FC fünftbestes Rückrundenteam und trotzdem noch Schlusslicht

Ruthenbeck: "Das nervt einfach"

Stefan Ruthenbeck

Trotz Aufholjagd noch Schlusslicht: FC-Coach Stefan Ruthenbeck. imago

Es ist ein Leben mit den Extremen. Woche für Woche. Gewinnt der FC nicht, ist er schon so gut wie abgestiegen. Siegt der Tabellenletzte flammt die Hoffnung auf den Klassenerhalt aber auch direkt wieder auf. Der Existenzkampf fühlt sich für die Kölner an wie Fire an ice. "Die Gesamtsituation ist brutal. Vor einer Woche war schon wieder alles vorbei", erinnert sich Ruthenbeck an die Gefühlslage nach dem 1:1 gegen Hannover und angesichts von neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz, "und jetzt ist wieder alles drin. Das geht ja in alle Richtungen, das ist ja Wahnsinn. Das ist auch für mich schwierig."

Diese Situation wird sich nicht so schnell ändern. Zumindest nicht ins Positive. Selbst wenn der FC dem 2:1-Sieg in Leipzig weitere Erfolge folgen ließe, wird er extrem unter Zugzwang bleiben. "Die Wichtigkeit jedes Spiels ist enorm, aber das war für uns von Anfang an so. Deshalb haben wir die Endspiele ausgerufen. Wir wussten: Wir müssen von Anfang an punkten, sonst kommen wir nie in die Situation, dass nachher die Spiele auch wichtig sind", erklärt Ruthenbeck, der weiß, dass durch den Erfolg die psychische Belastung nicht geringer wird. "Jetzt sind wir in der Situation, dass jedes Spiel wichtig ist. Das haben wir uns erarbeitet. Jetzt können wir uns aber nicht darüber beschweren, dass jedes Spiel wichtig ist, sondern wir wollten genau diese Situation auch haben", sagt der Fußballehrer, der jedoch eingesteht: "Aber das ist anstrengend für uns alle."

Ruthenbeck: "Diese Bürde aus der Hinrunde ist einfach brutal"

Dabei spielt auch das reine Tabellenbild - unabhängig von den Punktabständen - eine Rolle. Dass der FC trotz sportlichen Aufschwungs die Rote Laterne nicht loswird, belastet, wie Ruthenbeck zugibt. "Das nervt, wenn man sieht, wen wir schon alles geschlagen haben. Es nervt einfach. Diese Bürde aus der Hinrunde ist einfach brutal. Wir sind die fünftbeste Rückrundenmannschaft und immer noch Achtzehnter", so der Trainer, der aufgrund der Siege gegen Gladbach, in Hamburg und Leipzig meint: "Das ist ja kein Zufall. Da passt ja einiges, trotzdem bist du Achtzehnter, das ist bitter."

Dabei ist der FC schon weiter als von Ruthenbeck zum 24. Spieltag kalkuliert, nachdem die Kölner nun mit dem HSV nach Punkten gleichgezogen sind. "Der Zeitpunkt ist sehr, sehr früh. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe nicht gedacht, dass wir zehn Spieltage vor Saisonende überhaupt einen eingeholt haben", so der FC-Trainer. Doch: "Der Druck ist enorm. Jeder Sieg hat uns bis dato nicht viel geholfen in der Tabelle."

Wem soll der FC die Daumen drücken?

Am Sonntag gegen Stuttgart jedoch könnte sich bei einem Dreier einiges bewegen, der FC das Tabellenende verlassen. Vorausgesetzt, der HSV holt am Samstag gegen Mainz weniger Punkte als der FC gegen den VfB. Allerdings ist sich Ruthenbeck nicht wirklich sicher, welches Szenario in Hamburg das günstigste für den FC ist. "Es wäre schon gut, wenn wir Hamburg überholen würden. Andersherum musst du die Mainzer auch kriegen", erklärt der Trainer zum Duell der beiden direkt vor dem FC platzierten Teams. Wobei angesichts der Mainzer Vorsprungs von sieben Punkten ein Sieg des sich seit Wochen wie ein Absteiger präsentierenden HSV dem FC auf Sicht wohl mehr helfen würde, als ein Dreier der Mainzer, die am 29. Spieltag ja auch noch zum direkten Duell nach Müngersdorf kommen.

Doch erstmal muss der FC am Sonntag sein Spiel gegen Stuttgart selbst gewinnen, um das große Ziel irgendwie im Blick zu behalten. Am letzten Spieltag noch die Chance zu haben, auf den Relegationsplatz zu kommen, "das wäre geil", sagt Ruthenbeck. Mit dem Wissen, dass er und seine Spieler selbst dann nicht einen Hauch weniger Druck verspüren würde als im Moment.

Stephan von Nocks

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