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Chaos in Griechenland: Regierung stoppt Meisterschaft

Spielabbruch bei PAOK gegen AEK - Präsident kommt bewaffnet

Chaos in Griechenland: Regierung stoppt Meisterschaft

Turbulente Szenen: PAOK-Präsident Ivan Savvidis (Mi.) auf dem Rasen.

Turbulente Szenen: PAOK-Präsident Ivan Savvidis (Mi.) auf dem Rasen. Getty Images

Die griechische Meisterschaft ist nach wiederholten Ausschreitungen am Montag abgebrochen worden. "Dies gilt für unbestimmte Zeit", sagte der für Sport zuständige Vizeminister Dimitris Vassiliadis nach einem Treffen mit Regierungschef Alexis Tsipras im griechischen Fernsehen. "In der nächsten Zeit wird es Treffen und Beratungen mit dem Fußballverband, den Vereinen und der UEFA geben", fügte Vassiliadis hinzu.

Was war passiert? Am Sonntagabend war das Spitzenspiel zwischen PAOK Saloniki und AEK Athen abgebrochen worden, als PAOK-Besitzer Iwan Savvidis aus Protest gegen eine Abseits-Entscheidung aufs Spielfeld ging und dabei einen Revolver an seinem Gürtel trug. Die Staatsanwaltschaft erließ am Montag Haftbefehl gegen den russisch-griechischen Unternehmer und vier seiner Sicherheitsleute. In dem ganzen Trubel war auch der Unparteiische verbal bedroht worden, wie das griechische Pay-TV (NOVA) zeigte.

Zwei Stunden nach Spielschluss: Referee ändert Meinung

Die Spieler verließen das Feld und begaben sich in ihre Kabinen, der Schiedsrichter und dessen Assistenten ebenso. Mehr als zwei Stunden nach Abbruch des Spiels änderte der Referee nach Medienberichten seine Meinung und erklärte den Kapitänen der beiden Teams in den Kabinen, das Tor zähle doch. Daraufhin weigerte sich das Team von AEK, die restlichen Minuten fortzusetzen, sodass die Begegnung letzten Endes abgebrochen wurde.

Es scheint viel Aufklärungsarbeit auf den griechischen Verband (EPO) zuzukommen. Dabei hatte dieser selbst wenige Stunden zuvor noch mit einer überraschenden Entscheidung die Emotionen in beiden Fan-Lagern angeheizt. Eine frühere Strafe gegen PAOK war nämlich reduziert worden.

Bei Ausschreitungen im Spiel gegen Olympiakos Piräus am 25. Februar war Gäste-Trainer Oscar Garcia von einem aus dem Publikum geworfenen Gegenstand am Kopf getroffen worden. Daraufhin wurde die Partie nicht mehr angepfiffen, das Spiel im Nachhinein mit 3:0 für Olympiakos gewertet. Hinzu wurden PAOK weitere drei Zähler abgezogen, sowie eine Geldstrafe von 30.000 Euro auferlegt und der Klub hätte zwei Heimspiele ohne Zuschauer austragen müssen - unter anderem wäre das Top-Spiel gegen AEK betroffen gewesen.

Gestürmter TV-Sender - Abgemilderte Strafe gegen PAOK

Ratlos: AEK-Profi Vassilis Lampropoulos im Gespräch mit einem Polizisten.

Ratlos: AEK-Profi Vassilis Lampropoulos im Gespräch mit einem Polizisten. Getty Images

Wie emotional das einige PAOK-Anhänger nahmen, zeigt ein Vorfall, der sich unmittelbar nach dem Urteil ereignete. So wurde das TV-Studio des öffentlich-rechtlichen Senders ERT 3 gestürmt und ein Moderator gezwungen, fünf Minuten lang ein Protestschreiben zu verlesen. Darin stand unter anderem, die Strafe sei "der größte Sportskandal der Geschichte". Die Fans verließen das Fernsehstudio anschließend friedlich. Bemerkenswerterweise wurde niemand festgenommen.

An diesem Sonntag folgte dann aber die Kehrtwende, denn der Verband milderte das Strafmaß erheblich ab. So wurden sowohl die zwei Geisterspiele als auch der zusätzliche Punktabzug zurückgenommen, während die 3:0-Wertung für Olympiakos sowie die Geldstrafe blieben. Was die Verantwortlichen zum Umdenken bewogen hatte, wurde nicht gesagt. Auf jeden Fall hatte PAOK durch diese Entscheidung plötzlich die Chance, mit einem Sieg über AEK vor vollem Haus auf Platz 1 zu klettern.

Diese Chance wurde vorerst nicht ergriffen, da die Partie nicht beendet wurde. Mit einem Urteil dürfte so schnell nicht zu rechnen sein. So oder so: Die griechische Meisterschaft bleibt spannend, zumal Olympiakos Piräus, nach aktuellem Stand Tabellenzweiter mit einem Punkt Rückstand auf AEK, die Hoffnung, dass ein Abzug von drei Punkten, den man nach Ausschreitungen eigener Anhänger im Anschluss an das Spiel gegen AEK erhalten hatte, noch revidiert wird. Eine Entscheidung des Verbandes steht noch aus.

drm/aho