Bundesliga

Rauball: "Bremen ist vereinbarungswidrig ausgeschert"

Kosten für Polizeieinsätze: "Wir können die Diskussion nicht am Stammtisch gewinnen!"

Rauball: "Bremen ist vereinbarungswidrig ausgeschert"

"Rechtlich haben wir gute Argumente": Liga-Präsident Reinhard Rauball.

"Rechtlich haben wir gute Argumente": Liga-Präsident Reinhard Rauball. imago

Das Oberverwaltungsgericht Bremen hat entschieden, dass die DFL an den Kosten für Polizeieinsätze beteiligt werden kann. Welche weiteren Schritte unternimmt die DFL?

Wir sind nach wie vor von unserer Rechtsauffassung überzeugt und werden Revision beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig einlegen. Dass unsere Position nicht ganz abwegig sein kann, hat die vorangegangene Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Bremen gezeigt.

Wie lauten die Argumente der DFL?

Wie gesagt, rechtlich haben wir gute Argumente. Das ist vor Gericht entscheidend. Es gibt aber auch die politische Seite. Wir haben 2012/2013 im Rahmen der großen Sicherheitsdebatte mit der Innenministerkonferenz eine Vereinbarung getroffen und alle von uns verlangten Dinge erfüllt. Unter anderem mit der Erhöhung der Aufwendungen für die Fanarbeit auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Wir haben zum Beispiel hauptamtliche Sicherheitsbeauftragte in den Klubs über eine Festschreibung in den Statuten eingeführt und die Anzahl der Fanbeauftragten in den Klubs erhöht. Im Gegenzug haben wir die Zusage der Innenministerkonferenz bekommen, dass man am Status der Stehplätze nicht rüttelt und dass man die Vereine für die Kosten von Polizeieinsätzen nicht in Anspruch nimmt. Diese Vereinbarung hat das Land Bremen gebrochen. Das hat nicht nur bei mir zu einem erheblichen Vertrauensverlust in die Zusagen der Politik geführt. Gottseidank haben bisher alle anderen Innenminister diese Entscheidungslage eingehalten und gelebt, einschließlich des Bundesinnenministers. Aber das Land Bremen ist vereinbarungswidrig ausgeschert.

Bei inzwischen vier Milliarden Euro Umsatz der Liga könnte es auch eine moralische Verpflichtung geben.

Der Ansatz, die reiche DFL habe für arme Polizisten zu zahlen, ist populär, aber zu einfach. Dass wir eine solche Diskussion am Stammtisch nicht gewinnen können, ist klar. Hier geht es um rechtsstaatliche Grundsätze, und die müssen eingehalten werden. Dazu zählt, dass der Fußball nicht Ursache für Gewalt ist. Für uns ist nicht nachvollziehbar, dass der Fußball zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu Kasse gebeten werden soll. Das ist eine Kernaufgabe des Staates.

Wer zahlt, wenn das Bundesverwaltungsgericht der Auffassung der Liga nicht folgen sollte?

Aus meiner Sicht ist es fragwürdig, dass die Freie Hansestadt Bremen die DFL in Anspruch genommen hat. Mit dem süffisanten Hinweis, Werder Bremen wolle man nicht in Anspruch nehmen. Dass die 35 anderen Vereine der Liga die Bremer Kosten gegebenenfalls nicht anteilig tragen werden, ist klar. Bleibt es bei dem Urteil, wird der an die DFL adressierte Zahlungsbescheid dann Werder Bremen 1:1 in Rechnung gestellt.

Interview: Rainer Franzke