Spanischer Nationalspieler im großen Porträt

Schlüsselfigur Asensio: Real lacht, weil Barça geizte

Er gehört zu den größten Talenten Europas: Real-Flügelflitzer Marco Asensio.

Er gehört zu den größten Talenten Europas: Real-Flügelflitzer Marco Asensio. imago

Am 21. Januar 1996 kam Marco Asensio Willemsen in Palma de Mallorca zur Welt. Der Sohn eines Mallorquiners und einer Niederländerin bekam den Fußball praktisch in die Wiege gelegt, nicht umsonst gab die Mutter ihm "den Vornamen einer niederländischen Fußballlegende, Marco van Basten", wie er selbst einmal verriet. Im Alter von zehn Jahren schloss sich Asensio dem wichtigsten Klub der Urlaubsinsel, dem Real Club Deportivo Mallorca, an. "In meinem 15. Lebensjahr ist meine Mutter leider von uns gegangen, es war ein harter Schlag", gesteht Asensio rückblickend: "Plötzlich hat sich unser Leben komplett verändert, mein Vater und mein älterer Bruder haben mir sehr geholfen. Meine Tore widme ich immer ihr."

Mit nur 17 Jahren debütierte Asensio im Oktober 2013 in der zweiten spanischen Liga, kam in der Saison sogar noch auf 20 Einsätze (ein Tor, eine Vorlage). Im Folgejahr ging es steiler bergauf, in 36 Partien netzte er sechsmal ein und legte acht weitere Treffer vor. Bereits vor Beginn der Spielzeit 2014/15 interessierte sich der große FC Barcelona brennend für den schnellen Linksaußen mit dem feinen linken Fuß.

Spielersteckbrief Asensio

Asensio Marco

Champions League - Finale in Kiew
Real Madrid - Vereinsdaten

Gründungsdatum

06.03.1902

Vereinsfarben

Weiß-Blau

FC Barcelona - Vereinsdaten

Gründungsdatum

29.11.1899

Vereinsfarben

Blau-Rot

Mallorca hat keine Lust auf Variablen

In Katalonien soll auch eigentlich nur noch die Unterschrift gefehlt haben, um den Deal perfekt zu machen. Asensio hatte sich im nur 20 Kilometer von Barcelona entfernten Castelldefels bereits Wohnungen angeschaut, wie die in der katalanischen Metropole ansässige "Sport" im August 2017 enthüllte. Der Haken, an dem der Deal letztlich scheiterte: Barça soll nicht bereit gewesen sein, die für derzeitige Marktverhältnisse lächerlich erscheinende Ablösesumme in Höhe von 3,5 bis 4 Millionen Euro sofort zu zahlen. Die Katalanen wollten sich verschiedene Variablen im Vertrag sichern, Mallorca dagegen auf einen Schlag die gesamte Summe.

Noch im Mallorca-Trikot: Marco Asensio (l.) im Juli 2014 gegen den 1. FC Nürnberg und Javier Pinola.

Noch im Mallorca-Trikot: Marco Asensio (l.) im Juli 2014 gegen den 1. FC Nürnberg und Javier Pinola. imago

Weil Barcelona nicht wollte, schlug Erzrivale Real Madrid zu - und dürfte sich heute ins Fäustchen lachen. Am 5. Dezember 2014 machte Real den Transfer für nicht einmal vier Millionen Euro offiziell, ließ Asensio aber noch bis Saisonende in Mallorca weiterspielen. Im Sommer 2015 wurde er dann direkt zu Espanyol Barcelona verliehen, wo in der Vergangenheit schon einige Real-Profis geparkt wurden (u.a. Vazquez oder Casilla). Und die Katalanen freuten sich auf eine der größten Nachwuchshoffnungen des Landes: Mit der spanischen U 19 wurde Asensio 2015 Europameister und dabei gleichzeitig zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt. In Barcelona kam er zu 37 Pflichtspielen, in denen das Juwel vier Tore erzielte und 15 weitere auflegte.

