Hasenhüttl: "Das Abwartende ist nicht unser Ding"

Leipzig: Spielstil und Perspektiven im kicker-Check

Ralph Hasenhüttl

Am Samstag gegen Hoffenheim: Leipzigs Coach Ralph Hasenhüttl. imago

Spielstil

Zuletzt beim 1:1 in Bremen wählte Ralph Hasenhüttl in der ersten Halbzeit eine 3-5-2-Grundformation, die im Vergleich zu den sonstigen Leipziger Gepflogenheiten deutlich tiefer und abwartender agierte. Der RB-Coach nannte das nach der Partie "einen Versuch, passiv die erste Blutung zu stillen von der Woche mit neun Gegentoren, die wir bekommen haben". Nachdem RB zuvor in der Liga gegen Bayer Leverkusen (1:4) sowie im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League bei Olympique Marseille (2:5) deftige Pleiten bezogen und über die Gegentore hinaus noch etliche Torchancen des Gegners zugelassen hatte, sollte die defensivere Grundhaltung erstmal Stabilität und somit Sicherheit bringen.

Trainersteckbrief Hasenhüttl

Hasenhüttl Ralph

Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München
78
2
FC Schalke 04
56
3
Borussia Dortmund
54

Das Abwartende ist nicht unser Ding.

Ralph Hasenhüttl

Zudem wollte Hasenhüttl den Belastungen der englischen Woche Tribut zollen. Für den aufwändigen RB-Fußball habe sein Team in Bremen beim vierten Spiel binnen zehn Tage "nicht die Kräfte gehabt", um das Prinzip 90 Minuten durchzuziehen. Nachdem RB im Weserstadion in der ersten Halbzeit aber in der Offensive kaum stattgefunden hatte, ließ Hasenhüttl sein Team im zweiten Durchgang im 4-3-3-System und offensiver ausgerichtet agieren. Auch, weil seine Erkenntnis lautete: "Wir haben in der ersten Halbzeit eine Art von Fußball gespielt, die uns nicht auf den Leib geschneidert ist. Das Abwartende ist nicht unser Ding."

Der RB-Grundsatz - und auch Hasenhüttls - ist auf Aktivität ausgerichtet, auf aggressives Pressing, Vorwärtsverteidigen und schnellem Umschalten nach Ballgewinn. Im Laufe der Saison haben die Leipziger ihre Grundordnung - normalerweise ein 4-2-2-2-System - bisweilen modifiziert. Etwa hin zum 4-3-3 oder wie beim 2:1-Erfolg am 27. Spieltag gegen den FC Bayern und jüngst in Bremen zu einem 3-5-2.

Weil sich viele Kontrahenten aufgrund ihrer (oft leidvollen) Erfahrungen mit dem überfallartigen Leipziger Umschaltspiel der Saison 2016/17 in der laufenden Runde gegen Hasenhüttls Team deutlich kompakter und tiefer aufstellten, wurde RB oft zu mehr Ballbesitz gezwungen. Die Fortschritte sind deutlich erkennbar, die Mannschaft ist imstande, auch einen im Block stehenden Kontrahenten zu bespielen. Bisweilen fehlt es aber an Wucht im letzten Drittel, wenn ein Gegner massiert am und um den eigenen Strafraum steht.

Perspektiven im Verein

Das erste Jahr für Hasenhüttl in Leipzig war mit dem zweiten Platz und der damit verbundenen, direkten Qualifikation für die Champions League ein einziger Triumphzug. Die zweite Bundesliga-Spielzeit unter seiner Führung hat der 50-Jährige unter die Prämisse gestellt, Erfahrungen zu sammeln - vor allem mit der Mehrfachbelastung.

Hasenhüttl wollte nicht nur die Entwicklung seiner Mannschaft abwarten, sondern auch sich überprüfen, inwieweit er ein Team unter Doppel- respektive Dreifachbelastung weiterentwickeln kann. Deshalb, so sagte er unlängst, begegnete er im vergangenen Dezember dem Willen von RB, seinen noch bis 2019 laufenden Vertrag zu verlängern, mit Zurückhaltung. In den vergangenen Wochen gab es ein Gespräch zwischen Hasenhüttl sowie Sportdirektor Ralf Rangnick und Geschäftsführer Oliver Mintzlaff, in dem der Coach nach eigenen Worten deutlich zum Ausdruck brachte, dass er sich eine Zukunft bei RB Leipzig über den 30. Juni 2019 hinaus vorstellen kann. Weil er sein Team noch nicht am Limit sieht.

Dass Ralph Hasenhüttl in den bisherigen eindreiviertel Jahren einen richtig guten Job gemacht hat, steht auch außer Frage

RB-Sportdirektor Ralf Rangnick

Und auch Rangnick sagte nach dem 3:2-Erfolg in Hannover an Ostern: "Wenn wir uns das gar nicht vorstellen könnten, hätten wir uns nicht zusammensetzen brauchen. Dass Ralph Hasenhüttl in den bisherigen eindreiviertel Jahren einen richtig guten Job gemacht hat, steht auch außer Frage."

Seitdem liegt der Ball beim Klub, ein konkretes Angebot zu unterbreiten - oder eben nicht. Bisher gibt es keins. Die RB-Verantwortlichen betonen, dass es keine Eile gebe und Hasenhüttl ja noch einen Vertrag besitze. Dass RB indes mit einem Trainer in die Saison 2018/19 geht, dessen Vertrag ausläuft, erscheint kaum denkbar.

Andreas Hunzinger

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