Polizei ermittelt - DFB-Vize sieht Fan-Dialog bedroht

Spielabbruch: Welche Rolle spielte die Waldhof-Grillparty?

Mannheims Spieler

Konnten dem Treiben auf der Tribüne nur machtlos zuschauen: Mannheims Dorian Diring (re.) und Marco Schuster. imago

Mehrere Minuten lang hatten Anhänger aus dem Block des SV Waldhof Mannheim am Sonntagnachmittag kurz vor Schluss der Partie gegen Uerdingen Pyrotechnik abgefeuert und zum Teil auf das Spielfeld geworfen. Eine Fortsetzung des Relegationsrückspiels war damit nicht möglich . Auch als Schiedsrichter Patrick Ittrich nach längerer Unterbrechung die Partie kurzzeitig wieder angepfiffen hatte, flogen Böller und Raketen auf den Rasen - der Abbruch war damit besiegelt. Schnell stellte sich die Frage, wie die massive Menge von Pyrotechnik trotz Sicherheitsvorkehrungen und Einlasskontrollen ins Stadion gelangt ist. Eine Antwort könnte nun nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes (SID) eine Grillparty liefern, die in der Nacht zum Samstag stattgefunden hat.

Diese sei von Mannheimer Ultras im Stadion veranstaltet worden. Möglicherweise konnte in diesem Zusammenhang das pyrotechnische Material auf das Gelände gebracht werden. Der Klub bestätigte gegenüber dem SID eine entsprechende Feier. Eigentürmer des ehemaligen Bundesliga-Stadions in Mannheim ist die Stadt - die von der Veranstaltung nach eigener Aussage jedoch keine Kenntnis hatte. "Die angesprochene Grillparty war der Stadt Mannheim nicht bekannt und war nicht genehmigt. Über ein solches Vorhaben wurden die Polizei und die Stadt Mannheim auch im Rahmen der Sicherheitsbesprechung vor dem Relegationsspiel nicht informiert", teilte eine Sprecherin dem SID mit. "Ausnahmen von einer sportlichen Nutzung" seien nur mit Genehmigung und "unter bestimmten Voraussetzungen möglich".

Polizei will mit Videoaufzeichnungen Täter ermitteln

Unabhängig davon kündigte die Polizei an, Täter mithilfe der Videoüberwachung zu ermitteln. "Es sind mehrere Kameraeinstellungen, die jetzt komplett gesichtet werden", sagte ein Polizeisprecher am Montag. Mit einer schnellen Überführung sei allerdings nicht zu rechnen. "Das kann sich über mehrere Wochen hinziehen", erklärte er. Strafverfahren werden die Ermittler trotzdem einleiten, zur Not gegen "unbekannt", wie es in Fällen heißt, bei denen der Täter noch nicht sofort ermittelt werden konnte. Für die Polizei geht es bei der Sichtung der Aufzeichnung auch darum, erst einmal überhaupt die Anzahl von abgeschossen und abgebrannten Bengalos, Raketen und Böllern festzustellen. Des Weiteren sollen auch andere Vergehen, von Körperverletzung über Landesfriedensbruch bis hin zu Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte festgestellt werden.

45 Verletze, zehn Festnahmen, 24 Anzeigen

Schon vor dem Anpfiff hatte die Partie im Mannheimer Carl-Benz-Stadion für viel Arbeit bei den Sicherheitsbehörden gesorgt. Nach Angaben der Polizei musste diese mehrfach das Aufeinandertreffen rivalisierender Fangruppen verhindern. Während des Spiels kam es zum Teil im Bereich der Gäste-Fans zu Schlägereien. Auch nach dem Abpfiff habe man versuchte Angriffe auf Fangruppen verhindern müssen. Abseits des Stadions sei es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Anhänger des SVW gekommen. Insgesamt fällt die erste Bilanz deutlich aus: 45 Personen seien vor, während und nach der Partie verletzt worden, darunter sechs Polizeibeamte. Dass diese Zahl nicht höher ausfalle, habe nach Auskunft der Sicherheitsbehörden auch daran gelegen, dass die Polizei nicht im Stadion schon eingegriffen habe. So sollte eine weitere Eskalation im mit rund 24.000 Zuschauern ausverkauftem Carl-Benz-Stadion verhindert worden sein. Zehn Festnahmen habe es insgesamt gegeben, 24 Strafanzeigen wurden bislang gestellt.

DFB-Vize Zimmermann sieht Fandialog bedroht

Polizei im Mannheimer Carl-Benz-Stadion

Die Polizei war im Mannheimer Carl-Benz-Stadion mit zahlreichen Beamten im Einsatz. imago

Auch der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) befasst sich mit der Partie. In erster Linie geht es um die offizielle Wertung des Spiels, das mit großer Wahrscheinlichkeit zugunsten des KFC am grünen Tisch entschieden wird. Eine Entscheidung wird noch diese Woche erwartet. Darüber hinaus dürfte es auch zu entsprechenden Konsequenzen für den SV Waldhof kommen.

Abseits der juristischen Aufarbeitung schloss DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann Auswirkungen auf den vom Verband angestoßenen Dialog mit den Fans nicht aus. "Der deutsche Fußball ist den Fans weite Schritte entgegengegangen. Und wenn das die Antwort auf ein Entgegenkommen und ein Dialogangebot ist, sind wir jetzt am Ende angekommen", sagte Zimmermann zum "Mannheimer Morgen". "Ich habe so etwas noch nie erlebt, einen Spielabbruch auf so einer Ebene. Da müssen wir nicht mehr über Fußballkultur sprechen, mit so etwas möchte ich nichts zu tun haben."

Grindel: "Aufstiegsregelung keine Begründung für Gewalt"

Präsident Reinhard Grindel machte indes deutlich, die umstrittene Aufstiegsrelegation, in der der SV Waldhof Mannheim nun zum dritten Mal in Folge gescheitert ist, nicht als Entschuldigung für den provozierten Spielabbruch gelten zu lassen. Aus verschiedenen Ecken, unter anderem von Uerdingens Stürmer Maximilian Beister , war dies als Erklärung für die Reaktion einiger Anhänger der Mannheimer angeführt worden. "Wir haben beim Bundestag gerade eine neue Aufstiegsregelung beschlossen, die unter anderem dazu führt, dass der Meister aus dem Südwesten ab 2018/19 fest aufsteigt", schrieb Grindel am Montag auf Twitter. "Davon abgesehen kann die Aufstiegsregelung keine Begründung für die Gewalt sein, die wir in Mannheim gesehen haben."

pau/dpa/sid