Bundesliga

Einzeltraining: Herthas nächster Versuch bei Sinan Kurt

Warum die Berliner weiter an den Youngster glauben

Einzeltraining: Herthas nächster Versuch bei Kurt

Sinan Kurt (Mi.)

Vorerst nicht mehr im normalen Trainingsbetrieb dabei: Sinan Kurt (Mi.). imago

Pal Dardai war mit dem Start in die Arbeitswoche, die das Auswärtsspiel bei Werder Bremen (Samstag, 18.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) beinhaltet, zufrieden. "Es war ein gutes Training mit einem Tick Aggressivität. Das gehört dazu. Solange es kein Frustfoul gibt, ist alles wunderbar", sagte Herthas Trainer. Auch eine kurze Rangelei zwischen den Abwehrspielern Marvin Plattenhardt und Sebastian Langkamp bereitete dem Coach keine Sorgen. "Das finde ich schön. Männersport, da gibt es Adrenalin", erklärte der Ungar, der neben den ohnehin verletzten Karim Rekik und Rune Jarstein auf vier weitere Spieler verzichten musste.

Youngster Julius Kade zog sich im A-Jugend-Spiel eine Bänderverletzung im Sprunggelenk zu und fällt "Minimum zwei Wochen" (Dardai) aus. Jordan Torunarigha und Maurice Covic erhielten nach ihren Einsätzen bei der U 23 am Sonntag eine Verschnaufpause. Und Mitchell Weiser plagen laut Klubangaben muskuläre Probleme. "Es ist nichts Großes, aber bei solchen Geschichten sind wir vorsichtig. Es kann jeden Tag wieder okay sein, so dass er mit uns trainieren kann. Aber es kann auch etwas länger dauern. Da müssen wir von Tag zu Tag schauen", vermeldete Dardai.

Er hat Qualität, er hat einen feinen linken Fuß, er kann kicken, aber es fehlt halt etwas.

Pal Dardai über Sinan Kurt

Die Schlagzeilen in Berlin bestimmten allerdings nicht diese Personalien, sondern Sinan Kurt. Hertha hat den ehemaligen Junioren-Nationalspieler aus dem regulären Trainingsbetrieb genommen und ihm Einzeltraining verordnet. Ausführlich kommentieren wollte Dardai den Vorgang, über den zuerst die Bild-Zeitung berichtet hatte, nicht. Herthas Trainer verwies zunächst auf Manager Michael Preetz, versicherte dann, dass sich die Maßnahme "nicht gegen Sinan" richte und fasste schließlich Kurts Situation mit den Worten zusammen: "Sinan ist ein guter Junge. Er hat Qualität, er hat einen feinen linken Fuß, er kann kicken, aber es fehlt halt etwas."

Es fehlt halt etwas - das hat Dardai über den 21-Jährigen bereits mehrfach gesagt. Auch mit sehr viel deutlicheren Worten, weil ihm die Fitness und die Einstellung des Spielers missfielen. Bislang ohne die erwünschte Wirkung.

Kurt, der vor zwei Jahren für eine halbe Million Euro vom FC Bayern geholt worden war, kam in dieser Saison weder in der Bundesliga noch im Pokal zum Einsatz. Für die Europa League wurde er gar nicht gemeldet. Meistens trainierte er bei den Profis mit und spielte für die U 23 in der Regionalliga, konnte sich dort aber auch nicht empfehlen und saß manchmal sogar bei der zweiten Mannschaft nur auf der Bank. Nun unternimmt Hertha mit der Maßnahme des Einzeltrainings den nächsten Versuch mit dem Außenbahnspieler.

Preetz hofft, dass Kurt dass er "in Sachen Eigenständigkeit weiterkommt"

"Wir möchten weiter mit Sinan arbeiten und ihn entwickeln, da wir unverändert Potenzial bei ihm erkennen. Er ist zwar in einem verbesserten Zustand aus dem Winterurlaub zurückgekehrt, aber noch nicht auf dem Level, welches wir uns von ihm wünschen", teilte Michael Preetz via Twitter zu dem Vorgang mit. "Gemeinsam haben wir entschieden, dass Sinan abseits des Teamtrainings mit individuellen Einheiten auf dieses Level kommen soll, um eine Alternative im Kader bei uns zu werden", so der Hertha-Manager weiter: "Wir erhoffen uns auch, dass er außerhalb seines gewohnten Umfeldes in Sachen Eigenständigkeit und Eigenverantwortung weiterkommt."

Diese Hoffnung äußerten die Verantwortlichen in den vergangenen Monaten immer wieder. So hatte Preetz bereits im Sommer betont, dass "Sinan in dieser Saison bei uns spielen wird. Wir wollen ihn wieder dahin bekommen, wo wir ihn im vergangenen Winter hatten. Da war er auf einem richtigen guten Weg und auch nah dran an der Mannschaft. Wir lassen ihn nicht fallen."

Vertragsende naht: Wie geht es mit Kurt in Berlin weiter?

Immer wieder ging es in der Vergangenheit auch um Kurts Einstellung. "Sinan hat großes Talent. Aber er muss eines verstehen: Der Wichtigste ist er, er wird am Ende darüber entscheiden, ob er sein Potenzial ausschöpft und eine erfolgreiche Profikarriere erreicht oder nicht. Unsere Aufgabe ist es, ihm mit allem, was uns zur Verfügung steht, zu helfen. Wir arbeiten daran, ihn auf den richtigen Kurs zu führen", sagte Preetz ebenfalls im vergangenen Sommer.

Ein halbes Jahr später wiederholt sich die Geschichte, wenn nun auch mit einem neuen Ansatz. Kurt, der sich vor einiger Zeit von seinem Berater Michael Decker trennte und von Roger Wittmanns Agentur ROGON betreut wird (die bei Hertha unter anderem auch Youngster Arne Maier vertritt, mit dem der Klub derzeit über eine Vertragsverlängerung spricht), steht in Berlin noch bis Juni 2019 unter Vertrag. Ein Transfer des einst als Ausnahmetalent gefeierten Außenbahnspielers dürfte sich angesichts des Images, das dem Spieler inzwischen anhaftet, derzeit schwierig gestalten. Kurts Entwicklung bei Hertha, wo man Talente weiterbringen möchte, soll nun ein zunächst für zwei bis drei Wochen angesetztes Individualtraining in die richtigen Bahnen lenken.

Jan Reinold

Die Winterwechsel der Bundesligisten