Abwehr?

Beim Test gegen Bosnien-Herzegowina (1:3) musste Ki nämlich als zentraler Verteidiger in der Fünferkette agieren. Einer jener Schachzüge, die Shin im Vorfeld des Turniers austestete. Ob Ki als Verteidiger auch bei der WM eine ernsthafte Option ist, wird sich zeigen - wie so vieles andere. Denn Shin ist fast schon penibel darauf bedacht, die kommenden Gruppengegner Deutschland, Mexiko und Schweden im Unklaren zu lassen. Als Südkorea vor wenigen Tagen in Innsbruck ein Testspiel vor überwiegend leeren Zuschauerrängen veranstaltete, ließ der Trainer seine Spieler sogar mit anderen Rückennummern auflaufen, um Verwirrung bei Scouts und Beobachtern zu stiften. Fragen nach Aufstellung und Formation ließ er ebenso unbeantwortet wie Kritik ob der schwachen Leistung gegen die Südamerikaner. Sein Team mühte sich nämlich zu einer emotionslosen Nullnummer, die Shin allen Ernstes dazu verleitete, diese ebenfalls als Trick zu bezeichnen. So solle die Konkurrenz in Sicherheit gewogen werden.

Bis zum Turnierauftakt am 18. Juni (14 Uhr, LIVE! bei kicker.de) gegen Schweden will Shin nun seine Elf noch einmal mit entsprechender Fitness, einem sogenannten "Power Program", ausstatten. Ob es hilft? Die Sehnsucht nach einem ähnlichen Rausch wie 2002 ist in Südkorea ungebrochen. Das 0:2 im Testspiel am Dienstag gegen Senegal ließ aber einmal mehr daran stark zweifeln, dass Südkorea bei der WM zu überraschen imstande ist.

pau