Streit zwischen FC und Ultras lässt tief blicken

Traurige Entwicklung! Aber Chance auf Dialog in Köln

Anhänger des 1. FC Köln beim Derby gegen Mönchengladbach

Aufgeheizte Stimmung: Zwischen dem 1. FC Köln und einem kleinen Teil seiner Anhänger brodelt es. imago

Wahrscheinlich gerade während Werner Spinner, der Präsident des 1. FC Köln, nach einer Herzoperation von der Intensiv- auf die normale Station verlegt wurde, fertigten Anhänger des Vereins ein Transparent, das sie am Samstag dann in der Südkurve ausbreiteten: "Funktionäre kommen und gehen - was bleibt, sind wir Fans". Nun hätte man vor dem Hintergrund der lebensbedrohenden Erkrankung Spinners darauf kommen können, dass diese Aussage zu diesem Zeitpunkt irgendwo zwischen makaber und geschmacklos anzusiedeln ist.

Aber um derlei Befindlichkeiten geht es längst nicht mehr im Zusammenleben zwischen dem 1. FC Köln und einem kleinen Teil seiner Anhänger. Der Klub verurteilte das Verhalten der Ultras in der vergangenen Woche in einem ausführlichen Schreiben, das auf der Homepage veröffentlicht wurde . Dass es zu diesem Zeitpunkt geschah, hängt möglicherweise damit zusammen, dass die Fan-Organisation "Südkurve e. V." (in der Ultras offenbar eine gewichtige Rolle spielen) begonnen hatte, Vorwürfe gegen den Vorstand zu veröffentlichen. Auch neuerliche Verfehlungen (demolierte Züge, Auseinandersetzungen mit gegnerischen Fans und Polizei im Rahmen der Auswärtsspiele in Hamburg und Frankfurt) trugen womöglich ihren Teil dazu bei.

Der FC listet eine Bilanz des Schreckens auf

Der Verein listete eine Bilanz des Schreckens auf, bei der man sich als neutraler Beobachter fragt, wie ein harter Kern von rund 300 (im Höchstfall 1000) Problemfans einen Klub mit über 100.000 Mitgliedern derart vor sich hertreiben kann. Kostproben: Beleidigungen gegnerischer Funktionäre (Dietmar Hopp, Martin Kind) und der Polizei, Gewaltakte, Fahnenklau, Sachbeschädigung, Landfriedensbruch und als negativer Höhepunkt lebensgefährliche Leuchtkugel-Geschosse, die in Belgrad auf den Rasen und in den Fan-Bereich gefeuert wurden und um ein Haar Spieler, Einlaufkinder und Roter-Stern-Anhänger getroffen hätten. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.

Der 1. FC Köln bekam die Strafe für das Verhalten dieser Chaoten in der vergangenen Woche zunächst von der UEFA präsentiert, am Montag folgte der DFB. International wurden 60.000 Euro fällig (davon 27.500 zur Bewährung auf zwei Jahre), national 50.000 Euro . Dabei wurden die Vorfälle von Belgrad noch nicht verhandelt, dies geschieht am Donnerstag.

Alleingang der Klubführung? Sogar Martin Schulz reagierte

Die Reaktion des Vorstandes kann also niemanden wirklich überrascht haben. Sie wirft allerdings auch ein Licht auf die internen Verhältnisse beim Tabellen-Schlusslicht. Stefan Müller-Römer, Vorsitzender des Mitgliederrates, warf der Klubführung einen Alleingang vor. Tatsächlich aber bekamen alle Mitglieder aller Gremien das Schreiben mehrere Tage vor der Veröffentlichung - verbunden mit der Bitte um Unterstützung (die jedem vorbehalten blieb) und möglicherweise Änderungen und Ergänzungen. Selbst der ehemalige SPD-Chef Martin Schulz, wahrlich ein Mann mit anderen Problemen in diesen Tagen, schickte als Beiratsmitglied den Entwurf gelesen und mit Zustimmung versehen zurück.

Außerdem echauffierte sich Müller-Römer öffentlich auch darüber, dass Mitglieder "seines" Gremiums dem Papier zugestimmt hatten. Konstruktive Vorschläge des Mitgliederrates zur Lösung der Probleme sind nicht öffentlich bekannt, die Ultras verabschiedeten sich aus der "AG Fankultur". Eine insgesamt traurige Entwicklung.

Vorbild Frankfurt? Dialog-Bereitschaft sollte als Chance gesehen werden

Bleibt die Frage, ob Klub und Ultras zum Dialog zurückfinden und wie der Mitgliederrat da sinnvoll vermitteln kann. Wie wichtig und hilfreich ein Dialog sein kann, zeigte sich am Montag in Frankfurt beim friedlichen und abgestimmten Protest der Eintracht-Fans gegen den Montagstermin .

Klar sollte auf jeden Fall sein: "Funktionäre kommen und gehen". Das ist korrekt. Aber in der Zeit, in der sie da sind, tragen sie eben Verantwortung. Und mussten in der vergangenen Woche Strafen für Fan-Verfehlungen in Höhe von über 100.000 Euro hinnehmen. Dass der 1. FC Köln dennoch bereit ist, den Dialog wieder aufzunehmen, sollte als Chance gesehen werden. Und darf nicht Anlass sein für politische Spielchen auf dem Rücken des Klubs.

Frank Lußem

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