Bemerkenswerte Aussagen des Freiburg-Kapitäns

Sportsmann Schuster gegen die "Opferrolle"

Julian Schuster nach Freiburgs 0:2 in Mainz

Klare Worte nach dem aufregenden 0:2 in Mainz: Freiburgs Kapitän Julian Schuster (M.). imago

Auch wenn nach wie vor offen ist, ob Freiburg Einspruch wegen des Ablaufs der Videobeweisentscheidung von Referee Guido Winkmann einlegt , ist ein weiterer Nebenschauplatz Gift für die Mannschaft von Christian Streich. Diese hat nur einen Punkt aus den letzten sechs Spielen geholt und mit ablenkendem Schiedsrichter-Theater zuletzt keine guten Erfahrungen gemacht. Obwohl dem 0:2 auf Schalke ein letztlich erfolgreicher Protest gegen die Gelb-Rot-Sperre für Nils Petersen folgte, verlor die Streich-Elf mit dem Torjäger in der Startelf im vergangenen Heimspiel gegen Rivale Wolfsburg abermals mit 0:2.

Dasselbe Resultat leuchtete am Montagabend zum dritten Mal in Folge von der Anzeigentafel. Das kann sicher nicht nur an unglücklichen Zufällen oder etwaigen Benachteiligungen liegen. Daher stellte Freiburgs Kapitän Julian Schuster nach der Schlappe gegen den FSV im Big-Point-Spiel klar: "Ich bin nicht dafür, sich in irgendeine Opferrolle zu begeben. Das ist auch null Thema bei uns in der Mannschaft. Sollte einer von uns dennoch in diese Richtung tendieren, wird er intern sofort korrigiert."

"Es war den Regeln entsprechend und ist daher zu akzeptieren"

Das für sein Team bittere, nachträglich mit Elfmeter bestrafte Handspiel von Marc Oliver Kempf kommentierte der 33 Jahre alte Routinier bemerkenswert sportsmännisch: "Ich bin ein Fan davon, die Dinge rumzudrehen. Wenn eine solche Aktion auf der anderen Seite passiert, sind wir die ersten, die sich beschweren. Es war den Regeln entsprechend und ist daher zu akzeptieren." Kritik übte Schuster lediglich am Entscheidungsprozess: "Meiner Meinung nach kann es nicht sein, dass eine Mannschaft schon in der Kabine ist und wieder rauskommen muss. Darüber muss man reden."

Mit der "furchtbaren Art und Weise" werde man sich laut Schuster aber nicht aufhalten: "Sonst hätten wir wirklich Probleme und würden Energie verschwenden, die wir für das Wesentliche brauchen." Und das ist die Leistung auf dem Platz, die beim SC schon eine Weile nicht ausreicht, um Tore zu erzielen, geschweige denn Punkte einzufahren.

Aufgrund einiger nicht hundertprozentig fitter Akteure - Nicolas Höfler, Robin Koch und auch Florian Kath konnten in der vergangenen Woche kaum trainieren - entschied sich Streich nach eigener Aussage für eine defensivere Ausrichtung mit Dreier-Fünferkette in der Abwehr, auch um den ebenfalls spielerisch limitierten Mainzer etwas mehr die Initiative zu überlassen. Der Plan fruchtete jedoch nicht.

Gulde spricht Fünferketten-Problem offen an

"In der Fünferkette neigen wir leider dazu, einfach zu passiv zu spielen. Wir standen tief, es gab viele lange Bälle, aber wir haben die zweiten Bälle nicht bekommen", räumte Manuel Gulde, Mittelmann in der letzten Linie, selbstkritisch ein. Es wirkte phasenweise so, als habe der offensiv harm- wie mittelose Sportclub einzig im Sinn gehabt, ein 0:0 zu ermauern, das die Nullfünfer auf Abstand gehalten hätte. Schuster widerspricht: "Das war nicht der Plan und ist auch nicht unsere Herangehensweise."

Nach dem Rückstand, einer Umstellung auf 4-4-2 und schwachem Beginn der zweiten Hälfte, steigerte sich der SC offensiv immerhin ein bisschen - auch weil ihm angesichts der drohenden nächsten Niederlage nichts anderes übrigblieb. Ungeachtet des spielentscheidenden Patzers von Keeper Alexander Schwolow, dem erstmals in dieser Saison ein solcher Lapsus unterlief, betonte der im zweiten Durchgang eingewechselte Schuster: "Es muss nochmal anders sein, um die Spiele für uns entscheiden zu können. Es fehlt nicht viel, es sind Kleinigkeiten. Aber die müssen wir besser machen, um präsenter und torgefährlicher zu sein." Damit dürfte er Dinge wie taktische Disziplin, giftigeres Zweikampfverhalten durch hundertprozentige Fitness sowie mutigeres und entscheidungsfreudigeres Auftreten meinen.

Daran müssen Streich und sein Trainerteam in der verkürzten Trainingswoche bis zum nächsten Abstiegskracher am Samstag in Hamburg arbeiten. Und das unter erschwerten Bedingungen. Im Hintergrund wirkt die Debatte über die Winkmann-Entscheidung nach, und die Spieler strotzen angesichts ihrer Negativserie auch nicht vor Selbstbewusstsein, wie Gulde zugab. Die Lage für den Sportclub, der lange von seinem Polster auf das Untergeschoss des Tableaus zehrte, hat sich gefährlich zugespitzt. Im Dreikampf mit Wolfsburg und Mainz gegen die Relegation hat das Streich-Team aktuell sicher nicht das Momentum auf seiner Seite.

Carsten Schröter

Ob Comic, Klopapier oder Tennisbälle - die Fans sind sich einig