Bundesliga

"United Colors of Frankfurt" - Eintracht-Vorstand Axel Hellmann lobt ein starkes Zeichen

Eintracht-Fans starten Aktion gegen Fremdenfeindlichkeit

"United Colors of Frankfurt" - Ein starkes Zeichen

Axel Hellmann

Voll des Lobes über eine tolle Fan-Aktion: Frankfurts Vorstand Axel Hellmann. imago

Die zahlreichen ausländerfeindlichen Übergriffe und Brandanschläge Anfang der 90er Jahre sind bis heute ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Der DFB initiierte damals die Aktion "Friedlich miteinander - Mein Freund ist Ausländer." Am letzten Hinrundenspieltag der Saison 1992/93 liefen alle Bundesligisten mit dem Slogan "Mein Freund ist Ausländer" auf der Trikotbrust auf. Die Fans der Frankfurter Eintracht bewiesen schon damals besondere Kreativität und zeigten Haltung, indem sie ein T-Shirt mit dem Slogan "United Colors of Bembeltown - Eintracht-Fans offen für alle Farben" entwarfen. Bis heute genießt dieses T-Shirt Kultstatus.

Schon 5000 T-Shirts verkauft

Beim Spiel gegen die TSG Hoffenheim kommt es zur dritten Neuauflage. Die Vorsitzende des Eintracht Frankfurt Fanclubverbands e.V., Ina Kobuschinski, erklärte auf einer Pressekonferenz am Freitag. "Es ist wichtig, Haltung zu zeigen und ein Statement nach außen abzugeben, das kann man am besten mit einem Shirt. Wir hatten im Fan-Haus Louisa schon einen sehr gut angelaufenen Vorabverkauf für die offiziellen Fanclubs. Wir haben schon über 5000 Shirts verkauft." Am Sonntag werden rund ums Stadion die restlichen der 11.500 T-Shirts für zehn Euro das Stück verkauft. Der Erlös geht an die Teestube Jona, einem Obdachlosenprojekt im Bahnhofsviertel, das im Sinne der Vielfalt jeden willkommen heißt.

Hellmann: Besondere und einzigartige Aktion

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann erläutert: "Diese Aktion ist unter verschiedenen Gesichtspunkten besonders und einzigartig. Zuallererst deswegen, weil es keine von Verbands- oder Vereinsseite initiierte Aktion ist, sondern schon zum dritten Mal aus unserer Fanbasis erwachsen ist. Die Aktion setzt sich für Vielfalt ein, das bedeutet im Umkehrschluss: Sie wendet sich gegen Diskriminierung und Rassismus. Das steht diesem Verein gut zu Gesicht und passt zu der gesamten Strategie und der Wahrnehmung von Eintracht Frankfurt." Nicht erst seit öffentlichen Äußerungen von Peter Fischer oder Kevin-Prince Boateng lege der Verein diese Haltung an den Tag, "sie hat eine lange Tradition und Kultur in einer der internationalsten Metropolen Europas", bekräftigt Hellmann.

Indeed: Verzicht gegen Hoffenheim

Indeed, der Hauptsponsor, verzichtet gegen Hoffenheim auf seinen Schriftzug auf der Brust, um Platz für das Logo von "United Colors of Frankfurt" zu machen. Indeed-Geschäftsführer Frank Hensgens erklärt: "Vielfalt spielt in unserem Unternehmen eine wichtige Rolle. Wir sind auf allen Kontinenten vertreten und arbeiten sehr international zusammen. Im Wirtschaftsleben ist es extrem wichtig, dass man mit Mitarbeitern jeglicher Couleur zusammenarbeitet. Dadurch wird die Organisation besser, man wird kreativer, man wird produktiver. Das ist eine geniale Idee der Eintracht-Fangemeinschaft. Ich glaube nicht, dass viele deutsche Fangemeinschaften darauf kommen, wir finden das total klasse. Indeed ist farbig, die Eintracht ist farbig und die Fans der Eintracht sind es genauso - das passt sehr gut zusammen." 1000 Stück der Sonder-Trikots werden im Stadion-Fanshop angeboten, vom Erlös werden pro Trikot 20 Euro an die Teestube Jona gespendet.

Dass die Eintracht in dieser Saison mit einer ausgeprägten Multi-Kulti-Mannschaft antritt, verleiht der Botschaft eine besondere Ausdruckskraft. Unter der Überschrift "Drehkreuz zur Welt" schrieb der kicker bereits im vor der Saison erschienenen Bundesliga-Sonderheft: "Eine Neuauflage des 1992 zu Okocha-Zeiten von Fans entworfenen T-Shirts 'United Colors of Bembeltown - Eintracht-Fans offen für alle Farben', das ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit war, könnte reißenden Absatz finden."

Julian Franzke