Bundesliga

Jurist Kletke: "Keine Handhabe gegen Hollerbach"

Interview über den Streit zwischen Würzburg und dem HSV

Jurist Kletke: "Keine Handhabe gegen Hollerbach"

Fachanwalt Horst Kletke sieht keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen für Bernd Hollerbach.

Horst Kletke, Experte für Fußball-Arbeitsrecht, sieht keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen für Bernd Hollerbach. imago

kicker: Herr Kletke, darf ein Trainer ein neues Arbeitsverhältnis eingehen, wenn der alte Vertrag nicht aufgelöst ist?

Horst Kletke: Es gibt zwei Komponenten. Was den verbandsrechtlichen Teil betrifft, gibt es für Spieler eine Registrierung und Erteilung der Spielerlaubnis. Bei Trainern existiert nichts Vergleichbares. Allerdings steht in der Ausbildungsordnung, dass man keine zwei Verträge eingehen soll. Ein Verstoß wäre höchstens ein unsportliches Verhalten, hindert aber nicht, dass ein Trainer arbeiten könnte.

kicker: Was ist die andere Komponente?

Kletke: Arbeitsrechtlich kann man im Prinzip keine zwei Jobs ausüben, die auf die gleiche Arbeitsleistung gemünzt sind. Aber hier besteht ja die Sondersituation, dass Bernd Hollerbach seit Monaten freigestellt ist, man also gar keine Arbeitsleistung mehr von ihm wünscht.

kicker: Was kann Kickers Würzburg tun?

Kletke: Die genauen Regelungen zwischen dem Verein und Hollerbach für den Fall seiner Freistellung seit Mai 2017 kenne ich nicht, aber der Klub könnte seinen Ex-Cheftrainer beim Arbeitsgericht verklagen auf Erbringung der Arbeitsleistung. Vorgeschaltet ist ein obligatorisches Schlichtungsverfahren beim DFB. So eine Klage wäre allerdings ziemlich widersprüchlich, weil Hollerbach mittlerweile fast ein Jahr freigestellt ist und man keinen Wert auf seine Arbeitsleistung legt. Seine Stelle ist längst neu vergeben, Würzburg kann ihm also auch keine Arbeit als Cheftrainer zuweisen.

kicker: Was ist mit einer Schadensersatzklage?

Kletke: Welcher Schaden soll entstanden sein? Im Grunde genommen kann Würzburg froh sein, dass die Gehaltszahlungen, auf die man sich vermutlich im Zuge der Freistellung geeinigt hat, nun enden. Ich sehe keine Handhabe gegen Bernd Hollerbach.

kicker: Und gegen den HSV?

Kletke: Theoretisch könnte einem viel einfallen, zum Beispiel Anstiftung zum Bruch des Arbeitsverhältnisses, was auf der nationalen Ebene aber keine Rolle spielt. Außerdem trifft es denn Sachverhalt nicht, dazu hätte der HSV im März 2017 auf eine Freistellung von Hollerbach in Würzburg hinwirken müssen. Der Trainer hat im Gegensatz zu aktuellen Fällen bei Spielern auch überhaupt nicht versucht, sich den Weg freizupressen nach dem Motto: Ich komme nicht mehr zum Training, damit ich irgendwie aus meinem Vertrag rauskomme... Außerdem steht der HSV zu Würzburg in keinem Liga-Konkurrenzverhältnis.

kicker: Was unterscheidet Hollerbach zum Beispiel von Peter Hermann? Für den Co-Trainer zahlten die Bayern an Düsseldorf eine Ablöse.

Kletke: Hermann war in Amt und Würden und Düsseldorf hochzufrieden mit seiner Arbeit. In ein intaktes Arbeitsverhältnis einzugreifen, ist etwas ganz anderes als der Vorgang bei Bernd Hollerbach, der nicht mehr gewollt wurde und woanders hingegangen ist. Das ist doch der normale Gang der Dinge. Wenn nicht der HSV, sondern der FC "XY" unterhalb der 3. Liga der neue Arbeitgeber wäre, dann hätten wir eine andere Situation. Die erste Liga riecht halt immer irgendwie nach Geld.

Interview: Michael Ebert