Bundesliga

Kommentar - Der Abstieg des 1. FC Köln: Peter Stöger und Jörg Schmadtke als tragische Helden

Kommentar von kicker-Reporter Frank Lußem

Kölns Abstieg: Stöger und Schmadtke als tragische Helden

Kölner Spieler vor den Fans in Freiburg

Gemeinsam in die 2. Liga: Die Kölner Spieler nach dem Abstieg vor den FC-Fans. imago

Am Ende war es fast wie eine Erlösung. Als die quälende Ungewissheit der vergangenen Wochen mit der Niederlage in Freiburg vorbei war , folgte zwar die Trauer. Doch sie wird von kurzer Dauer sein und den 1. FC Köln nicht in Agonie stürzen. Weil man natürlich vorbereitet war. Der Klassenerhalt bedeutete nach der katastrophalen Hinrunde nicht wirklich eine Option. Spätestens seit dem Unentschieden gegen Mainz 05 war der Kuchen gegessen, als der Rückstand, den man hätte verkürzen müssen, zementiert wurde. Es fehlte nicht viel, aber eben von allem ein bisschen.

In den kommenden Wochen müssen die Geschäftsführer Armin Veh und Alex Wehrle mehrgleisig fahren. Zunächst geht es darum, allen Spielern klar zu machen, sich anständig aus der Liga zu verabschieden. Am letzten Spieltag in Wolfsburg könnte der FC noch das Zünglein an der Waage sein. Parallel zur Arbeit nach innen muss der Kader verändert werden. Das Gerüst steht, mit dem Verbleib der Top-Spieler Horn, Hector und Höger sowie der Verpflichtung von Koziello und Terodde wurde überragende Vorarbeit geleistet, die muss nun bestätigt werden. Zwischen sieben und zehn Profis werden den Klub verlassen (müssen), die von Veh geforderte Blutauffrischung ist schon alleine deshalb notwendig, weil der Spielstil sich komplett verändern muss.

Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München
81
2
FC Schalke 04
57
3
Borussia Dortmund
55

Der Spielstil muss sich komplett verändern

Aus dem abwartend agierenden und auf Konter lauernden 1. FC Köln der vergangenen Jahre wird im Unterhaus ein Top-Favorit, gegen den die meisten Gegner zunächst ihr Heil in der massierten Defensive suchen. Markus Anfang, der neue Trainer, wird also von Beginn an ein überzeugendes Offensivkonzept präsentieren müssen, dass er dazu in der Lage ist, konnte er mit Holstein Kiel belegen.

kicker-Reporter Frank Lußem

Die 2. Liga kann nur Durchgangsstation sein für den Traditionsverein, der Aufstieg ist Pflicht nach dem sechsten Abstieg in den vergangenen 20 Jahren. Diesen Druck müssen alle Beteiligten abkönnen, daran müssen sie sich messen lassen. Mit rund 30 Millionen Euro Etat für die Lizenzspielerabteilung bewegt man sich einsam an der Spitze, der zu erwartende Umsatz von immer noch rund 90 bis 100 Millionen Euro lässt so manchem Bundesligisten gelb werden vor Neid. Man kann nur hoffen, dass die Souveränität, die Veh und Wehrle in ihren Jobs ausstrahlen, auf den Rest der operativen Abteilung abstrahlt.

Sportlich gescheitert, im Moment des größten Erfolgs seit 25 Jahren

Der 1. FC Köln im Jahr seines 70. Geburtstags - ein Klub, sportlich gescheitert ausgerechnet in dem Moment, als er den größten Erfolg der vergangenen 25 Jahre feierte. Gescheitert an der Unfähigkeit wichtiger Menschen, zum Wohl des Ganzen zusammenzuarbeiten. Peter Stöger und Jörg Schmadtke wären völlig zu Recht als Heroen in die jüngere Geschichte des Klubs eingegangen. Weil sie gemeinsam mit dem Erfolg nicht mehr umgehen konnten, mutierten sie zu tragischen Helden.

Schade, aber längst nicht mehr zu ändern. Diese beiden sind Vergangenheit, jetzt heißt die neue Aufgabe Wiederaufstieg. Mit neuen Gesichtern, denen sich neue Chancen bieten. Diese zu nutzen ist das oberste Gebot der neuen Saison.

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