2. Bundesliga

Unions Zingler: "Ein Tag, der zum Kotzen ist"

Aufräumarbeiten bei Union Berlin

Unions Zingler: "Ein Tag, der zum Kotzen ist"

Plant eine Neustrukturierung von Union Berlin: Dirk Zingler.

Plant eine Neustrukturierung von Union Berlin: Dirk Zingler. imago

Die Konsequenzen aus der enttäuschenden Spielzeit 2017/18 sind weitreichend. Trainer André Hofschneider, erst im Dezember 2017 installiert, verliert seinen Posten als Coach der Profimannschaft und soll einen - noch nicht konkret benannten - neuen Job im Verein erhalten. Lizenzspieler-Leiter Helmut Schulte, im Januar 2016 an die Alte Försterei gekommen, muss den Klub verlassen. Und Lutz Munack, bis zum Sonntag als Geschäftsführer Sport gesamtverantwortlich für den Fußball im Verein und mit einem Sitz im Präsidium ausgestattet, fungiert künftig als Geschäftsführer Amateur- und Nachwuchsfußball bei Union.

Munack an eigener Entmachtung beteiligt

Auch zehn Punkte aus den vergangenen fünf Ligaspielen konnten Hofschneider nicht retten, nachdem Union unter seiner Führung zuvor vom Tabellenvierten (in Schlagweite zu den Aufstiegsplätzen) in die Nähe der Abstiegsplätze gerutscht war und spielerisch über weite Strecken der Rückrunde enttäuscht hatte. Munack wiederum, der laut Zingler als Präsidiumsmitglied an dem Beschluss über die eigene Entmachtung beteiligt war, war seit seinem Amtsantritt 2016 auch als Kaderplaner wie durch seine Beteiligung am Trainerwechsel von Jens Keller zu Hofschneider in die Kritik geraten.

"Der Effekt, den wir erzielen wollten, ist nicht eingetreten", sagte Zingler am Montag über den umstrittenen Trainerwechsel. Auch Schulte muss für personelle Entscheidungen bei der Besetzung des Kaders in die Verantwortung. Von den Neuzugängen Marc Torrejon, Marcel Hartel, Grischa Prömel, Akaki Gogia, Christoph Schösswendter, Peter Kurzweg, Atsuto Uchida sowie den beiden Winter-Verpflichtungen Marvin Friedrich und Lars Dietz konnten (zu) wenige überzeugen.

Union ändert Struktur der Sportlichen Führung

Lutz Munack

Entmachtet: Lutz Munack. imago

Mit dem kollektiven Wechsel ändert Union neben dem Personal auch die Struktur der Sportlichen Führung. Am Dienstagmittag soll ein neuer Geschäftsführer Profifußball vorgestellt werden, der dann ab sofort damit beauftragt ist, einen neuen Cheftrainer zu suchen und den Kader für die nächste Saison zusammenzustellen. Priorität besitzt natürlich die Suche nach einem neuen Cheftrainer. Dabei "werden wir sicher nicht trödeln", sagte Zingler am Montag, "aber wir lassen uns die Zeit".

Die Radikalkur fußt laut des Union-Bosses neben dem Verpassen der sportlichen Ziele auf der Erkenntnis, dass die Eisernen mit der Vier-Instanzen-Struktur (Präsidium, Geschäftsführer Sport, Lizenzspieler-Leiter, Trainer) "unklarer nach innen und außen geworden sind", so Zingler. "Wir haben das Gefühl gehabt, dass wir nicht besser geworden sind." Die Folge: Schultes bisheriger Posten als Lizenzspieler-Leiter wird entfallen, seine Aufgaben unterliegen künftig dem neuen Geschäftsführer Profifußball. Dieser wiederum soll - anders als zuvor Munack - keinen Sitz im Präsidium erhalten.

Komplettwechsel soll neuen Impuls geben

Der Komplettwechsel der Sportlichen Führung soll Union den neuen Impuls geben, den Zingler nach der abgelaufenen Saison für notwendig erachtet, um Ziele zu verwirklichen. Denn an der Grundausrichtung hat auch der Misserfolg der Spielzeit 2017/18 nichts geändert. Union ist nach wie vor bestrebt, den Sprung unter die Top 20 des deutschen Fußballs zu schaffen. Heißt übersetzt: in die Bundesliga aufzusteigen. Auf dem Weg dorthin erachtet es Zingler als normal und unter Umständen lehrreich, "mal einen halben Schritt zurückzugehen" Der 53-Jährige bewertet die sportliche Enttäuschung dieser Saison in diesem Kontext daher gar für "einen sehr guten Entwicklungsschritt für uns".

In der nächsten Saison soll die sportliche Entwicklung aber wieder nach oben gehen. Dazu hat Zingler laut eigener Aussage das Ziel, dem neuen Geschäftsführer Profifußball sowie dem neuen Trainer mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stellen als in der Saison 2017/18. Diese hatte Union mit einem Profi-Etat von etwa 14,5 Millionen Euro (Gesamt-Etat des Vereins: 42,229 Millionen Euro) bestritten. Das angestrebte größere Budget soll auch dazu beitragen, die kleine Chance auf einen Verbleib von Steven Skrzybski zu nutzen.

"Der Verein sollte seine ganze Kraft einsetzen, um Stevie zu halten, und alle Register ziehen", sagt Zingler. Denn der mit 14 Toren erfolgreichste Union-Torschütze der Saison, der aus Kaulsdort im Dunstkreis der Union-Heimat Köpenick stammt und dessen Ziel die Bundesliga ist, ist wegen seines sportlichen Werts, aber vor allem als Identifikationsfigur "nicht zu ersetzen", so Zingler.

Andreas Hunzinger