Ärger bei Werder Bremen - DFL-Direktor Schwenken äußert sich

Darum griff der Video-Assistent beim HSV-Tor nicht ein

Filip Kostic (li.)

Traf aus hauchdünner Abseitsposition zum 1:1 für Hamburg in Leipzig: Filip Kostic (li.). imago

Bremen war im Heimspiel gegen Hertha BSC am Samstagabend (0:0) ein Tor nach Eingriff des Video-Assistenten aberkannt worden. Weil Thomas Delaney zuvor ein Foulspiel begangen hatte, fand Maximilian Eggesteins Tor richtigerweise keine Anerkennung . Die Bremer Gemüter erregte allerdings nach dem Schlusspfiff der gegebene Treffer für Abstiegskonkurrent HSV wenige Stunden zuvor. "Das beste Beispiel für den Videobeweis ist der Treffer der Hamburger heute. Da hat jeder gesehen, was das für ein Szenario ist. Wir können damit nicht arbeiten", ärgerte sich Max Kruse.

Noch kein lizenziertes System

Doch wieso verhinderte der Videobeweis ein irreguläres Tor in Bremen, beim HSV-Spiel in Leipzig kam er dagegen nicht zur Anwendung? Das Problem bleiben die fehlenden, kalibrierten Linien, anhand derer der Video-Schiedsrichter eine Abseitsstellung zu 100 Prozent feststellen kann. "DFL und DFB werden, wie in den vergangenen Monaten immer wieder betont, erst auf die so genannte kalibrierte Linie zurückgreifen, wenn von FIFA und IFAB Versionen eines oder mehrerer Dienstleister zertifiziert wurden und zugelassen sind - ähnlich wie das vor Einführung der Torlinientechnologie der Fall war", erklärt der für den Videobeweis bei der DFL zuständige Ansgar Schwenken. "Erst damit wären auch unsere eigenen, höchsten Qualitätsansprüche erfüllt, dass mithilfe der Linien tatsächlich in höchstem Maße verlässlich aufgelöst wird, ob eine Abseitsstellung vorliegt oder nicht."

Wir erinnern auch daran, dass die 'Abseitslinie' im Protokoll des IFAB, also im Anforderungskatalog für den Video-Assistenten, gar nicht vorgesehen war.

Ansgar Schwenken

Zwar seien TV-Sender dazu in der Lage, Abseitslinien über das Bild zu legen. Ansprüchen für eine faire Entscheidungsfindung durch den Video-Assistenten erfüllen diese aber laut Schwenken nicht. "Für die von FIFA/IFAB und auch von uns angestrebten Linien sind im Vorfeld jedes Spiels umfangreiche technische Vorleistungen in den Stadien zu erbringen. Erst dadurch kann sichergestellt werden, dass die Linie in jeder Hinsicht exakt ist - mehr als ob diese Genauigkeit "nur" vom menschlichen Auge und subjektivem Ermessen abhängig ist", sagt der 48-Jährige. Die kleinste "zeitliche Abweichung" könnte bei einer nicht exakt kalibrierten Linie zu einem fehlerhaften Urteil des Schiedsrichters führen.

Keine baldige Lösung in Sicht

Eine entsprechende Lizenzierung für ein Linien-System sei "in Verlauf dieser Testsaison eher nicht mehr" zu erwarten, so Schwenken. Zudem sei es Aufgabe des Video-Assistenten, nur bei groben Fehlentscheidung einzugreifen. "Wir erinnern auch daran, dass die 'Abseitslinie' im Protokoll des IFAB, also im Anforderungskatalog für den Video-Assistenten, gar nicht vorgesehen war - bis dieses Mittel kurzfristig beim Confederations Cup 2017 doch - und dann ohne wirkliche Verlässlichkeit - zum Einsatz kam", betont Schwenken außerdem.

pau/sid

Videobeweis: 37 Korrekturen, 11 neue Fehler