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Huddersfield-Coach David Wagner im kicker-Interview: "Eigentlich geht es gar nicht, dass wir drinbleiben"

Huddersfield-Coach über die Deutschen im Team und Groß

Wagner: "Eigentlich geht es gar nicht, dass wir drinbleiben"

Christopher Schindler und David Wagner

Erfolgsduo: Christopher Schindler und David Wagner. Getty Images

Nur wegen einer Gelb-Rot-Sperre am 12. Spieltag fehlte Schindler einmal in der Startelf der Terriers. Ansonsten war der Innenverteidiger, der von 1999 bis 2016 bei 1860 in seiner Geburts- und Heimatstadt München spielte und am Sonntag 28 Jahre alt wird, ein Garant dafür, dass Huddersfield derzeit sechs Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone hat. Schindler wurde klubintern schon dreimal zum Spieler des Monats gewählt. Für seinen Trainer kein Wunder. "Er ist sicher unser herausragender Spieler diese Saison. Er war auf ganz hohem Niveau der konstanteste, hat sich mit am schnellsten an die neue Liga adaptiert und ist zudem bei Verein uns Fans sehr hoch angesehen", sagte Wagner im Interview mit dem kicker in der aktuellen Donnerstagausgabe.

Das hat seinem Selbstvertrauen noch mal einen riesigen Push gegeben.

Wagner über Schindlers entscheidenden Elfmeter
Trainersteckbrief Wagner

Wagner David

Spielersteckbrief Kachunga

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Spielersteckbrief Williams

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Löwe Chris

Spielersteckbrief Schindler

Schindler Christopher

Spielersteckbrief Quaner

Quaner Collin

Spielersteckbrief Hefele

Hefele Michael

Schindler konnte fast nahtlos an die starke Aufstiegssaison anknüpfen, die er persönlich mit dem letzten entscheidenden Elfmetertor im Play-off-Finale gegen Reading im Wembley-Stadion gekrönt hatte. "Das hat seinem Selbstvertrauen noch mal einen riesigen Push gegeben. Er gehört auch ligaweit zu den Top-Innenverteidigern", adelt Wagner seinen Abwehrchef.

Für die anderen vier deutschen Aufstiegshelden plus Sommerzugang Daniel Williams, der von Finalverlierer Reading kam, verlief die Saison bisher nicht ganz so am Schnürchen wie für Schindler. Innenverteidiger Michael Hefele kam verletzungsbedingt nur auf zwei Einwechslungen. Auch Offensivmann Elias Kachunga (19 Einsätze, ein Tor) wurde zwischendurch von Verletzungen zurückgeworfen, zuletzt brach sich Williams (20 Einsätze) das Wadenbein. Während Angeifer Collin Quaner (25 Einsätze) als erster Joker immer noch zum Stammpersonal zählt, hat Linksverteidiger Chris Löwe vor einigen Wochen seinen Stammplatz an Winterzugang Terrence Kongolo (von Monaco ausgeliehen) verloren.

Verpasst der Rest den Anschluss? "Bin mit keinem unzufrieden"

Droht, abgesehen von Schindler, die deutsche Kolonie auf dem höheren Level ein wenig den Anschluss zu verlieren? "Nein, alle haben ihre Rolle gespielt und zwar fantastisch. Hätten sie das nicht getan, wären wir nicht dort, wo wir gerade sind", bekräftigt Wagner, um dennoch ein wenig einzuschränken: "Natürlich hat der eine oder andere das höhere Niveau zu spüren bekommen, aber ich bin mit keinem unzufrieden."

Die Qualität in der Liga ist so unglaublich hoch und unsere Mittel dagegen so verschwindend gering.

Wagner über den eigentlich unmöglichen Klassenerhalt

Es sei eben das eine oder andere unglückliche Momentum hinzugekommen. "Insbesondere die Deutschen wurden von Verletzungen ausgebremst. Hefele ist erst ein halbes Jahr wegen Achillessehnenproblemen, die er schon im Wembley-Endspiel hatte, ausgefallen. Als er wiederkam, war er kurz darauf mit einer Meniskusverletzung die nächsten drei Monate weg. Kachunga hatte erst eine Innenbandverletzung im Knie und hat sich dann die Außenbänder im Knöchel gerissen. Williams Verletzung kam gerade, als er sich auf dem Platz gefangen hatte. Löwe war in der Phase, als wir Kongolo aus Monaco geholt haben, auch angeschlagen. Danach hat sich Kongolo festgespielt", rekapituliert Wagner.

Klassenerhalt nach Aufstieg: Huddersfield vor dem nächsten Märchen

Aber auch diese kleinen Wermutstropfen würden ganz schnell trocknen, wenn am Saisonende der Klassenerhalt das knapp 150.000 Einwohner beherbergende Städtchen Huddersfield in den nächsten Party-Ausnahmezustand versetzt. Für Wagner würde das den Aufstieg nach 45 Jahren Absenz gar nochmal toppen: "Die Qualität in der Liga ist so unglaublich hoch und unsere Mittel dagegen so verschwindend gering, dass es eigentlich überhaupt gar nicht geht, dass wir drinbleiben. Daher sehe ich es eine Stufe höher als den Aufstieg, der hier auch schon als Märchen bezeichnet wurde."

Damit das aktuelle Etat-Schlusslicht der Premier League (Kaderbudget von etwa 33 Millionen Euro) auch in der kommenden Saison konkurrenzfähig ist, würde doch ein Akteur vom Mitaufsteiger Brighton & Hove Albion prima in die deutsche Kolonie Huddersfields passen. Wie wäre es also mit dem früheren Ingolstädter Pascal Groß, der mit sechs Toren und acht Assists gerade die Saison seines Lebens spielt? Bei dieser Frage muss Wagner lachen. "Prinzipiell würde das schon gut passen. Allerdings spielt er in einem sehr guten Verein und selbst mit Brighton können wir finanziell nicht mithalten. Dementsprechend ist das weit weg von unseren Möglichkeiten." Die aber wohl trotzdem reichen, in der derzeit wohl stärksten Liga der Welt zu überleben.

Carsten Schröter