WM

Videobeweis? "Hoffe, dass bei WM möglichst viel schiefgeht"

Philosoph Eilenberger im Interview

Videobeweis? "Hoffe, dass bei WM möglichst viel schiefgeht"

Wolfram Eilenberger

Ein deutlicher Videobeweis-Kritiker: Wolfram Eilenberger. picture alliance

"Das Turnier wird eine Schlüsselerfahrung für die Technologie", sagt Wolfram Eilenberger im Rahmen des 2. Teils der kicker-Serie zum Videobeweis. "Es könnte sein, dass die WM den Video-Assistenten zu Fall bringt. Ich hoffe, dass möglichst viel schiefgeht - und die Chancen dafür sind gut."

Eilenberger nennt vier Gründe, die für ein Scheitern des Videobeweises bei der Weltmeisterschaft in Russland sprechen: "Erstens, weil nicht ausreichend getestet wurde. Zweitens, weil man in der Bundesliga die Verwicklungspotenziale gesehen hat. Drittens, weil die Bedeutung der WM-Spiele auf nationaler Ebene noch stärker empfunden wird. Viertens, und das ist vielleicht der hässlichste Punkt, weil man mit dem Namen Russland eine höhere Verschwörungsgefahr verbindet. Man muss sich nur ausmalen, welche Diskussionen entstehen, wenn aus einem Dark Room in Moskau gewisse Entscheidungen für die russische Mannschaft getroffen werden."

"Der Videobeweis ist eine Art Krebs des Spiels"

Neben dem Einsatz des Videobeweises bei der WM sieht Eilenberger auch die grundsätzliche Entwicklung hin zu immer mehr Technik kritisch: "Der Videobeweis ist eine Art Krebs des Spiels und wird es weiter zersetzen. Wenn man das zulässt, wird eine weitere Technisierung, Überwachungslogik und Entmündigung der Stadionerfahrung folgen."

In Teil 2 der kicker-Serie zum Videobeweis (Donnerstagsausgabe) spricht Wolfram Eilenberger auch über negative Folgen der neuen Technik für den Fußball, unter anderem seien der pädagogische Nutzen und das Wesen des Spiels in Gefahr. Zudem ordnet ein Sportpsychologe die emotionalen Auswirkungen und Hintergründe des Videobeweises ein.

dab/dr