Wie sieht die Zukunft des Fußballs aus?

Gibt es in sieben Jahren eine Superliga oder Weltliga?

Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund): Auf jeden Fall, es wird die Bundesliga 2025 geben, und es wird sie auch 2035 geben. Jedes Konzept, das die nationalen Ligen ausklammern würde, wird scheitern. Die Bemühungen großer Klubs, so etwas wie eine Super- oder Weltliga zu inszenieren, bestehen. Aber: Ich kann mir niemals vorstellen, dass Real Madrid oder Bayern München nicht mehr in ihrer nationalen Liga spielen. Wo die Liga 2025 steht, das hängt nicht von 50+1 ab. Es gibt Klubs wie Real Madrid, Barcelona oder Bayern München, die funktionieren mit 50+1. Das wären von vier möglichen Halbfinalisten der diesjährigen Champions League schon einmal drei. Wenn sich Golfstaaten wie Abu Dhabi oder Katar mit ManCity oder Paris einen ganzen Verein krallen und unfassbares Geld reinstecken, kann man aber auch erfolgreich sein.

Stephan Schippers (Geschäftsführer Borussia Mönchengladbach): Die Bundesliga ist unantastbar. Sie ist ein Erfolgsmodell und für mich in einer anderen Form nicht vorstellbar. In keinem anderen Land kommen so viele Zuschauer zu den Ligaspielen wie in Deutschland. Was die Infrastruktur der Stadien, die Atmosphäre, die Emotionen und die gesamten Rahmenbedingungen für die Fans angeht, kann keine andere Liga mit der Bundesliga mithalten. Wirtschaftlich ist uns England voraus. Die spanische La Liga sehe ich auf einem Niveau mit der Bundesliga, die Serie A in Italien und die Ligue 1 in Frankreich sehe ich hinter uns.

Peter Peters

Glaubt fest an den Verbleib der Bundesliga: Schalkes Finanzvorstand Peter Peters. imago

Peter Peters (Finanzvorstand Schalke 04 und Vizepräsident des Ligaverbands): Mit Sicherheit wird es die Bundesliga 2025 noch geben. Und zwar populär und wettbewerbsfähig im internationalen Vergleich. Sie wird auch für die Spitzenklubs das Maß aller Dinge und ihre sportliche Heimat bleiben. Wirtschaftlich hängt vieles davon ab, welche Entscheidungen die Klubs der Bundesliga und der 2. Liga im Ligaverband treffen werden. Sofern sie sich einig sind und auf Leistung setzen, kann die Bundesliga Platz 2 hinter der Premier League erreichen.

Axel Hellmann (Vorstand Eintracht Frankfurt): Die Bundesliga wird es in ihrer jetzigen Form auch 2025 geben. Sie ist und bleibt der fußballerische Nabel aller aktuellen Profiklubs in Deutschland, auch derjenigen, die regelmäßig auf Spitzenniveau in der Champions League mitspielen. Der nationale Wettbewerb wird auf die Fans in Deutschland auf absehbare Zeit die größte Attraktivität sowohl als Live-Ereignis als auch in der Berichterstattung ausstrahlen. Die Bundesliga wird hier sowohl sportlich als auch wirtschaftlich weiterhin hinter England, aber vor Spanien, Italien und Frankreich auf Toplevel positioniert sein. An eine Weltliga oder eine europäische Superliga glaube ich im Jahr 2025 nicht.

Die Bundesliga ist unantastbar. Sie ist ein Erfolgsmodell und für mich in einer anderen Form nicht vorstellbar.

Stephan Schippers (Geschäftsführer Borussia Mönchengladbach)
Frank Briel

Frank Briel imago

Frank Briel (Geschäftsführer TSG Hoffenheim): Die Bundesliga erweist sich offensichtlich als sehr krisenresistente und extrem populäre Profiliga. Erfahrungsgemäß werden die Stimmen über eine Super- oder Weltliga immer lauter, je näher Reformpläne auf Ebene der UEFA diskutiert werden. Denkbar wäre es natürlich - ich sehe es jedoch eher als konkurrierendes Format zur Champions League. Der Kern der Bundesliga würde davon nicht tangiert und weiterhin bestehen bleiben. Wenn man den sportlichen Wert anhand des Zuschauerzuspruchs bemisst, wird die Bundesliga auch weiterhin die Nummer 1 sein. Wirtschaftlich, bezogen auf den Umsatz, hinter England weiterhin die Nummer 2.

Michael Meeske (Finanzvorstand 1. FC Nürnberg): Bundesliga: ja. Europäische Super- oder Weltliga: nein. Die nationalen Ligen werden weiterhin zentrale Grundlage der Klubwettbewerbe sein. Sportlich und wirtschaftlich wird die Bundesliga 2025 zu den Top 3 gehören.

Matthias Lehleiter (Finanz- und Fußballexperte Berenberg): Es wird ein Balanceakt zwischen internationaler Wettbewerbsfähigkeit und Fannähe für die Liga. Für mich ist die Champions League bereits eine europäische Superliga. Eine Weltliga macht derzeit wenig Sinn. Selbst wenn man wirtschaftliche und geografische Aspekte außer Acht lässt, ist die Wettbewerbsfähigkeit auf globaler Basis ohnehin nicht gegeben. Die Thematik ist für mich ähnlich wie bei den politischen EU-Themen. Während ein Großteil der Bevölkerung bzw. Fans offen ist für internationale Aspekte, so wird großer Wert auf eine nationale Identität und Identifikation mit den Klubs gelegt; auch mit den gegnerischen Klubs. Das heißt konkret, dass ich ein Zweiklassensystem für die Allgemeinheit für nicht förderlich halte.

Claus Vogt

Claus Vogt dalferth-photos

Claus Vogt (Vorstand FC PlayFair!): Bundesliga: ja. Europäische Superliga oder Weltliga: nein. Ich wünsche mir jedoch eine grundlegende Reform der internationalen Wettbewerbe und hier besonders der Champions-League-Gelder, um die jeweiligen nationalen Wettbewerbe zu fördern und wieder ausgeglichener und somit sportlicher für alle Beteiligten zu machen. Was die Stimmung in den Stadien und die damit verbundene Fankultur angeht, wird die Bundesliga weiterhin führend in Europa sein. Wichtiger Faktor hierbei ist, dass der Zuschauer und Fan besonders im Stadion nicht weiter abgewertet werden darf, sonst wird sich auch das dauerhaft ändern.

In der kicker-Montagsausgabe erschien der komplette siebte und letzte Teil der Serie "50+1 – Fluch oder Segen?". Darin befragt der kicker acht Experten zur Bundesliga 2025 und der Zukunft des Fußball: Hans Joachim-Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund), Stephan Schippers (Geschäftsführer Borussia Mönchengladbach), Peter Peters (Finanzvorstand FC Schalke und DFL-Vizepräsident), Axel Hellmann (Vorstand Eintracht Frankfurt), Frank Briel (Geschäftsführer TSG Hoffenheim), Michael Meeske (Finanzvorstand 1. FC Nürnberg), Matthias Lehleiter (Finanz- und Fußballexperte Berenberg) und Claus Vogt (Vorstand FC PlayFair).