Zweite Chance nicht genutzt - Bundestrainerin muss gehen

DFB trennt sich von Steffi Jones - Hrubesch übernimmt

Steffi Jones

Nicht mehr für die DFB-Auswahl verantwortlich: Steffi Jones. imago

"Steffi Jones hat sich in den vergangenen Jahren als Spielerin und Direktorin große Verdienste um den Frauenfußball erworben. Wir stehen als Präsidium dazu, dass sie in ihrer Rolle als Bundestrainerin eine zweite Chance beim DFB bekommen soll", hatte DFB-Präsident Reinhard Grindel im August 2017 noch erklärt und den Vertrag mit Jones bis zur Weltmeisterschaft 2019 mit der Option auf ein weiteres Jahr bis zu den Olympischen Spielen verlängert. Nun trennen sich aber die Wege vorzeitig. Zum Leidwesen von Jones, die gern länger Bundestrainerin geblieben wäre. "Ich bedauere diese Entscheidung des DFB sehr", teilte sie am Montag über ihre Website mit. "Ich war mit vollem Engagement und Leidenschaft Trainerin dieser Mannschaft. Wir befinden uns mit dem Frauenfußball in einer schwierigen Umbruchsituation und ich hätte gerne diesen Umbruch weiter gestaltet."

Kritik schon nach dem Viertelfinal-Aus bei der EM

Die Fußstapfen von Silvia Neid waren wohl doch zu groß: Nach dem Olympia-Sieg der deutschen Frauen 2016 in Rio de Janeiro hatte Jones das Amt der Bundestrainerin von Neid übernommen, konnte aber an die erfolgreiche Ära nicht anknüpfen. Schon nach dem Viertelfinal-Aus bei der EM 2017 in den Niederlanden mit dem 1:2 gegen Dänemark stand Jones heftig in der Kritik, bekam aber nochmal eine Chance.

Die konnte sie nicht wirklich nutzen. Tiefpunkt war die 2:3-Heimniederlage gegen Island in der WM-Qualifikation am 20. Oktober 2017. Es war die erste Niederlage in der WM-Qualifikation nach zuvor 26 Siegen in Serie. Ein 4:0 im Test gegen Frankreich Ende November ließ die Kritik zunächst etwas verstummen, beim SheBelieves-Cup offenbarte die DFB-Auswahl aber Mängel in allen Bereichen. Jones fand kein Mittel, um die Mannschaft in die Spur zu bringen. Nach dem 0:1 gegen die USA und dem 2:2 gegen England wurden dem deutschen Team vor allem beim 0:3 gegen Frankreich im abschließenden Spiel die Grenzen aufgezeigt.

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Interimstrainer Hrubesch

Für die beiden bevorstehenden Spiele im April gegen Tschechien und in Slowenien in der WM-Qualifikation wird Horst Hrubesch die Mannschaft interimsweise übernehmen, wie der DFB mitteilte. "Ich habe den Frauenfußball in den vergangenen Jahren verfolgt und war auch bei der Europameisterschaft im Sommer vor Ort. Ich helfe in dieser Phase gerne und freue mich sehr, dass mich Uli Ballweg und Thomas Nörenberg in den kommenden Spielen dabei unterstützen werden", ließ Hrubesch wissen.

Bierhoff erklärt die Trennung

"Der Entscheidung ist eine intensive Analyse der vergangenen Monate vorausgegangen", erklärte Oliver Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften und Fußballentwicklung. "Zuletzt hatte Joti Chatzialexiou die Mannschaft auf der USA-Reise begleitet. Wir wollten nach der für uns alle enttäuschenden EM mit Steffi weiterarbeiten und haben ihr bewusst diese Chance gegeben. Mit Blick auf die sportliche Entwicklung, die wichtige Qualifikation für die WM und die unterschiedlichen Rückmeldungen vom SheBelieves-Cup sind wir aber jetzt zu der Überzeugung gekommen, dass die Mannschaft eine neue Führung braucht. Wir wollen den Wechsel nutzen, um die Strukturen im Frauenfußball weiter zu professionalisieren, die Verzahnung mit dem Männerbereich zu verstärken und neue konzeptionelle Wege zu gehen."

nik