Merkwürdige Szenen nach dem 2:1 gegen Berlin

Gladbach: Der Fan-Disput und die Reaktionen

Stindl, Sommer & Co. diskutieren mit einem Gladbach-Fan

Diskussionen an der Bande: Stindl, Sommer & Co. debattieren mit einem Gladbach-Fan. imago

Es waren merkwürdige Szenen, die sich nach dem Abpfiff im Borussia-Park abspielten. Von Jubelstimmung nach dem erlösenden Befreiungsschlag keine Spur. Stattdessen aufgebrachte Gemüter und hitzige Diskussionen zwischen Teilen der Fans und den Gladbach-Profis vor der Nordkurve. Es hat sich bei der Anhängerschaft offenbar einiges aufgestaut nach einer enttäuschend verlaufenen Rückrunde und vielen spielerisch mageren Darbietungen der Fohlenelf. Die ersten 70 Minuten gegen Berlin gehörten mit Sicherheit dazu. Vom einstigen Powerfußball ist die Mannschaft meilenweit entfernt. Schon zur Pause gab es ein lautstarkes Pfeifkonzert.

"Es war eine Diskussion über die Art und Weise", erklärte Lars Stindl zu den Wortgefechten vor der Kurve, "und die hat anscheinend nicht gefallen." Dass man für die spielerische Leistung keinen Beifall erwarten konnte, räumten die Spieler auf breiter Front ein. "Allerdings", so Stindl, "muss man auch anerkennen, was wir an Willen und Zweikampfstärke reingeworfen haben, um das Ding noch zu drehen. Es war ein Sieg des Willens. Den nehmen wir so mit, auch wie er zustande kam - und müssen uns für die Art und Weise nicht entschuldigen."

Kramer: "Dann muss es gegen Dortmund Standing Ovations geben"

Auch Christoph Kramer zählte zu den Borussen, die mit der Anhängerschaft intensiv diskutierten. "Für mich gibt es zwei Arten, die ich akzeptieren kann: Entweder ich feiere Gladbach, wenn die Mannschaft richtig guten Fußball spielt. Oder ich feiere Gladbach, wenn die Mannschaft gewinnt. Irgendwas muss mir ja wichtiger sein. Gegen Dortmund spielen wir richtig gut und kriegen anschließend ein bisschen was auf die Fresse. Und dann ist es offenbar auch nicht richtig, wenn du gewinnst." Er habe "Verständnis, wenn nach so einem Spiel wie heute Unmut geäußert wird, weil wir scheiße gespielt haben", sagte der Mittelfeldmann weiter, "aber dann darf es gegen Dortmund nicht das gleiche sein, weil wir das Spiel verloren haben. Dann muss es gegen Dortmund Standing Ovations geben."

Wenn einige wenige Fans meinen, sie müssten unseren Torwart angehen, dann finde ich das sehr bedenklich. Das hat bei uns im Borussia-Park nichts zu suchen.

Dieter Hecking

Vier Spiele ohne Sieg waren es vor Samstag. Eine Serie, die vielleicht die entscheidenden Punkte für eine Europapokal-Teilnahme gekostet hat. "Wenn die Hertha in der Phase, als sie einige große Chancen hatte, das 0:2 macht, weiß ich, was hier nach dem Spielende losgewesen wäre", sagte Dieter Hecking und stellte sich schützend vor seine Mannschaft.

Offenbar wurde nach dem Spiel speziell Yann Sommer verbal attackiert. Dazu Hecking: "Wenn einige wenige Fans meinen, sie müssten unseren Torwart angehen, dann finde ich das sehr bedenklich. Das hat bei uns im Borussia-Park nichts zu suchen." Weiter betonte der Coach: "Eins hat diese Mannschaft immer: Charakter und Moral. Dass Leichtigkeit und Selbstverständnis in unserem Spiel momentan fehlen, wissen wir auch so. Dafür brauchen wir keinen Pfiff."

Jan Lustig

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Bilder zur Partie Bor. Mönchengladbach - Hertha BSC