Hoffenheims Norweger im Interview

Nordtveit über England: "Hatte schon beim Aufwärmen Krämpfe"

Havard Nordtveit

Auf Augenhöhe mit den Besten: Havard Nordtveit im West-Ham-Trikot gegen Eden Hazard. imago

Ist in England alles eine Dimension größer?

Dieses Jahr dort war spektakulär für mich. Das muss man erlebt haben. Wir hatten das Eröffnungsspiel 2016/17 auswärts bei Chelsea, ich war in der Startelf. Freitagabend, du hast das Gefühl, die ganze Welt guckt dir jetzt zu. Und das stimmt sogar beinahe. Viele hundert Millionen Menschen schauen da zu rund um den Globus. Dieser Druck ist einfach geil. Ein Traum. Als ich jung war, war Premier League immer das Größte. Und das wird es für mich auch bleiben. Was aber auch damit zusammenhängt, dass bei uns zuhause in Norwegen der englische Fußball viel, viel stärker im Fokus steht als andere europäische Ligen.

Warum kehrten Sie dann zurück in die Bundesliga?

Ich habe mit meiner Familie gesprochen, und wir haben entschieden, dass die Bundesliga besser zu mir passt. Als Spieler.

Warum?

In Deutschland geht es mehr um Taktik, um Ballbesitz, um den richtigen Zeitpunkt, nach vorne zu spielen. In England geht es 90 Minuten volle Pulle rauf und runter. Das ist körperlich sehr hart. Ich verstehe nicht, wie einige Spieler das 60 Spiele und mehr durchhalten - Jahr für Jahr. Unglaublich. Wir hatten vier Spiele rund um Weihnachten und Silvester. Da hatte ich schon beim Aufwärmen Krämpfe. Ich habe mal vorsichtig einen Kollegen gefragt, ob das nur mir so geht. Er sagte: Nein, nein, das geht der halben Mannschaft so. Aber das ist die britische Mentalität. Das war schon eine geile Erfahrung.

Das heißt: Irgendwann müssen Sie noch mal zurück auf die Insel?

Wir haben da ein Haus, vielleicht mal in den Ferien. Aber in der Premier League ist es vorbei für mich.

Wird die Premier League die Bundesliga abhängen?

Ich denke, Bayern und Dortmund könnten auch dort in der Spitze mitspielen. Bei diesen unterschiedlichen finanziellen Mittel wird es schwer für die Bundesliga mitzuhalten. Wenn Everton mehr investieren kann als Bayern München, ist das Wahnsinn. Aber wer weiß schon, wie es in zehn Jahren aussieht.

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