Bundesliga

Hoffenheims Schulz und Szalai: Die Harmonie der Nachbarn

Hoffenheim: Viel Lob für den Ex-Berliner

Schulz und Szalai: Die Harmonie der Nachbarn

Harmonierendes Duo: Nico Schulz und Adam Szalai.

Harmonierendes Duo: Nico Schulz und Adam Szalai. imago

"Ich habe versucht, ihn anzuschießen, etwas anderes blieb mir nicht übrig, es war ja nur Adam da", flachste Schulz, "wir haben vorher drüber gesprochen und ich habe gesagt: Ich muss ihm einen auflegen."

Als Dank für dessen Nachbarschaftshilfe sozusagen. Denn auch die Vorgeschichte hat eine Vorgeschichte. Vor einigen Jahren trafen sich die beiden Profis zufällig im Urlaub. Und verstanden sich auf Anhieb prächtig. Schulz und Szalai hielten Kontakt. Und als der Linksfuß im Sommer tatsächlich auch zur TSG wechselte, stellten die beiden Kumpels fest: Die Bleibe, die sich Schulz für seine Familie in Heidelberg ausgesucht hatte, lag in direkter Nachbarschaft. In der Übergangszeit bis zur Bezugsfertigkeit zog Schulz kurzerhand sogar bei Nachbar Szalai ein.

Ich bin gut drauf. Es gab in Berlin auch mal eine Phase, in der es gut lief, aber Berlin damals hat nicht die Qualität von Hoffenheim heute, deswegen läuft es für mich auch besser.

Nico Schulz

Umweltschonend fahren die beiden häufig gemeinsam zur Arbeit. Da haben sich zwei gesucht und gefunden. Jetzt auch auf dem Platz. "Nico ist Wahnsinn. Seit er mein Nachbar ist, bringt er eine Leistung auf den Platz. Ich weiß gar nicht woran das liegt", scherzte Szalai, um ernsthaft zu ergänzen: "Er hat eine brutale Schnelligkeit und Ausdauer, er ist athletisch so stark. In der Liga gibt es sehr wenige linke Verteidiger mit seinen Fähigkeiten."

Das findet auch Benjamin Hübner. "Er ist in einer Topform, und er spielt auf einer Position, die in den letzten Jahren nicht überbesetzt war in der Nationalmannschaft. Ich denke, dass er auf Dauer auch dort seine Chancen haben wird. Ob das für die WM noch reicht, dazu kann ich nichts sagen." Das dürfte eng werden, Bundestrainer Joachim Löw begutachtete als Augenzeuge in Sinsheim eher eine mittelfristige Alternative. Im Nationalteam warten schließlich Gegner anderer Kragenweite als Hamburg.

Ruft Löw an?

"Er ist der Bundestrainer, ich bin Deutscher", kombinierte der frühere U-21-Nationalspieler, den ein Kreuzbandriss zurückgeworfen hatte, "wenn er anrufen würde, dann freue ich mich. Aber ich weiß auch, dass fünf, sechs gute Spiele nicht reichen. Ich mache mir deshalb darüber keine Gedanken." Doch körperlich wie spielerisch hat der 25-Jährige aktuell ein neues Allzeithoch erreicht. "Ich bin gut drauf. Es gab in Berlin auch mal eine Phase, in der es gut lief, aber Berlin damals hat nicht die Qualität von Hoffenheim heute, deswegen läuft es für mich auch besser."

Nagelsmann: Schulz "nur schwer zu ersetzen"

"Er hat eine unglaubliche Power über den linken Flügel. Er hat das Tor aufgelegt für seinen Kumpel Adam mit einer sehr großen Willensaktion, ist cool geblieben im gegnerischen Sechzehner", lobte auch Trainer Julian Nagelsmann, "er verteidigt jetzt auch viel stabiler. Er hat sich an die Grundordnung gewöhnt. Und in seinen Offensivaktionen merkt man, dass er in Berlin als Außenstürmer ausgebildet wurde, das kommt ihm zugute. Jetzt hat er eine gute Balance zwischen Offensiv- und Defensivaktionen. In dieser Verfassung ist er nur schwer zu ersetzen oder zu verdrängen aus der ersten Elf."

Michael Pfeifer