DER kicker.tv TALK - Folge 31

Warum Kind 50+1 modernisieren will

Die Expertenrunde: Wolff, Ismael, Kind,  Moderator Nadvornik, Ruf und Schäfer (v.l.).

Die Expertenrunde: Wolff, Ismael, Kind, Moderator Nadvornik, Ruf und Schäfer (v.l.). kicker

Hannover 96 stellt in dieser Saison ein "brisantes Gemisch" (kicker-Redakteur Sebastian Wolff) dar: einerseits die positive sportliche Entwicklung mit dem Klassenerhalt nach Wiederaufstieg, andererseits das Theater um Manager Horst Heldt , der zweimal mit anderen Vereinen kokettierte, und natürlich das schwierige Verhältnis mit den Fans, die mit Stimmungsboykott und ablehnenden Botschaften auf die Übernahmepläne von Investor Martin Kind reagierten.

Dieser war in der 31. Folge von "DER kicker.tv TALK" zu Gast und stellte klar: "Ich brauche keine Teflon-Beschichtung. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, muss man mit Kritik leben können." Er akzeptiere andere Meinungen, doch: "Über den Stil und das Niveau könnte man deutlich diskutieren. Wenn ich kritisiere oder ablehne, muss ich auch Alternativen, eine Strategie dagegenstellen." Tradition sei nicht die Antwort auf die Herausforderungen.

Diese Argumentation wollte FC-PlayFair-Mitglied und Buchautor ("Fieberwahn") Christoph Ruf so nicht gelten lassen. Kind stelle es so hin, als gäbe es die eine Seite, die den "vernünftigen wirtschaftlichen Weg" verfolge, und die Gegenseite keine Konzepte hätte. "Das würde ich bestreiten und offensichtlich nach der Abstimmung auch die Mehrheit der Vereine ", so Ruf.

National Wettbewerbsgleichheit, international Wettbewerbsfähigkeit

Zurück zu den von Kind angesprochenen Herausforderungen, die nämlich definierte der 74-Jährige auch. "Wir brauchen in der Bundesliga Wettbewerbsgleichheit. Haben wir nicht. Und wir brauchen international die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga. Das sind zwei Dinge, die zukunftsorientiert zu entscheiden sind." Dafür müsse man den Weg der Kapitalbeschaffung öffnen, was für ihn nicht gleich die Abschaffung von 50+1 bedeute, sondern eine "zukunftsorientierte Modifizierung" der Regel.

"Man sollte Lösungen schaffen, die die Interessen des deutschen Fußballs, der Kultur des deutschen Fußballs, aber auch die Sicherheit von Vereinen und Investoren sicherstellen", so Kinds Wunschvorstellung. Ausländische Investoren lehne er übrigens ab für 96: "Wir wollen keine externen Investoren, wir nehmen nur welche aus Hannover. Das ist unsere Strategie." Und die habe auch was mit Identität zu tun.

Managementqualität schlägt Gesellschaftsform

kicker-Redakteur Sebastian Wolff brachte die ungleichen finanziellen Möglichkeiten der Bundesligisten am Beispiel RB Leipzig in Zusammenhang mit der Wichtigkeit von Entscheidungsträgern. Demnach sei die Managementqualität viel entscheidender, als die Gesellschaftsform eines Vereins. "Leipzig hatte auch schon Geld bevor Ralf Rangnick angefangen hat, da haben sie es verpulvert. Als dann ein Rädchen ins andere griff, als eine Struktur da war, gingen sie durch die Decke", erklärte Wolff. Wolfsburg sei das Gegenbeispiel, "ein Haufen falscher Management-Entscheidungen". Trotz des vorhandenen Geldes.

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