Bundesliga

Kommentar zur Zukunft der 50+1-Regel: Der Liga droht die Spaltung

Kommentar von Rainer Franzke, kicker-Chefredaktion

Der Liga droht die Spaltung

Martin Kind

Lässt seinen Antrag auf eine 50+1-Ausnahmegenehmigung ruhen: 96-Präsident Martin Kind. picture alliance

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die 50+1-Regel wird den deutschen Fußball in den kommenden Wochen weiterhin intensiv beschäftigen; Hannover 96 und Martin Kind lassen den Antrag auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung (vorerst) ruhen und räumen der Liga etwas Zeit für eine Reform ein. Eine nette Geste.

Doch viel Zeit für ein zur Diskussion stehendes Grundlagenstatut auf juristisch stabilen Beinen kann sich der deutsche Fußball nicht leisten. Denn auf einer anderen Baustelle ruht die Arbeit nicht: Das Bundeskartellamt prüft aktuell die Beschwerde von Hasan Ismaik. Der Investor des TSV 1860 München würde beim Thema "50+1" mit Sicherheit nicht den Gang vor ein ordentliches Gericht scheuen.

Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München
53
2
Bayer 04 Leverkusen
35
3
RB Leipzig
35

Die Grenzen der bestehenden Regelungen sind deutlich aufgezeigt worden, seit Kind schon im Jahr 2011 über eine Entscheidung des neutralen DFB-Schiedsgerichts Modifizierungen der 50+1-Regel bewirkt hatte. Unter dem Strich steht die Regel aber weiter auf dünnem Eis. Alle Beteiligten wissen, dass diese Vereinbarung nach EU-Recht wohl nicht rechtens ist.

Alle Klubs müssen jetzt Farbe bekennen und eine tragfähige Lösung finden, die - unter streng reglementierten Voraussetzungen - Investoren für ihr oft risikobehaftetes finanzielles Engagement durchaus auch eine gewisse Form der Mitgestaltung einräumt.

Gehen Bundesliga und 2. Liga beim Investoren-Thema getrennte Wege?

Die hitzigen Debatten und zum Teil auch unsachlichen und praxisfremden Einlassungen in den vergangenen Jahren werfen inzwischen ganz neue Fragen auf: Kann bei dem großen Themenkomplex "Investoren" überhaupt noch eine gemeinsame Entscheidung aller 36 Profiklubs herbeigeführt werden? Oder werden Bundesliga und 2. Liga in diesem Thema getrennte Wege gehen? "50+1" droht zum Anfang einer Spaltung der beiden Profiligen zu werden - mit unabsehbaren Konsequenzen. Dieser Gefahr müssen alle Beteiligten ins Auge blicken, wenn es bei 50+1 zum Schwur kommt.

Kind hat mit seiner Entscheidung die Hand gereicht - am Montag gab es keine Sieger und keine Besiegten, da das Ligapräsidium nicht entscheiden musste. Bei dem dringend erforderlichen Grundlagenstatut steht nun auch die Solidarität des deutschen Fußballs auf dem Spiel.

Rainer Franzke, kicker-Chefredaktion

Rainer Franzke, kicker-Chefredaktion kicker

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