SC-Trainer nicht überrascht über Treuebekenntnis Kölner Spieler

Streich: "Charaktere, die Verantwortung fühlen"

Christian Streich

Vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln: Christian Streich. imago

Streich hat mit Hector, an dem der Sportclub selbst mal interessiert war, zwar nur ein kurzes Gespräch nach dem Hinspiel geführt und Horn kennt er gar nicht, erzählte der SC-Coach in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Kölner, aber sie gehören für ihn zu den "besonderen Charakteren", die "eine Verantwortung fühlen". Das habe mit Verbundenheit, Identifikation und Dankbarkeit zu tun. "Wobei ich aber betonen will, dass ich niemanden verurteilen will, wenn er nach einem Abstieg geht", fügte Streich hinzu. Dass sich namhafte Spieler auch nach einem Abstieg zu ihrem Klub bekennen, wird es aber nach seiner Einschätzung "unabhängig vom Zeitgeist immer geben".

Ein Beispiel im eigenen Team ist Nils Petersen, der bereits im Februar seinen Vertrag ligaunabhängig bis 2022 verlängerte. "Ich weiß das Umfeld zu schätzen und kann alles nur loben: Fans, Stadt, Klubführung, Trainerteam und Mannschaftskollegen. Da fühle ich mich super aufgehoben", sagte der 29-Jährige im Interview in der aktuellen Donnerstagausgabe des kicker. Wie Horn und Hector hätte er die Möglichkeit gehabt, zu einem Verein zu wechseln, der nichts mit dem Abstieg zu tun hat.

Auch wenn dieser für die Kölner nur noch theoretisch abzuwenden scheint, hat Streich das Team von Stefan Ruthenbeck noch nicht abgeschrieben. "Wenn sie bei uns gewinnen, haben sie nochmal eine Chance", sagte der SC-Trainer, "man kämpft immer bis zum letzten Zentimeter, und ein gewisser Fatalismus kann auch dabei sein." Abgesehen davon ist Köln für ihn, nach den Verletzungsproblemen in der Hinrunde, "jetzt wieder eine stabile Bundesliga-Mannschaft". Auf die taktische Analyse des Gegners hat Streich diesmal trotzdem nicht ganz so viel Wert gelegt wie sonst, weil der FC durch mehrere Systemwechsel ohnehin schwer einzuschätzen sei, und sich der SC ganz auf sein eigenes Spiel konzentrieren will.

Dazu gehört auch, dass am Samstag keine Spielstände aus anderen Stadien im seit Wochen ausverkauften Schwarzwald-Stadion eingeblendet werden, von denen allerdings nur das zeitgleiche Abstiegsduell Wolfsburg gegen den Hamburger SV für beide Teams relevant ist. Mainz spielt erst am Sonntag gegen Leipzig. Innerhalb der Mannschaft seien die Spiele der Konkurrenz aber "kein Thema", sagte Streich, "wir müssen uns mit uns beschäftigen".

Daniela Frahm