Bundesliga

Preetz tadelt Torunarigha nach Instagram-Post: "Das ist der falsche Weg"

Hertha: Der Innenverteidiger zeigt sich via Instagram enttäuscht

Preetz tadelt Torunarigha: "Das ist der falsche Weg"

Jordan Torunarigha

Frustbewältigung via Instagram: Jordan Torunarigha. picture alliance

Der 20-jährige Abwehrspieler, der Ende März beim 0:0 in Kosovo für die deutsche U-21-Nationalmannschaft debütiert hatte, hatte bei Instagram seine Enttäuschung in zwei Botschaften gekleidet. Er schrieb: "They will ignore you until they need you" ("Sie werden dich ignorieren, bis sie dich brauchen") und "Why you want to mess up my mood?" ("Warum willst du meine Stimmung vermiesen?"). Nach seinem guten Auftritt in Frankfurt, wo Torunarigha souveräner gewirkt hatte als der gegen die Eintracht auf der ungewohnten halbrechten Abwehrseite eingesetzte Karim Rekik, hatte das Berliner Eigengewächs damit gerechnet, auch gegen Augsburg das Vertrauen zu bekommen. Doch Trainer Pal Dardai entschied sich für seine etatmäßige Stammbesetzung mit Rekik und Niklas Stark.

Rekik hatte nach einer Prellung des Großzehengrundgelenks am Donnerstag erstmals wieder mit der Mannschaft trainiert, Stark stand nach seinem Nasenbeinbruch seit Dienstag wieder im Teamtraining. Dardai zeigte sich am Sonntagvormittag verärgert über Torunarighas Unmutsäußerungen: "Ich weiß nicht, was ihm so ein Post bringt. Wo ist der Vorteil für die Mannschaft oder außerhalb der Mannschaft? Ich muss mit ihm reden. Warum macht man so etwas?"

Spielersteckbrief Torunarigha

Torunarigha Jordan

Dardai berichtet von klarer Absprache

Dardai erklärte, er habe im Vorfeld des Augsburg-Spiels mit Torunarigha gesprochen, "das machst du nicht mit jedem Spieler". Die Botschaft des Ungarn an den ungeduldigen Verteidiger: "Ich habe zu ihm gesagt: 'Deine Leistung war gut. Bitte Geduld, nächste Saison werden wir sehr viel die Dreierkette üben, dann hast du eine bessere Chance. Und ich fange gegen Augsburg mit den beiden Innenverteidigern an, die zuletzt verletzt waren. Wenn es bei einem der beiden nicht mehr geht, kommst du rein.' Das war die Absprache."

Torunarigha (Vertrag bis 2020) will mehr Spielzeit - seit Monaten. Zuletzt hatte er gegenüber dem kicker seine Zukunft in Berlin über das Ende der laufenden Saison hinaus offengelassen: "Ich will mich durchbeißen und häufiger spielen. Aber was in der neuen Saison geschieht, weiß ich noch nicht."

Preetz: "Natürlich werde ich mit Jordan darüber reden"

Dardai erwägt in der Tat, zur neuen Saison ein 3-5-2 als System-Option zu etablieren - dann wäre Platz für Stark und die beiden Linksfüßer Rekik und Torunarigha. In den nächsten Tagen aber wird Torunarigha zunächst die Nachwehen seiner Instagram-Posts zu spüren bekommen. Nicht nur Dardai will mit ihm reden, sondern auch Manager Michael Preetz. "Ich hänge das nicht höher als nötig, aber klar ist auch: Das ist der falsche Weg", sagte Preetz am Sonntag dem kicker. "Natürlich werde ich mit Jordan darüber reden." Seine Erwartungen an den hochbegabten Abwehrspieler umreißt Preetz deutlich: "Jordan ist ganz nah dran an der Stammelf. Und ich will, dass er sich auf den Fußball konzentriert, nicht auf das Drumherum. Bei allem Verständnis für seine Enttäuschung: Öffentliche Unmutsbekundungen helfen ihm nicht weiter."

Preetz erwartet "gute Trainingsleistungen" auf der Zielgeraden der laufenden Spielzeit und "eine starke Saisonvorbereitung" im Sommer, "dann wird er seine Einsätze bekommen". Dardai sagt: "Wenn man das ganze Paket sieht - seine Stärken, seine Schwächen, sein Alter, seine Verletzungen -, dann gehen wir sehr gut mit Jordan um und bringen ihm viel Vertrauen entgegen. Was er aus seinem Umfeld für Ratschläge bekommt, weiß ich nicht." Torunarighas Pech: Im Sommer 2017 kostete ihn eine Außenbandverletzung im Sprunggelenk große Teile der Vorbereitung - und bessere Chancen auf einen Stammplatz. Und als Konkurrent Rekik Anfang März nach zweieinhalb Monaten Verletzungspause (Fußverletzung und Muskelfaserriss) wieder an Bord war, musste sich Torunarigha für das Gastspiel bei Schalke 04 wegen eines Infekts abmelden und verlor seinen Platz kampflos prompt wieder an den Niederländer. So stehen unterm Strich als vorläufige Saisonbilanz bislang elf Bundesliga-Einsätze, drei Europa-League-Auftritte, neun Spiele für die U 23 in der Regionalliga Nordost - und eine große Portion Ungeduld, die er am Samstagabend rausließ. Am Sonntag stand er dann wieder in der Regionalliga gegen den Berliner AK auf dem Platz, musste nach einem Schlag auf den Zeh aber zur Halbzeit ausgewechselt werden.

Steffen Rohr

Bilder zur Partie Hertha BSC - FC Augsburg