Schalkes Ex-Trainer zu Gast beim kicker

Weinzierl-Analyse: "So funktioniert der Klopp-Fußball"

Trainer Markus Weinzierl

Redaktionsbesuch in Nürnberg: Trainer Markus Weinzierl (Mitte) mit den Reportern Karlheinz Wild (l.) und David Bernreuther. kicker

Eine Kolumne von Markus Weinzierl

"Eigentlich hatte ich Manchester City in diesem Rückspiel mehr zugetraut. Und vor allem nach der frühen 1:0-Führung schien ein historischer Europapokalabend durchaus möglich, doch nach den 90 Minuten in Manchester und umso mehr nach dem 3:0 im Hinspiel hatte sich der FC Liverpool hochverdient durchgesetzt. Hilfreich war dabei sicher, dass das 2:0 kurz vor der Pause irrtümlich nicht gewertet wurde - Leroy Sané hatte nicht im Abseits gestanden. Und nach dem 1:1-Ausgleich war der Auftrag für Jürgen Klopp und seine Reds erledigt.

Der deutsche Trainer formierte seine Elf in der offensiven Ausrichtung in einem 4-3-3, das sich defensiv zu einem 4-5-1 veränderte, in dem Salah allein weiter vorne blieb. So gestalteten die Reds ihren Abwehrbereich extrem kompakt. Vertikal wie horizontal verengten sie die Räume gut abgestimmt, vor der Viererkette mit den zwei stellungssicheren Innenverteidigern Lovren und van Dijk verstellten die drei defensiven Mittelfeldspieler Oxlade-Chamberlain, Wijnaldum und Milner als drei Sechser die Pass- und Laufwege, unterstützt von Firmino und Mané, die ständig nach hinten unterwegs waren.

Ein typisches Produkt der Marke Liverpool

Nach dem baldigen Rückstand fand der FC Liverpool schnell seine Fassung und stabilisierte sein Gefüge - um bei Gelegenheit gnadenlos zuzuschlagen. Beim 1:1 behauptete sich Mané im Dribbling gegen mehrere ManCity-Verteidiger, ehe Salah mit einem coolen Lupfer die Situation zu seinem achten Treffer in dieser Champions-League-Saison nutzte. Und beim 2:1 zahlte sich eine der frühen Störaktionen der Liverpool-Angreifer aus: Firmino nahm dem patzenden Otamendi den Ball ab und schob mit viel Übersicht und Technik ein. Dieser Treffer war ein typisches Produkt der Marke FC Liverpool, so funktioniert der Klopp-Fußball: vorne attackieren, sofort umschalten und eiskalt vollenden. Der frühere Hoffenheimer Firmino steht für diesen Stil, er schuftet beim Pressing bzw. Gegenpressing selbstlos und effizient für die Mannschaft. Mit dem Siegtor veredelte er seinen starken Auftritt.

Sané ist für mich ein riesiges Talent, er hat alles, was ein Topfußballer braucht und wird unter Pep Guardiola noch weiter reifen.

Markus Weinzierl
Chefreporter Karlheinz Wild und Trainer Markus Weinzierl

Gemeinsames Fachsimpeln: Chefreporter Karlheinz Wild und Trainer Markus Weinzierl. kicker

Auf der Gegenseite ließ der vormalige Schalker Sané auf dem linken Flügel sein Talent zwar aufblitzen, ihm gelang jedoch keine entscheidende Aktion, seine Hereingaben hatten eine breite Streuung. Sané ist für mich ein riesiges Talent, er hat alles, was ein Topfußballer braucht und wird unter Pep Guardiola noch weiter reifen. De Bruyne, früher in Bremen und Wolfsburg, trat vor der Pause sehr dominant und präsent auf, trieb aus der Tiefe immer wieder an; im zweiten Durchgang tauchte er ab. Aber da wusste dieser mental so starke Spieler auch, dass es vorbei war. Nach einer Stunde hatte der FC Liverpool die Angelegenheit geregelt. Da nützte Manchester City auch die extrem offensive Aufstellung, die Pep Guardiola nach dem 0:3 in Liverpool zu Recht gewählt hatte, nichts mehr.

Hatten seine Skyblues in der ersten Hälfte die Liverpooler noch ziemlich eingekesselt und bei Bernardo Silvas Pfostenschuss großes Pech gehabt, so schufen sie sich mit ihrem Passspiel insgesamt doch zu wenige Großchancen. In den Gefahrenbereich im Sechzehner drangen sie zu selten vor, unmittelbar vor dem Tor fehlte ihnen die Anspielstation.

Eine 5:1-Gesamtwertung nach zwei Spielen zwischen diesen beiden englischen Giganten spricht eine deutliche Sprache für Klopp und seine Jungs. Für sie ist auch im Halbfinale sowie im weiteren Wettbewerb alles möglich."

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