Ein Talent für die großen Spiele

Neben den ganz Großen: Gareth Bale (l.) klatscht mit Marco Asensio ab.

Neben den ganz Großen: Gareth Bale (l.) klatscht mit Marco Asensio ab. imago

Coach Zinedine Zidane war damit schon überzeugt, er schob einer weiteren Leihe einen Riegel vor und wollte Asensio in seinem Starensemble einbauen. In der Saison 2016/17 wurden es 23 Einsätze in der Liga (drei Tore, zwei Vorlagen), und selbst der FC Bayern bekam die Wucht des frechen Mallorquiners zu spüren: Als Joker bereitete Asensio beim 2:1 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League den Siegtreffer vor , im Rückspiel machte er mit seinem 4:2 in der Nachspielzeit den Deckel drauf. Im Finale gegen Juventus reichten ihm acht Jokerminuten, um das Tor zum 4:1-Endstand beizusteuern.

Schon da ließ sich erahnen: Asensio ist ein Spieler für besondere Momente - und auch die großen Spiele. Mit dieser fulminanten Premierensaison ist er im Ansehen von Zidane noch weiter gestiegen. Der zehnmalige spanische A-Nationalspieler sorgte gemeinsam mit Lucas Vazquez dafür, dass in Madrid eine Ära endete: Das "BBC"-Dreigestirn verlor seine zuvor stets gegebene Einsatzgarantie, nur noch Cristiano Ronaldo ist unangefochten. Karim Benzema stürmt mangels Alternativen noch häufiger, Gareth Bale war immer weniger gefragt. Auch Asensio ist ein triftiger Grund, weswegen der Waliser schon länger Wechselgedanken mit sich herumtragen soll. Ende September 2017 machte Real-Präsident Florentino Perez dann gleich Nägel mit Köpfen, der ursprünglich bis 2022 laufende Vertrag wurde bis 2023 verlängert - samt einer satten Gehaltserhöhung und einer festgeschriebenen Ausstiegsklausel in Höhe von sagenhaften 700 Millionen Euro.

In der kommenden Spielzeit wird er einer der besten Spieler der Welt sein - oder sogar der beste.

Javi Martinez über Marco Asensio

In der Saison 2017/18 hatte Asensio bereits Anfang Mai über 50 (!) Pflichtspiel-Einsätze angehäuft. Im Achtelfinal-Hinspiel gegen Paris bereitete der Linksfuß ein Tor vor (3:1), im Halbfinal-Hinspiel gegen die Bayern traf er erneut selbst (2:1). Leistungen, die auch Landsmann Javi Martinez Ende März 2018 bei "Goal" zu einer Lobeshymne veranlassten: "Für mich ist er das größte Talent in ganz Europa. Es ist fantastisch, ihm zuzusehen. Besonders beeindruckend ist es, dass er sich in den wichtigen Spielen immer in Top-Form präsentiert. Das hat man schon in dieser Saison gesehen. In der kommenden Spielzeit wird er einer der besten Spieler der Welt sein - oder sogar der beste. Das liegt an ihm."

Zweiter Mallorquiner bei einer WM

Große Stücke hält auch Julen Lopetegui auf den 22-Jährigen mit dem umfangreichen Schuss-Repertoire. Den unhaltbaren Flatterball im Supercup 2017 gegen Barcelona bezeichnete "Opfer" Marc-André ter Stegen sogar als das "schönste Gegentor, das ich je gekriegt habe". Am jüngst bestätigten WM-Ticket zweifelte auf der iberischen Halbinsel kaum jemand . Asensio ist nach Miquel Angel Nadal (Endrunden 1994, 1998 und 2002) erst der zweite Mallorquiner in der Geschichte des spanischen Fußballs, der bei einer WM aufläuft. Und vielleicht reist er ja sogar mit dem zweiten Champions-League-Titel seiner Karriere im Gepäck nach Russland.

msc

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