DER kicker.tv TALK - Folge 23:

Schmadtke: "Dann muss man einen Haken dahinter machen"

Jörg Jakob, Stefan Effenberg, Moderator Wolfgang Nadvornik, Jörg Schmadtke und Ismail Atalan (v.li.).

Die Expertenrunde beim DER kicker.tv TALK: Jörg Jakob, Stefan Effenberg, Moderator Wolfgang Nadvornik, Jörg Schmadtke und Ismail Atalan (v.li.). kicker

Trainer oder Sportchef - erst mit Herz oder Seele dabei, dann nicht mehr gefragt - Moderator Wolfgang Nadvornik hatte mit Jörg Schmadtke (zuletzt Geschäftsführer des 1. FC Köln), Ismail Atalan (Ex-Trainer der Sportfreunde Lotte und des VfL Bochum), Stefan Effenberg und Jörg Jakob (kicker-Chefredaktion) eine prominente Runde zu diesem Thema.

Doch zunächst versuchten die Experten, das 2:2 von Bremen in Mönchengladbach einzuordnen. "Leistungsgerecht", befand Effenberg, der das Unentschieden für Werder im Abstiegskampf als "gut für die Moral" einstuft. Atalan lobte die Umstellungen von SVW-Trainer Florian Kohfeldt nach der Halbzeit, die für die Wende sorgten. Und Schmadtke verwies darauf, dass Gladbach die Doppelsechs (Kramer, Zakaria) weggebrochen war und Bremen "dies ausgenutzt" habe. Für ihn macht das Team von der Weser mit Blick auf die Abstiegskonkurrenten ohnehin den "stabilsten Eindruck".

Werder ist auf einem guten Weg, Köln dagegen nicht. Der Effzeh ziert das Tabellenende. Am Saisonanfang stand Schmadtke als Geschäftsführer noch im Blickpunkt, ehe sich im Oktober die Wege trennten. "Man setzt sich damit intensiv auseinander, wie die eigene Rolle war - um das nächste Mal eine andere Reaktion zeigen zu können. Dann muss man einen Haken dahinter machen", meinte Schmadtke. Dem 53-Jährigen tat der Abschied aber dennoch weh, wie er bekundete.

Ich muss mich schon komplett auf einen Klub einlassen. Und da gehört schon Leidenschaft dazu.

Jörg Schmadtke

Zumal er den Verein nahe an sich herangelassen hat. "Ich muss mich schon komplett auf einen Klub einlassen. Und da gehört schon Leidenschaft dazu." Das sah Effenberg nicht ganz so und merkte an, dass die Verbundenheit "keine Liebe wie bei einem Fan sei. Es ist immer noch ein Job. Weil die Gefahr besteht, dass du gefeuert wirst." Für ihn sei die Laufzeit der Zusammenarbeit in dieser Hinsicht entscheidend. Aber auch ihm habe es "logischerweise wehgetan, wie die Entscheidung gefallen ist, dass ich nicht mehr Trainer bin". Für Jakob ist so eine Trennung "psychologisch schwierig. Ein Rückzug ist immer auch eine Niederlage." Atalan unterstrich: "Im Endeffekt ist das unser Job und wir müssen uns darauf einstellen."

Wenn Liebe in Hass umschlägt

Einstellen müssen sich etliche Klubs auch, dass im Abstiegskampf die Fans von ihnen abrücken. Zuletzt sorgten aber Drohungen auf Plakaten und Pyrotechnik für eine Eskalation. Vor allem in Hamburg ist die enttäuschte Liebe zum Klub bei einigen in Hass umgeschlagen. "Das ist absurd", fehlt Jakob dafür jegliches Verständnis: "Statt Unterstützung sehen wir ein Plakat, dass sie durch die Stadt gejagt werden." Sein Vorschlag: "Den Dialog nie abreißen lassen." Findet auch Schmadtke: " Dialog ist wichtig." Für Atalan haben sich die Chaoten aber "für Dialog disqualifiziert. Sie haben jegliches Recht auf Kommunikation verloren".

"Du kriegst den Kopf gar nicht mehr frei"

Zumal sich diese Aktionen negativ auf die Leistungen auswirken. "Diese Leute vermummen ihre Gesichter, die helfen den Spielern nicht. Du kriegst den Kopf gar nicht mehr frei. Die Spieler werden nicht hundert Prozent abrufen können", weiß Effenberg auch aus eigener Erfahrung zu berichten. Schmadtke wundert sich über die Trennlinie, "die es gibt. Ich bin Fan, ich liebe den Klub. Du bist Arbeitnehmer, dir ist es scheißegal."

nik

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"Das ist absurd": Wenn Liebe in Hass umschlägt

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