Hertha: Comeback des Stürmers nach 413 Tagen

Schieber: "Mich hatten viele abgeschrieben"

Julian Schieber (re.)

Rückkehrer: Herthas Julian Schieber (rechts) nach dem 0:0 gegen Wolfsburg (links Mitchell Weiser). imago

In der 83. Minute ersetzte der Angreifer, von "Schieber, Schieber"-Rufen von den Rängen begleitet, Salomon Kalou - und gewann in seiner ersten Aktion ein Kopfballduell gegen Maximilian Arnold. Den Moment der Rückkehr auf den Rasen "konnte ich gar nicht richtig genießen, es ging alles so schnell", sagte Schieber später. "Ich hätte gern noch einen Impuls gegeben und die eine oder andere Offensivaktion gehabt. Aber das Spiel ist so dahingeplätschert. Beide Mannschaften haben es probiert, aber es sah leider nicht so gut aus für die Zuschauer." Mit seiner Einschätzung lag Schieber richtig, aber dem eigenen Glücksgefühl konnte der überschaubare Unterhaltungswert auf dem Rasen nichts anhaben.

Als "harte Zeit mit langen Nächten" hat der Stürmer die vergangenen 14 Monate in Erinnerung: "Ich habe viel gearbeitet und war zwischendurch weit weg." Dass ihn viele nicht mehr auf dem Zettel hatten, habe ihn "extrem mehr motiviert". Zuletzt überzeugte er seinen Trainer Pal Dardai über Wochen mit starken Trainingsleistungen und einem guten Auftritt vor zehn Tagen in einem internen Testspiel zwischen den Profis und einem Mix-Team aus U 23 und U 19 (3:3, Schieber mit einem Tor und einem Assist).

Spielbericht

"Julian trainiert auf Top-Niveau", hatte Dardai gelobt und dem Angreifer bereits vor dem letzten Bundesligaspiel vor der Länderspielpause in Hamburg (2:1) einen Platz im 18er-Kader in Aussicht gestellt. Gegen Wolfsburg war es soweit. "0:0 ist eigentlich das perfekte Einwechsel-Ergebnis", so Schieber. "Ich mag das, dann von der Bank zu kommen. Das Tor mach' ich ein anderes Mal, ich will weiter meine Kurzeinsätze sammeln und die Saison mit einem Treffer abschließen."

Stürmer sondiert den Markt

Für den Angreifer stehen mit Blick auf seinen auslaufenden Vertrag entscheidende Wochen an. Hertha hat bislang kein Gespräch mit ihm geführt. Sein Verbleib gilt als unsicher, der Stürmer sondiert längst den Markt - auch über Deutschland hinaus. Die vier Jahre in Berlin nach seinem Wechsel aus Dortmund im Sommer 2014 verliefen maximal unglücklich. Zwei Knorpeloperationen zwangen ihn zu zwei langen Pausen, im Januar 2018 warf ihn zusätzlich ein Muskelfaserriss zurück. Jetzt ist der Schwabe wieder da - und noch hungrig: "Zwei, drei oder vier Jahre auf Top-Niveau traue ich mir noch zu. Das Knie ist stabil und zeigt keine Reaktion. Es wird noch viele Spiele für mich geben." Das Knie spielt mit, der Kopf spielt mit - der Karsamstag soll erst der Anfang gewesen sein.

Steffen Rohr

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Bilder zur Partie Hertha BSC - VfL Wolfsburg